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Gesamt- statt Ticketkosten

„So lässt sich auch für das Unternehmen ein Mehrwert erzielen“, sagt Jörg Martin, Inhaber der Travel-Management-Beratung CTC Corporate Travel Consulting: „Der Mitarbeiter bleibt motiviert, und die Firma spart Geld.“ In jedem Fall warnen Experten, sich allein auf die Kosten des Tickets zu konzentrieren. „Besser ist eine Gesamtkostenrechnung: Ausgeruhte Mitarbeiter erzielen bessere Verhandlungsergebnisse für die Firma als gestresste“, sagt Anne Richter, die 2008 eine Analyse zu den Beförderungsklassen auf Langstrecke erstellt hatte. Dabei ist die wirtschaftliche Situation jenes Jahres gut mit der heutigen Lage vergleichbar. Ein ausnahmsloses Ja zur Business Class hatte Richter schon vor sechs Jahren als illusorisch verworfen – das wäre für die meisten Firmen nicht finanzierbar. Die Flugdauer als Kriterium findet sie jedoch nicht ideal: „Flugzeiten sind unverbindlich, und in der Praxis wird gegen solche Regelungen häufig verstoßen.“ Sie empfiehlt eine Differenzierung nach Flugzielen. Also zum Beispiel: Holzklasse für Moskau, Business Class für Peking. Ihr Tipp: „Markieren Sie Ihre Zielorte auf einer Weltkarte.“

Ein weiterer Aspekt: die Gesundheit der Reisenden. Noch ist das Thema „altersgerechtes Reisen“ zwar nicht in den Unternehmen angekommen, wie es in der neuesten Airplus-Studie heißt: Nur sehr wenige Firmen räumen bislang ihren älteren Reisenden Privilegien wie die Nutzung der Business Class ein. In Skandinavien hingegen haben dies bereits 19 Prozent in ihren Richtlinien festgeschrieben. Anne Richter fordert, sowohl für Ältere (ab 50 Jahren) als auch für Risikopersonen (Krampfadern, Kreislaufprobleme), sehr große Menschen und Vielflieger die Business Class zu erlauben. Alter und Gesundheitsstatus ließen sich – nach Absprache mit Betriebsrat und Datenschutzbeauftragtem – in die Reisendenprofile integrieren.

Unternehmen wie Diehl haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass das Thema Reisen in den Bewerbungsgesprächen zunehmend eine Rolle spielt. Keine qualifizierte Fachkraft muss sich mehr die Holzklasse um jeden Preis gefallen lassen, wenn ein anderer Chef mit der Business Class lockt. Hier tut „intelligentes Reisemanagement“ not, wie es Experten beschwören: lieber mal auf eine eher unwichtigere Reise verzichten und im Gegenzug für einen wirklich wichtigen Ferntrip eine höhere Komfortabilität zulassen.

Beinfreiheit ist am wichtigsten

Ein Trend, auf den die Fluggesellschaften reagieren: Sie erhöhen die Qualität ihrer Business Class, reduzieren jedoch die Zahl der Sitze. Gerade erst hat Delta Air Lines sieben ihrer Business-Class-Plätze durch 30 Economy-Sitze ersetzt. A und O der Business Class ist die Beinfreiheit. Tagsüber bequem arbeiten, nachts in Ruhe schlafen – fast jede Flug- gesellschaft bietet heute Flat Beds, also Liegesitze. United will diese jetzt erstmals auf einem Inlandsflug einführen (New York–Los Angeles), und sogar Nur-Business-Class-Flüge kommen ins Gespräch: Qatar setzt auf der Strecke London–Doha einen A-319 mit 40 Flat Beds ein. Als fast genauso wichtig wie die Beinfreiheit bezeichnen Travel Manager Services wie die Nutzung der Fast Lane, schnellere Sicherheitschecks, den Lounge-Zugang oder den Gratis-Internet-Anschluss an Bord. In diesen Punkten allerdings unterscheiden sich die Business-Class-Angebote der Airlines noch stark.

Praxisbeispiele: Von Diehl bis Dürr

Diehl: Zu denen, die ihren Mitarbeitern außerhalb Europas ausnahmslos die Business Class erlauben, gehört der Diehl-Konzern. „Da gibt es für uns keine Diskussionen“, sagt Travel Manager Andreas Konkel: „Zum einen wollen wir im Kampf um gutes Personal mithalten, zum anderen sind die Kosten zwar höher als bei Economy, aber daran dürfte keine Firma zugrunde gehen.“ Und wenn das Budget doch einmal knapp werden sollte, dürfen die Diehl-Töchter die Eco zur Pflicht machen.

Merck: Für Travel Manager Christoph Carnier steht fest: Ausgeruhte Mitarbeiter erzielen bessere Ergebnisse. Daher dürfen Reisende ab einer Flugzeit von vier Stunden die Business Class buchen. Allerdings müssen sie den günstigsten Tarif nutzen, also auch Umsteigverbindungen akzeptieren, direkt zu den Terminen fliegen (ohne Übernachtung) und möglichst mehrere Ziele in eine einzige Reise packen.

Dürr: Der Spezialist für Montage- und Lackieranlagen schreibt in seinen Reiserichtlinien die Economy Class zwar auch für die Fernstrecke vor. Dazu aber gehört für Dürr auch die Premium Economy. Wer frühzeitig bucht und die streckenbezogenen Preislimits einhält, kann somit gut ein Premium-Eco-Ticket erhaschen und in den Genuss größerer Beinfreiheit kommen, so Travel Manager Marcus Scholz.

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