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Lecker essen

25.01.2012, 09:00 Uhr

Alles übers Hotelfrühstück

von Sabine Neumann

Halten sie Buchungsweg und Preislimit ein, können Geschäftsreisende ihr Hotel meist selber buchen. Bei der Wahl spielt die Qualität des Frühstücks eine zunehmend gewichtigere Rolle.

Foto: Rica Nidelven

Als Reiseredakteurin ist Cathrin Lührs häufig auf Geschäftsreise. Für sie ist ein gutes Frühstück in „ihrem“ Hotel sehr wichtig. Gern greift sie zu Obstsalat, Joghurt und Brot: „Dann bin ich schnell fit und kann den Tag gut angehen lassen.“ Und sie legt Wert auf eine große Auswahl. „Das muss schon sein“, sagt sie, „gerade, weil man zu Hause so etwas nicht hat.“ Auch ihr Kollege Jan-Aslak Stannies macht sich so seine Gedanken über ein gutes Hotelfrühstück: „Ich finde es immer schade, wenn es ein Standard-Büfett gibt“, kritisiert er. „Toll ist etwas mit Pfiff. Es reichen schon Kleinigkeiten wie eine japanische Misosuppe.“ Stannies, der besonders oft im arabischen Raum unterwegs ist, freut sich über ein vielfältiges Frühstück. „Dafür stehe ich gern früher auf. Ich will das genießen. Denn dann gehe ich viel fröhlicher und entspannter zum Geschäftstermin.“

Wie wichtig Geschäftsreisenden ein gutes Frühstück ist, beweist eine Umfrage von TNS Emnid: Nach den Kriterien „Dusche/Bad/WC“ und „ruhiger Schlaf“ steht das morgendliche Büfett auf Platz 3. Dabei ist das Frühstück oft die einzige Hotelmahlzeit des Gastes, und die bleibt ihm in Erinnerung. Kein Wunder also, dass gerade Business-Hotels einen größeren Wert auf ihr Frühstück legen – dem Streit um zum Teil hohe Preise und dem Mehrwertsteuerchaos im vorigen Jahr zum Trotz.

Die Deutschen frühstücken gern und ausgiebig. Neben der Angebotsvielfalt spielt im Hotel die optische Präsentation eine wichtige Rolle, denn „das Auge isst mit“, sagt Stefanie Heckel vom Deutschen-Hotel- und Gaststättenverband. „Niemals zuvor konnte man so vielfältig und abwechslungsreich frühstücken wie heute“, lobt sie und fügt hinzu: „Ansprüche und Wünsche der Gäste, allen voran der Business Traveller, sind gestiegen.“ Im Trend liegen verschiedene Kaffee- und Teespezialitäten, Eierspeisen und regionale Produkte – am besten gleich „bio“. Heckel: „Zudem nimmt der Wunsch nach einem gesunden Start in den Tag zu.“

Auch Herren achten auf Figur

Wellness macht eben auch vor dem Frühstück nicht halt. Neben einer freundlichen Atmosphäre schätzen die Gäste frische Produkte, vom Brot über Säfte und Gemüse bis hin „zum möglichst selbst gemachten Joghurt oder Quark“, sagt Stefanie Heckel.

Ein Trend, auf den auch das Meliá-Hotel Düsseldorf setzt. „Auf unserem Büfett gibt es Düsseldorfer ABB-Senf, eine Spezialität aus dem 18. Jahrhundert“, sagt Verkaufschef David Kirchmann. Und: „Das extra für uns vom Bäcker gebackene Brot besteht aus getrockneten Tomaten, Oliven, Manchego-Käse und Serrano-Schinken.“ Bei Radisson Blu wiederum gehört zum „Super Breakfast“ Frisches aus Europa, Amerika und Skandinavien – immerhin hat die Kette nordische Wurzeln.

Sonderwünsche haben Geschäftsreisende selten. „Aber die Herren achten auf ihre Figur“, sagt Kirchmann und lächelt: „Ein ausgewogenes Frühstück mit Müsli ist ihnen wichtig.“ Aber Süßes muss natürlich auch sein. So ergänzt sein Hotel das Büfett um Milchschnitte, Smoothies („derzeit unser Renner“), holländische Schokostreusel „Hagelslag“ und acht Honigsorten vom Imker. Von den zwölf Marmeladen sind gleich vier hausgemacht. Kost für Allergiker ist gekennzeichnet – laktosefreie Milch ebenso wie glutenfreies Brot.

Dabei schätzen die Gäste des Düsseldorfer Meliá ein umfangreiches Büfett – wenn auch nicht „zu ausgefallen“, hat Kirchmann festgestellt: „Wichtig ist, dass sie sich alles selbst aussuchen und zusammenstellen können.“

Das bestätigt auch Britt Winter von Maritim. „Viele Hotelgäste schätzen es, zum Frühstück das essen zu können, was sie privat nicht auftischen.“ In den Maritim-Häusern wird von 6.30 bis 10.30 Uhr gefrühstückt – am Wochenende bis 11 Uhr. Für Geschäftsreisende, die sehr früh zum Termin oder zum Flugzeug müssen, gibt es, wie in vielen anderen Häusern auch, eine „Early Bird Box“. Oder wie bei Ibis ein Frühaufsteherfrühstück bereits ab vier Uhr morgens.

Deutsche mögen es sauber, bunt und üppig

Essensreste am Geschirr und Flecken auf der Tischdecke vermiesen manchen Reisenden die Frühstückslaune. Das ergab eine Umfrage des Portals Holidaycheck.

37,8 Prozent der Hotelgäste nervt mangelnde Sauberkeit: Sie wollen nicht am Tischtuch erkennen, was ihr Vorgänger gegessen hat. Eingetrocknete Krümel am Besteck sind ebenfalls ein Ärgernis.

18,3 Prozent der Reisenden vermiesen in Plastikdöschen abgepackter Käse oder fader Aufschnitt den Appetit, und eine lieb- und einfallslose Auswahl an Speisen und Getränken ist für immerhin 15,6 Prozent ein Kritikpunkt.

18,1 Prozent ärgern sich, wenn leere Platten selten oder gar nicht mehr aufgefüllt werden und das Personal unaufmerksam ist. Die Preise für die morgendliche Mahlzeit hält jeder Zehnte für zu hoch.

Als unglaubwürdig empfinden es Reisende, wenn ein Hotel mit dem Siegel „umweltfreundlich“ wirbt, es am Frühstückbüfett aber Mineralwasser aus Italien, Marmelade aus Frankreich oder Eier mit der Kennziffer „3“ (Käfighaltung) bereithält.

Zur Freude tragen hingegen nicht nur Speisenvielfalt und Frische, sondern auch originelle Ideen bei. Das können mit „Guten Morgen“ bemalte Frühstückseier sein oder auch einfache Blümchen auf den Tischen.

Wohlfühlfaktor Frühstück

Gut für Geschäftsreiseplaner und Reisende: Übersteigt der Gesamtpreis fürs Zimmer allein wegen des Büfetts den in der Reiserichtlinie vorgegebenen Wert, weicht man auf ein Blitzstarter-Gedeck aus: Das bieten Ketten wie Hilton, Hyatt oder Maritim. Sparen lässt sich aber auch bei Buchung eines gesamten „Business-Pakets“, wie es zum Beispiel Pullman bietet: Übernachtung, Frühstück, W- LAN, Zeitung, Wasser, Late-Check-out und Upgrade sind gebündelt für einen günstigeren Preis zu haben, als wenn man diese Elemente einzeln einkaufen würde.

Für die Wahl eines Vertragshotels spielt für Geschäftsreiseplaner das Frühstück meist keine entscheidende Rolle. „Für uns sind der Preis und die Lage ausschlaggebend“, sagt Sabine Kikillus, Vertriebschefin einer Maschinenfabrik in Süddeutschland: „Allerdings können die Reisenden für Städte, in denen es keinen Vertragspartner gibt, ihr Hotel selbst buchen, wenn der Preis ein bestimmtes Limit nicht überschreitet. Und da dürfte die Frühstücksqualität sehr wohl wichtig sein“, vermutet sie: „Denn genau wie die Bettenqualität und die Freundlichkeit der Mitarbeiter ist sie ein Wohlfühlfaktor.“

Und zunehmend fühlen sich die Reisenden bei regionaler Kost wohl. Immer häufiger finden sich bereits auf den morgendlichen Büfetts lokale Spezialitäten. Im Dorint Resort & Spa im fränkischen Bad Brückenau beispielsweise ist das der Imkerhonig aus der Rhön – natürlich in der Wabe. Im Maritim-Hotel in Berlin gehört die Wurst vom populären Gut Hesterberg dazu, im Dresdner Innside der Kaffee aus der örtlichen Rösterei, und München ohne Weißwürste funktioniert sowieso nicht.

Blaubeeren und Tomaten

Und: Lebensmittel am Büfett sind farblich nach Kriterien wie Energiegehalt, Cholesterin und Fettgehalt gekennzeichnet. Das gilt zum Beispiel für Maritim, aber auch für Häuser von Mövenpick, und Westin hat gar zusammen mit Ärzten und Ernährungsexperten „Superfoods“ zusammengestellt: Speisen, die – richtig kombiniert – mehr Kraft als üblich zur Bewältigung der Mühen des Alltags verleihen. Blaubeeren zählen dazu, aber auch Tomaten, Lachs und Honig.

„Geschäftsreisende schätzen ein gesundes Frühstück“, betont Meliá-Vertriebschef Markus Vergin. Zugleich hat er die Erfahrung gemacht, dass „Besonderheiten, die dem Kulturkreis der Gäste entstammen, schon beim Frühstück gut ankommen“. Misosuppe und Tofu für japanische Gäste etwa sind für ihn selbstverständlich. Eines finden Meliá-Gäste fast immer: Tortillas und Churros. Schließlich kommt die Kette aus Spanien.

Nicht immer muss es allerdings so üppig zugehen wie im Rica-Hotel Nidelven im mittelnorwegischen Trondheim: Das lässt schon bei der morgendlichen Mahlzeit überhaupt keinen Wunsch offen und wurde bereits zum sechsten Male hintereinander als Norwegens bestes Frühstückshotel ausgezeichnet. Insgesamt sechs Köche stehen am Büfett, um Sonderwünschen der Gäste nachzukommen. Und am frisch gefangenen und filetierten Lachs und den zahlreichen anderen Lebensmitteln aus der Region kommt wahrlich kein Feinschmecker vorbei.

Damen mögen es im Zimmer

Die große Mehrheit der Business Traveller kommt übrigens nach wie vor am liebsten in den Frühstücksraum zum Essen. Doch Markus Vergin stellt zugleich einen Trend zur Privatsphäre fest – insbesondere bei seinen weiblichen Übernachtungsgästen. „Immer mehr Damen bestellen sich ein Frühstück auf ihr Zimmer“, sagt er. Ein Bedürfnis, auf das sich zumindest große Hotels allerdings lange schon eingestellt haben.

Steuerfragen: der Finanzminister frühstückt mit

Unterschiedliche Steuersätze: Zu Verwirrung hatte Anfang 2010 die reduzierte Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen geführt – statt wie bis dato 19 Prozent müssen Hotels seither nur 7 Prozent abführen. Für das Frühstück hingegen gilt der alte Steuersatz von 19 Prozent. Der frühere Pauschalsatz von 4,80 Euro, der in Reisekostenabrechnungen für ein Frühstück angesetzt worden war, wurde damit hinfällig. Neue „Ausführungsbestimmungen“ formulierte das Finanzministerium erst später.

Sachwert von 1,57 Euro: Inzwischen kann bei der Reisekostenabrechnung ein Sachwert von 1,57 Euro fürs Hotelfrühstück angesetzt werden (laut R 8.1 Abs. 8 Nr. 2 LStR 2011). Dieser wird dem Reisenden von der Tagespauschale abgezogen. Er hat nichts mit den wirklichen Frühstückskosten zu tun, die auf der Hotelrechnung getrennt ausgewiesen sein müssen. Auch der Reisende muss diese bei seiner Abrechnung getrennt und mit dem Steuersatz von 7 Prozent eintragen.

Pauschale: Auch die pauschale Kürzung des Tagessatzes um 4,80 Euro ist möglich. Dann muss in der Rechnung allerdings ein Paketpreis für Hotelnebenleistungen („Business Package“) angegeben sein.

Ausland: Bei Auslandsreisen werden in der Abrechnung 20 Prozent vom Tagessatz abgezogen, wenn der Reisende im Hotel gefrühstückt hat (Mittagessen und Abendbrot je 40 Prozent). Voraussetzung ist eine Abwesenheitsdauer von mindestens 24 Stunden.

Brutto oder netto: Der Steuerstreit hat zu Diskussionen darüber geführt, ob Firmenraten mit Vertragshotels besser brutto (also mit allen Steuern und Frühstück) oder netto (reiner Übernachtungspreis) verhandelt werden sollten. Die klassischen Bruttoraten sind für Travel Manager zwar verlässlicher (Endpreise!), dennoch können Steueränderungen zu zeitaufwendigen Neuverhandlungen mit den Hoteliers führen.

Brutto mit Vorbehalt: Derzeit scheint sich das Modell durchzusetzen, dass Preise zwar auf Bruttobasis verhandelt werden, jedoch sogenannte Nettoklauseln in den Verträgen stehen. Das heißt, es wird ein Nettopreis errechnet, und ändern sich die Steuern, darf das Hotel die Rate anpassen.

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