Riga ist eine architektonische Schönheit – und Party-Metropole des Nordens. Tipps für ungewöhnliche Locations.
Wenn diese Spaziergänge doch endlos wären! Aber auch so bräuchte man viele Stunden, um an den über 700 Jugendstilgebäuden in Riga vorbei zu flanieren. Opulent geschmückte Fassaden, riesige florale Ornamente und ausdrucksstarke Gesichter prägen die Häuser in den Straßen der lettischen Hauptstadt.
Zwar sind längst noch nicht alle Bauten saniert, doch welch ein Glück, dass sie zumindest erhalten geblieben sind. Den sowjetischen Besatzern Lettlands hatte einst schlicht das Geld gefehlt, um diese Pracht dem Erdboden gleichzumachen. Über 100.000 Letten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Russen ermordet und ebenso viele deportiert.
Genau 17 Jahre ist es her, dass sich das Land seine Unabhängigkeit von Moskau erkämpfte. Als „singende Revolution“ ist der friedliche Aufstand der 2,3 Mill. Menschen in die Geschichte eingegangen: Das ganze Volk ist von seiner Liebe zur Chormusik geprägt. Kein Ort ohne eigenes Gesangsensemble. Die Letten sind nationalbewusst und doch weltoffen. Bereits heute ziehen Touristen aus Skandinavien, Deutschland und England durch die Jugendstil-Straßen und die liebevoll renovierte hanseatische Altstadt. An den Wochenenden ist Party angesagt: In Rigas Kneipen und Nachtclubs tobt das Leben. Derzeit arbeitet Inspiration Riga – die Convention-Abteilung des Fremdenverkehrsamts – am Ausbau der Stadt als Business-Travel- und Tagungsdestination.
Im kommenden Jahr soll nahe des Flughafens das größte und modernste Tagungszentrum der baltischen Staaten (Lettland, Estland und Litauen) eröffnet werden. Zwar fehlen im Land heute noch Räume, in denen über 500 Personen gedeckt essen können. Doch einige Hotels und ungewöhnliche Locations bieten Tagungsräume: zum Beispiel die prächtige Nationaloper oder das neu aufgebaute Schwarzhäupterhaus. Zu Hanse-Zeiten trafen sich hier unverheiratete Kaufleute, heute können in dem Gebäude bis zu 400 Personen tagen.
Überhaupt erinnert in Riga vieles an die Jahrhunderte, in denen der Deutsche Orden die Stadt prägte – Architektur, Inschriften, Familiennamen und Kultur. Richard Wagner, der in Riga komponierte, ist eine Straße und die Musikhalle gewidmet. Bei jüngeren Leuten ist das Bewusstsein für die deutsche Vergangenheit Rigas leider fast verschwunden, doch viele Ältere verweisen mit Stolz auf dieses Erbe.
Zumindest verkehrstechnisch ist die Verbindung zwischen Lettland und Deutschland eng. Lufthansa sowie Air Baltic, Germanwings, Easyjet und Ryanair starten ab diversen deutschen Airports. Ein Dutzend Mice-Agenturen hilft Firmen bei der Eventplanung. Auch wenn die Preise in Riga zuletzt stiegen, liegen sie nach wie vor unter den deutschen. Mahlzeiten in gehobenen Restaurants bestehen aus heimischen Produkten, und wer Kontakt zu „normalen“ Letten sucht, speist bei Lido – im gleichnamigen Freizeitpark oder in einer der City-Filialen. Hier gibt’s Deftiges: Schweinshaxn mit Rotkohl und Kartoffeln.