Ledersitze, Tageszeitungen, kostenfreie Getränke: DB und Thalys versüßen Business Travellern den Aufenthalt am Bahnhof.
Ob es für DB-Beschäftigte eine besondere Ehre ist, in einer der 14 Bahnhofs-Lounges zu arbeiten? Man könnte es meinen. Denn ob in Frankfurt, Berlin, Köln, Hannover oder anderswo: Das Service-Personal in den Wartesälen ist gut gelaunt und freundlich. Höfliche Begrüßung, geduldige Auskunft und ein nettes „Tschüs“ beim Rausgehen: Das ist es, was für die jährlich vier Millionen Lounge-Besucher zählt – mehr noch als die Gratisgetränke, das saubere WC und die Palette an Tageszeitungen. Seit zwölf Jahren hält die Bahn in Anknüpfung an die Tradition der historischen Wartesäle derartige Angebote vor. Insgesamt 14 deutsche Bahnhöfe verfügen über die Räume (siehe Liste rechts), bis 2010 sollen Essen und Karlsruhe folgen. Stilprägendes Element der DB-Lounges, zu denen Erste-Klasse-Gäste sowie Bahncomfort-Inhaber Zutritt haben, sind die roten Ledersessel.
Diese finden sich überall, wenn auch in unterschiedlicher Anzahl: Mit 92 Sitzen und 700.000 Besuchern pro Jahr ist Frankfurt die Nummer eins. Über den kleinsten Raum verfügt Bremen. 20 Reisende können sich hier aufhalten. Für die Weserstadt reicht das aus, während es an Main, Rhein und Leine eng werden kann. Bis 2010 will die Bahn in Frankfurt, Köln und Hannover ausbauen und getrennte Erste-Klasse-Lounges schaffen – wie sie bislang in Berlin, Hamburg und München existieren.
Manche Lounge punktet mit ihrem sehr geschmackvollen Ambiente. Zwischen den Sesseln stehen etwa Grünpflanzen, an den Wänden hängen wie in Hamburg alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Bahn. Getränke wie Cola, Apfelsaft, Kaffee oder Tee gibt es überall kostenlos, darüber hinaus halten etliche Lounges im Sommer Gratis-Eis bereit. Außerdem liegen überregionale Tageszeitungen sowie oft zusätzlich die regionalen Blätter aus. Und schließlich, was gerade an Bahnhöfen nicht unbedingt alltäglich ist: Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, findet eine saubere und kostenfreie Toilette.
Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys (Köln–Paris) hat seine Lounge in Brüssel eingerichtet, doch für Thalys-Gäste (Komfort 1) ist auch die Kölner DB-Lounge frei. Zudem gewährt er seinen Vielfahrern deutlich vergünstigte Konditionen für den Zutritt zu den weltweit 950 Regus-Business-Centern. Wen wundert’s, dass vor allem Geschäftsreisende die Lounge auch zu kurzen Besprechungen oder zu Vorbereitungen von Konferenzen nutzen – zentraler geht’s kaum.
Für andere wiederum bietet sie ein wenig Entspannung vor oder nach dem Job. „Manche packen jeden Morgen bei uns ihr Frühstücksbrot aus, lesen Tageszeitung oder beenden ihren Arbeitstag gemütlich mit einer Tasse Kaffee“, berichtet ein Mitarbeiter über seine Stammgäste. Zum Übernachten allerdings muss weiterhin ein Hotel gewählt werden – denn spätestens um 22 Uhr haben auch die DB-Beschäftigten in den Lounges Feierabend.