Lufthansa-Chef Spohr

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Trauer braucht Zeit und Orte

Ein Jahr nach dem Germanwings-Unglück haben die Angehörigen der Opfer gedacht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach davon, ihnen beizustehen. Bei den Entschädigungen sei der Konzern an konstruktiven Lösungen interessiert.

24.03.2016, 14:27 Uhr

Vor Beginn der Gedenkfeier für die Opfer des Germanwings-Absturzes hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr seinen Willen für „konstruktive Lösungen“ bei den Entschädigungen für die Angehörigen bekräftigt. „Wir haben von Anfang an gesagt, wir werden uns großzügig zeigen und haben uns auch im ersten Jahr großzügig gezeigt“, sagte Spohr am Donnerstag in Le Vernet in der Nähe des Absturzortes in den französischen Alpen. Für jedes Opfer wurde nach Angaben von Germanwings eine Soforthilfe von 50.000 Euro gezahlt. Dazu sollen 25.000 Schmerzensgeld für jeden Toten gezahlt werden. Nächste Angehörige sollten ohne weitere Prüfung 10.000 Euro bekommen. Viele Opferfamilien wollen allerdings in den USA klagen und hohen Schadenersatz fordern. Der Co-Pilot hatte seine Ausbildung in einer Lufthansa-Flugschule in Arizona absolviert.

„Wir sind heute nach Le Vernet gekommen, um der Opfer zu gedenken und ihnen die Ehre zu erweisen“, sagte Spohr. „Dieser tragische Absturz hat unglaubliches Unglück über viele, viele Menschen gebracht. Dieses Unglück können auch wir nicht lindern, aber wir können zumindest den Angehörigen beistehen.“

Lufthansa und Germanwings hätte auch viele Kollegen beim Unglück verloren. Doch was sei dies gegen die Katastrophe, die das Unglück im Leben der Angehörigen angerichtet habe. Dies übersteige alle Vorstellungen, sagte Spohr demnach. Briefe und E-Mails, die ihn erreichten, sowie persönliche Gespräche hätten ihn tief erschüttert.

Der Lufthansa-Chef versicherte, sein Unternehmen werde sich weiter um die Gedenkenstätten in Deutschland, Frankreich oder Spanien kümmern. Trauer benötige nicht nur Zeit, sondern auch Orte, sagte Spohr. Gleichzeitig erinnerte der Vorstandsvorsitzende, es sei einer der Piloten des Konzerns gewesen, der die Katastrophe herbeigeführt habe. Deswegen würden Lufthansa und Germanwings selbstverständlich ihren Beitrag zur Aufklärung des Absturzes leisten.

Ein Jahr nach dem Absturz ist im Alpenort Le Vernet und in Haltern am See der 150 Opfer gedacht worden. Die Gedenkfeiern begannen am Donnerstag zur Absturzzeit um 10.41 Uhr mit einer Schweigeminute. Vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern, das 16 Schüler und zwei Lehrerinnen verlor, versammelten sich vor allem Mitschüler, Lehrer und Bürger aus dem Ort vor einer mit Blumen und Kerzen geschmückten Gedenkstätte an der Schule. In der ganzen Stadt läuteten die Kirchenglocken.

Der psychisch kranke Co-Pilot hatte das Flugzeug am 24. März 2015 absichtlich in den Felsen gesteuert. Der Airbus war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Alle 150 Menschen an Bord starben, 72 davon aus Deutschland. 51 kamen aus Spanien.

Mit einer Traueranzeige hat der Düsseldorfer Flughafen der Opfer der Germanwings-Katastrophe vor einem Jahr gedacht. „Wir alle werden diesen tragischen Tag niemals vergessen, an dem so vielen Menschen auf sinnlose Weise das Leben genommen wurde“, heißt es in der Zeitungsanzeige vom Donnerstag. (dpa)

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