Meetago

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Interview mit Udo Lülsdorf

Udo Lülsdorf will mit Meetago einen Giganten der Branche schaffen. HRS ist beteiligt, viele andere Anbieter sind Partner. Wir haben mit dem Bonner gesprochen.

von Oliver Graue, 16.12.2015, 09:00 Uhr
Vom Bauunternehmer zum MICE-Spezialisten: Udo Lülsdorf.
Foto: Intuitive Fotografie Köln

Was haben Schifffahrt, Tiefbau und MICE-Buchung miteinander zu tun? Auf den ersten Blick: gar nichts. Udo Lülsdorf, in einer rheinischen Unternehmerfamilie aufgewachsen, findet dennoch Parallelen: „Als studierter Bauingenieur musste ich lernen, wie man standardisiert und effizient arbeitet. Denn das sind die Grundprinzipien im Auftragswesen sowohl der Schifffahrt als auch des Baugeschäfts“, erzählt der 49-Jährige.

In der Garage gestartet

Mit Baggern und Basalt-Beförderung hat Lülsdorf heute aber nichts mehr zu tun. Seit 2001 beschäftigt er sich mit der elektronischen Buchung von Tagungshotels. Und wieder stehen Effizienz und Standardisierung ganz oben an. „Unsere Baufirma in Bonn war in eine wirtschaftliche Schieflage geraten", erinnert er sich. Das Geschäft gab er auf, und der Internet-Boom der 90er-Jahre machte ihm Appetit auf etwas anderes: Er betätigte sich als IT-Fullservice-Dienstleister, „und zwar ganz typisch als Start-up in der Garage“.

Entwickelte er zunächst Auftragsseiten im Internet, auf denen Bauernhof-Produkte oder Klärschlamm gehandelt wurden, ging er einige Jahre später selbst ins Risiko und rief die Datenbank Tagungshotel.com ins Leben. „Mit vier Hotels sind wir gestartet", erzählt er, „peu à peu kamen weitere hinzu, und als irgendwann Kettenhäuser etwa von Radisson zu uns stießen, war der Damm gebrochen.“

Bis 2009 war seine Geschäftsidee simpel: Gegen eine Marketinggebühr pflegte Lülsdorf die Datenbank und betrieb Suchmaschinen-Optimierung. Doch die Kunden wurden anspruchsvoller, wollten mehr. Wieder blickte der Bonner in seine alte Branche, die Bauwirtschaft. Dort waren Einkaufsplattformen im Internet längst Alltag geworden – fürs MICE- Segment hingegen wäre es Neuland. „Die Hotels waren anfangs sehr skeptisch. Aber nach zwei Treffen haben wir uns mit ihnen geeinigt, es zu probieren", berichtet Lülsdorf. Und ein halbes Jahr später, Ende 2009, war so etwas wie die technische Grundlage seiner heutigen Lösung Meetago geschaffen.

E-Commerce im MICE-Markt

„Wir waren enorm aufgeregt, als das Tool, das MICE-Buchungen erlaubte, online ging", sagt er. „Als wir dann abends beim Italiener saßen und die ersten Tagungsanfragen kamen, haben wir aufgeatmet. Am Ende schlug alles toll ein." Er lacht: „Damals dachten wir, das wär‘s jetzt, wir sind fertig. Ein Irrtum.“ Die Travel Manager forderten ein weitaus größeres Hotelportfolio, zusätzliche Module etwa für die Hinterlegung von Richtlinien, Genehmigungen und der eigenen AGB, dynamisches Reporting sowie „seit der End-to-End-Debatte eine Integration der MICE-Software in bestehende Buchungsprozesse“.

Inzwischen beschäftigt Lülsdorf 30 Mitarbeiter, bereitet sich gerade auf den Umzug in ein größeres Büro vor und ist drauf und dran, einen – für MICE-Verhältnisse – echten Giganten zu schaffen. Dass damit auch der Druck auf ihn enorm zugenommen hat, verschweigt er nicht: Immer schneller entwickelt sich der MICE-Markt in Richtung E-Commerce. Dieser allerdings wird wie kaum eine andere Wirtschaftsform von mächtigen US-amerikanischen Konzernen geprägt. Anbieter wie Google oder Amazon haben ihre Konkurrenten längst vom Markt gefegt. Und im Tourismus streckt Priceline mit solchen Portalen wie etwa Booking.com seine Fangarme aus.

Transparent und einfach

Für Lülsdorf steht fest: „Wer da noch bestehen will, der muss exponentiell wachsen.“ Soll heißen: Die Zahl der Kunden muss rasant steigen, und zwar in einem größeren Tempo als bislang. „Das funktioniert aber nur, wenn wir zwei Grundbedingungen erfüllen“,gibt er sich überzeugt: „Preistransparenz bei den Hotelraten ist ebenso nötig wie eine Software, die breite Akzeptanz findet, weil sie Spaß macht, weil sie simpel zu bedienen ist.“

Beides will Lülsdorf in der Zusammenarbeit mit Partnern finden, „und zwar mit solchen, die zu uns passen – keine Konzerne, sondern gut aufgestellte Familienbetriebe". Den Durchbruch sieht er im Einstieg von HRS vor wenigen Monaten: Das Kölner Hotelportal ist seither zu 25,1 Prozent an Meetago beteiligt, und Udo Lülsdorf steigert die Zahl der von ihm angebotenen Tagungshotels schrittweise von 2500 auf 45.000, und das global. „Die Gespräche mit HRS waren hart, sie waren aber auch extrem fair“, lobt er die Art der Kölner. HRS ersetzt im Gegenzug seine einst eigenentwickelte MICE-Buchungstechnik durch die Meetago-Software. Umgekehrt finden die gut 40.000 HRS-Firmenkunden über ihre Firmenzugänge „Zutritt in unsere Meetago-Welt", schwärmt Lülsdorf.

In der Fläche verbreitet sein, dort, wo potenzielle Kunden sitzen: Das ist für den 48-Jährigen das A und O. Ein Ziel, das er auch durch Kooperationen mit DER Corporate Travel, Grass Roots und den Online-Buchungsmaschinen Cytric und Onesto verfolgt. Zu Ersterer sind inzwischen technische Schnittstellen geschaffen, die einen Datentransfer zwischen den Portalen erlauben, mit Letzterer laufen die Gespräche. „Das ist auch für die Travel Manager von Vorteil", sagt er: „Teilnehmer einer über Meetago gebuchten Tagung erhalten automatisch eine von Cytric angestoßene Mail, ihre Verkehrsmittel zu buchen. Das steigert die OBE-Adaptionsrate." Wie seine Wettbewerber auch lebt Lülsdorf von den Hotelprovisionen – nur wer zu mehr als 50 Prozent nicht provisionsfähige Firmenraten bucht, zahlt für diesen Teil eine Buchungsgebühr.

An der nächsten Innovation arbeiten die Bonner bereits: die Direktbuchung. „Das ist ganz klar die Zukunft", sagt Lülsdorf: „Vor allem jüngere Menschen mögen es einfach und buchen Meetings, die keinen großartigen Organisationsaufwand erfordern, lieber direkt." Für komplexe Tagungen und Events, zeigt er sich sicher, werde es auch künftig nicht ohne Ausschreibung und Vergleich gehen.

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