MICE-Portale

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Harter Kampf um Marktanteile

Der Tagungsmarkt in Deutschland ist milliardenschwer, doch bislang wird nur ein kleiner Teil des Geschäfts über Internet-Portale abgewickelt. Dabei steigt das Interesse der Unternehmen an solchen Plattformen für den strukturierten Tagungseinkauf. Der Wettkampf der Anbieter hat begonnen.

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von Martin Jürs, 27.05.2016, 09:00 Uhr
Ring frei: Die MICE-Portale kämpfen um Marktanteile.
Foto: Thinkstock

So schwer dürfte sich Dirk Führer das Leben als Start-up-Unternehmer wohl nicht vorgestellt haben. Vor knapp zwei Jahren gründete der frühere Steigenberger-Manager Okanda, ein Tagungsportal, das mit der Buchung von Veranstaltungsräumen in Echtzeit den hiesigen MICE-Markt aufrollen sollte. Schließlich stellte Führers Lösung eine echte Innovation für die Veranstaltungsbranche dar. Auf den großen Durchbruch allerdings wartet Führer noch immer. Mittlerweile hat er sich sogar aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen und ist in den Aufsichtsrat seines Unternehmens gewechselt.

Ihm wurden die finanziellen Belastungen zu groß. Stattdessen heuerte der Familienvater als Vorstand bei den Worldhotels an. Bei Okanda soll seither Mitgesellschafter Ingmar Bornholz die Entwicklung vorantreiben. Ob das gelingt, ist offen, wie der durchaus holprige Start des Unternehmens zeigt.

Bornholz will die Attraktivität des Portals nun steigern, indem er zusätzliche Büroräume ins Angebot aufnimmt und die Buchbarkeit von Hotelzimmern vereinfacht. Dabei sind die Voraussetzungen für einen unternehmerischen Erfolg auf den ersten Blick vielversprechend, denn der deutsche Tagungsmarkt ist milliardenschwer. Laut einer aktuellen Studie des Wiesbadener Beratungsunternehmens GHH Consult lag der Umsatz im deutschen Tagungs- und Kongressmarkt 2015 bei 82 Mrd. Euro – ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014.

Einsparpotenzial bei MICE-Ausgaben

Dabei wird nur ein kleiner Teil dieses Geschäfts über Online-Plattformen abgewickelt. Folgt man dem vom German Convention Bureau (GCB) regelmäßig erhobenen Event-Barometer, dann wurden zuletzt knapp elf Prozent des Veranstaltungsvolumens in Deutschland über Tagungsportale gebucht. Wegen des insgesamt äußerst undurchsichtigen MICE-Marktes ist das allenfalls eine Richtgröße. An der steigenden Bedeutung dieses Segments allerdings ändert das nichts.

Denn in den Unternehmen rücken die eigenen MICE-Ausgaben verstärkt ins Blickfeld, schlummert hier doch Einsparpotenzial. Bislang wird das Tagungsgeschäft meist dezentral organisiert, eine Bündelung und Steuerung der Nachfrage findet nach wie vor kaum statt. Doch genau dabei können Tagungsportale helfen.

Von denen gibt es hierzulande mittlerweile einige: Das GCB, das diese Branche derzeit analysiert, kommt auf rund 100 Plattformen, die um Umsätze und Marktanteile rangeln. Eine beachtliche Zahl, wobei sich die einzelnen Anbieter hinsichtlich ihrer technischen Kapazitäten und ihrer Service-Tiefe zum Teil stark voneinander unterscheiden.

Mehr als drei Millionen Veranstaltungen pro Jahr

Seit 2009 kennt der deutsche Tagungsmarkt nur eine Richtung: aufwärts. So ist die Zahl der Veranstaltungen hierzulande seitdem laut aktuellem Meeting- und Eventbarometer von 2,46 auf 3,04 Mio. (2014) gewachsen. Bei fast der Hälfte davon handelt es sich um Kongresse, Tagungen und Seminare. Hinzu kommen Ausstellungen und Präsentationen, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie lokale Veranstaltungen und Festivitäten. Die Anzahl der Teilnehmer legte gleichzeitig von 302 auf 383 Mio. zu, mehr als 25 Mio. Tagungsgäste kamen davon zuletzt aus dem Ausland. Fast zwei Drittel der Veranstaltungen in Deutschland finden dabei in einem Tagungshotel statt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Veranstaltungszentren und Event Locations mit Anteilen von 26 und 12 Prozent. Wobei die Veranstaltungszentren mit 57 Prozent die Mehrzahl der Teilnehmer binden. Hotels und Eventstätten kommen auf Anteile von 19 und 24 Prozent.

 
 
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