Mietwagen

(0)

Interview mit Marcus Scholz

Vom Travel Manager zum Anbieter: Marcus Scholz gestaltet seit acht Monaten die Umstrukturierung bei Europcar mit. BizTravel hat mit ihm gesprochen – über den Wechsel, die Branche und neue Erkenntnisse.

von Oliver Graue, 13.05.2016, 09:00 Uhr
Marcus Scholz, Europcar
Foto: Christian Wyrwa

Acht Jahre lang hatte Marcus Scholz das Travel Management beim schwäbischen Lackieranlagen-Spezialisten Dürr geleitet. Zum 1. September 2015 wechselte er nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch die Seiten: Seither ist der 47-Jährige als Director Business Unit Contract Sales Mitglied der Geschäftsführung von Europcar. Wie ist es, plötzlich in einer Branche zu arbeiten, die im Travel Management mitunter Stiefkind und Grund für Beschwerden ist?

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für einen Mietwagenanbieter?

Marcus Scholz: Eindeutig in der Disposition und in der Anforderung, das Auto immer dort stehen zu haben, wo es der Kunde benötigt. Die Verfügbarkeit in allen Kanälen, auch für den Corporate-Bereich, sollte stets gegeben sein – aber das ist alles andere als einfach. Ich selbst habe mich als Travel Manager oft geärgert, wenn für mich als Firmenkunden keine Fahrzeuge verfügbar waren, im öffentlichen Segment aber schon. Kapazitätsmanagement ist das A und O. Ganz besonders dann, wenn die Nachfrage hoch ist wie bei Airline- oder Bahnstreiks, müssen wir genau kalkulieren, in welchen Vertriebskanal wir welche Fahrzeuge zu welchem Preis geben.

Welches andere Thema ist derzeit wichtig?

Zu Diskussionen zwischen Travel Management und Mietwagenanbietern kommt es im mer wieder wegen Schäden an den Autos. Stammen sie vom Nutzer? Wurden sie bei der Übergabe übersehen? Oft lässt sich das schnell klären, weil in den meistens erst morgens erstellten Verträgen mögliche aktuelle Vorschäden nicht immer bereits erfasst, jedoch bekannt sind. In allen anderen Fällen sprechen wir von uns aus stets zuerst den Kunden an. Eine Hilfe bei Europcar bietet künftig die neue „Quick Damage Check Card“, eine kleine Karte, auf der alle neuralgischen Schadenspunkte verzeichnet und mit dieser zugleich auszumessen sind. Diese Karte erhalten sowohl unsere Dienstleister, um sie bei der Wagenrücknahme anzuwenden, als auch die Kunden, die damit ein eigenes Kontrollinstrument haben.

Ein anderer Streitpunkt sind immer wieder angeblich fehlerhafte Rechnungen.

Natürlich wollen unsere Mitarbeiter am Counter individuelle Zusatzleistungen verkaufen. Für den Corporate-Bereich lässt sich dies jedoch von vornherein ausschließen: Bei der Übergabe sehen die Verkäufer in solchen Fällen, dass es sich um einen zentralen Account handelt, der nicht belastbar ist. Wenn es doch zu einem Missverständnis kommt, erstatten wir die Fehlbeträge zurück.

Wohin entwickeln sich die Mietwagenanbieter?

Ganz klar in Richtung Mobilität. Die klassische Ein- bis Dreitagesmiete ist sicher nicht die Zukunft. Wichtige Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind Sharing-Modelle im Fuhrpark oder die komplette Verwaltung einer Flotte und die bessere Vernetzung mit den Buchungssystemen unserer Kunden.

Spüren Sie die Konkurrenz durch die Carsharing-Anbieter?

Natürlich, und wir wollen uns diese Kernkompetenz auch zurückholen! Statt des Free Floating, das ja längst nicht überall profitabel arbeiten kann, setzen wir auf Cluster, also auf eine Art kleinere Mietstationen, an denen sich unsere Autos abholen und ausleihen lassen. Das können etwa Stellflächen von Fremdunternehmen sein wie der Post oder anderer Firmen.

Sind Mietwagenverträge im Corporate-Bereich überhaupt profitabel?

Klar ist: Die leidige Tagespreisdiskussion nützt am Ende weder der Verkaufs- noch der Einkaufsseite. In Zukunft wird man differenzieren müssen. So könnte es ein preisgetriebenes Economy-Angebot mit der reinen Basisleistung geben. Daneben – und das ist Trend – positionieren wir uns als Mobilitätsdienstleister, der Gesamtpakete schnürt, die viele Leistungen samt Beratung umfassen.

Weitere Business Travel-Themen

Verpflegungspauschale
(0)

Neue Sachbezugswerte für 2017

Die amtlichen Werte, die für Mahlzeitengestellung außerhalb von Dienstreisen anzusetzen sind, wurden leicht erhöht. Der Betrag für Unterkunftskosten bleibt gleich. mehr

 
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media