NDC

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Jetzt startet der neue Airline-Vertrieb

Als eine der ersten europäischen Airlines startet Swiss den Vertrieb über NDC. Über die Folgen des neuen Standards herrscht aber noch eine Menge Unklarheit.

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von Oliver Graue, Georg Jegminat, 19.04.2016, 09:43 Uhr
Mehr Vielfalt: Per NDC wollen die Airlines Zusatzleistungen besser verkaufen.
Foto: Thinkstock

Im Business Travel wird bereits seit Jahren über die sogenannte New Distribution Capability (NDC) heftig gestritten, also über das neue Ticket-Vertriebssystem der Fluggesellschaften. Mit der Swiss startet nun eine der ersten großen Airlines in Europa mit einen Prototyp für den NDC-Standard. Dieser macht das Einkaufen von Zusatzleistungen zum Ticket möglich.

Und genau darum geht es. Denn mit NDC wollen die Fluggesellschaften zwei Dinge erreichen: Sie wollen erstens über Drittanbieter auch solche gebührenpflichtigen Extras an den Mann bringen, die bislang nur auf der eigenen Seite erhältlich sind. Und zweitens soll es statt standardisierter Ticketpreise personalisierte Offerten für die Buchenden geben. In den Zusatzangeboten sehen die Airlines eine immer wichtigere Einnahmequelle, da die Preise für die reinen Flugscheine für viele Anbieter ein kaum noch profitables Geschäft darstellen. Der Wettbewerb um das billigste Ticket ist ruinös, und aus Angst davor, in den Internet-Suchmaschinen schlechter gelistet zu werden, traut sich auch keine Airline, die Basispreise heraufzusetzen.

Gebührenpflichtige Extras

Für Travel Manager sinkt damit zwar die direkte Vergleichbarkeit von Angeboten, jedoch könnten sie sich mit den Fluggesellschaften im Gegenzug auf neue Leistungspakete einigen, die jeweils für ihre Reisenden gelten sollten. Das Zauberwort lautet denn auch „Bundling“, also Bündeln, statt wie bislang „Unbundling“, also Aufschnüren. Trotz der personalisierten Angebote sollen die Airlines die Daten der Reisenden nur anonymisiert erhalten, heißt es.

Die Swiss wird mit NDC nicht allein unterwegs sein. In diesem Jahr werden eine ganze Reihe Airlines ihre Erfahrungen mit dem neuen System sammeln. So sind beispielsweise American Airlines und Qatar Airways in die Technik eingestiegen. Dabei wickeln diese überwiegend vorhandene Ergänzungsleistungen wie Zusatzgepäck, Sitzplatzreservierung oder Bordmahlzeiten über NDC ab. Meist handelt es sich um solche Extras, die bislang nur auf den Webseiten der Fluggesellschaften erhältlich waren und die sich nun mit Hilfe von NDC auch in die klassischen Reservierungssysteme (GDS) einspeisen lassen.

Streit mit Amadeus & Co

Noch mangelt es an Technikanbietern, die elektronische NDC-Schnittstellen zwischen den Systemen der Fluggesellschaften und den Reservierungssystemen bereitstellen können. Derzeit ist Farelogix hier fast noch allein. Aber auch die GDS zeigen sich vorbereitet. So vertreibt American Airlines ihre XL-Sitze mit Hilfe von sogenanntem NDC-Messaging über das GDS Sabre. Lufthansa und ihre Töchter arbeiten mit Farelogix.

Zwischen den Fluggesellschaften und den Reservierungssystemen tobt allerdings ein Streit darüber, wie leistungsfähig die Technik der GDS noch ist. So argumentieren die GDS-Betreiber, dass NDC überflüssig sei, weil sie wesentliche Leistungen von NDC bereits mit ihrer existierenden Technik umsetzen könnten. „Welche Zusatzleistungen hat Lufthansa denn, die sie vertreiben will?“, fragt Holger Taubmann, der Chef der GDS-Sparte bei Amadeus, provozierend.

Lufthansa-Vertriebsvorstand Jens Bischof kontert, dass die GDS mit ihrer „alten Technik und ihrer alten Bedieneroberfläche“ die Extras nicht angemessen darstellen könnten. Und auch Marcus Frank versichert, dass die Swiss Angebote in den Vertrieb geben will, welche die Reservierungssysteme nicht darstellen könnten: „Das ist zum Beispiel das Business Class Upgrade im EU-Verkehr. Das gibt es bisher nur auf unserer Website.“

Paul Tiltstone, Gründer der Beratungsfirma Festive Road, zu deren Kunden die Luftfahrt-Vereinigung Iata gehört, vergleicht das bisherige System des GDS-Vertriebs mit einem „Restaurant ohne Speisekarte, in dem der Kellner über die Angebote des Hauses nicht Bescheid weiß, und wenn der Kunde eine bestimmte Beilage haben will, muss er sich diese woanders holen“. NDC bereite die Mahlzeit hingegen „so vor, wie der Gast es wünscht“. Auch den Kanal, über den er bestellt, könne er künftig selbst bestimmen – es müsse nicht mehr nur das GDS sein, das durch NDC allerdings auch nicht benachteiligt werde.

 
 
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