Nervige Bürofloskeln

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Bitte proaktiv und zeitnah lesen!

Sprechen Sie eigentlich Business-Deutsch? Falls Ihre Kenntnisse suboptimal sind, sollten Sie diese dringend optimieren!

von Oliver Graue, 08.10.2014, 15:21 Uhr

Haben Sie auch schon mal einer Keynote-Speech gelauscht? Womöglich sogar beim Kick-Off-Meeting einer High-Potential-Veranstaltung? Nein, mit Schlüsselnoten hat das nichts zu tun, und von Fußball reden wir auch nicht. Wir benutzen einfach nur eine Sprache, die auch im Travel und Event Management längst gesprochen wird. Natürlich nicht, weil sie sinnvoll wäre – sondern weil sie gut klingt und weil sie unseren Wichtigtuerfaktor enorm erhöht. Denn was bitteschön ist schon eine Auftaktrede, die bei der ersten Zusammenkunft eines Projekts gehalten wird, zu dem Leute kommen, die nicht völlig blöd sind? Gähn ...!

Zumindest freue ich mich, dass Sie, liebe BizTravel-User, diesen Blog proaktiv lesen. Und das sie dies so zeitnah tun! Vielleicht können wir darüber ja auch beim nächsten Get-Together reden. Sie wissen schon: Diese Events, bei denen die eine Häflte der Besucher networkt (= ihre eigene Wichtigkeit feiert), während die andere sich betrinkt.

Oder wir diskutieren über die Optimierung ihrer internen Prozesse. Vor allem der Workflow bei den implementierten Tools ist ja häufig noch suboptimal (= völliger Mist), ganz besonders dann, wenn wieder mal nur einer als Schnittstelle fungiert (= in Arbeit versinkt). Vielleicht sollte derjenige seine Probleme einfach mal besser kommunizieren (= den Mund aufmachen) und sich mit Kollegen kurzschließen (= ihnen einen Teil der Arbeit aufhalsen).

Zunächst jedoch wird er diese jedoch abholen müssen, damit sie mental bei ihm ankommen (= die verstehen doch eh nix). Und natürlich gilt es, die anderen Abteilungen entsprechend zu briefen (= „brief“ heißt eigentlich „kurz“, dauert aber häufig ewig). Doch Vorsicht: Erst einmal muss sich der Vorstand committen (= das gibt Zeit) und der interne Abstimmungsprozess muss beendet sein (= ist er quasi nie, wenn Hinz und Kunz ihren Senf dazugeben sollen).

Ich gebe zu: Das Wording dieser Zeilen ließe sich sicher noch toppen. Und vielleicht ließe sich sogar eine innovative Back-up-Lösung schaffen – allerdings verstehe ich diesen Blog eher als Nice-to-have. Und ich weiß: Auch ich beherrsche Business-Deutsch noch nicht perfekt. Lobte eine Gesprächspartnerin doch kürzlich die „Kiwischels“ ihrer Content-Strategie: Sie meinte „Key-Visuals“, also Haupt-Hingucker – doch das fiel mir erst auf dem Rückweg vom Termin ein. Bis dahin war ich fest davon überzeugt, sie beschäftige sich inzwischen mit niedlichen Stofftieren ...

Mein Lesetipp: Hermann Ehmann: „Ich bin da ganz bei Ihnen!“ – Das Wörterbuch der unverzichtbaren Bürofloskeln.

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