Natur, Harmonie und Ruhe: Bei Meetings und Events liegt das Landhotel im Trend. Anders als in der Großstadt gibt es keine Ablenkung, es lässt sich konzentrierter nachdenken und lernen.
Für ein Schaf sieht es ein wenig eigentümlich aus – mit seiner gelbweißen Wolle und dem bis hinter die Ohren pechschwarzen Kopf. Könnte es sprechen, hätte es jedoch vieles zu erzählen: Immerhin zählt das Rhönschaf zu den ältesten Nutztierrassen Deutschlands. Und sein zartes, würziges Fleisch schätzte bereits Napoleon. Nachdem Frankreichs Kaiser es während seines Rückzugs 1813 serviert bekommen hatte, ließ er es sich fortan nach Paris importieren.
Kein Wunder also, dass Julia und Constantin von Deines stolz sind auf ihr „Hotel mit Weideglück und grünem Daumen“, wie sie es nennen. Genau 32 Rhönschafe samt Nach wuchs gehören zum Dorint Resort & Spa Bad Brückenau, ein mitten im Kurpark gelegenes, prächtiges Haus von 1901. Unter die Kurgäste mischen sich die Tiere zwar nicht, doch wer Lust hat, kann die Herde besuchen: auf einem benachbarten und nach biologisch-dynamischen Prinzipien wirtschaftenden Hof. Nicht weit entfernt grasen die 28 hoteleigenen Rinder der Rasse „Rotes Höhenvieh“ und genießen die Hühner ihre Freiheit. Die Dorint-Bienenvölker schließlich befruchten die Blüten der Hochrhön.
Tagen im Grünen – für Julia und Constantin von Deines ist das Philosophie, bis hin zur Qualität von Fleisch und Honig. In ihrem Haus, das fernab aller Großstadthektik liegt, mitten im „grünen Nichts“ zwischen Fulda und Würzburg, empfangen sie Unternehmen aus der Pharma- und Finanzbranche, der Lebensmittel- oder Autoindustrie. Selbst Konzerne wie Audi gehören zu den Dauergästen. Ob für Weiterbildungen, Verkauftrainings, Klausuren oder Kick-offs: „Bewusst kommen unsere Kunden für ihre Events ins Grüne und entscheiden sich gegen die Stadt“, sagt das Hoteldirektorenpaar: „Erstens lässt sich die tolle Landschaft ins Programm einbinden, zweitens sorgen Natur und Ruhe für Konzentration.“
Weiterer Pluspunkt: „Anders als in der Stadt, wo zum Beispiel Kneipen oder Nachtclubs locken, bleiben die Gäste bei uns auch abends zusammen“, ergänzt Julia von Deines. Und dies nicht allein deswegen, weil sie müssen. „Es stimmt, dass sich die Teilnehmer nicht einfach absetzen können. Aber sie wollen es auch gar nicht.“ Denn Tagungsstätten im Grünen bieten ein besonderes Ambiente – egal, ob dafür der Panoramablick oder die intensiven Farben der Natur sorgen. Oder die Tatsache, dass es Vollblutgastgeber mit einem feinen Gespür für die Bedürfnisse ihrer Gäste sind, die diese Häuser leiten. Eine solche Oase der Ruhe ist auch das Lufthansa Training & Conference Center in Seeheim. Das 2009 neu errichtete Hotel, in das die Fluggesellschaft mehr als 100 Mill. Euro investiert hat, gilt als eines der größten Tagungshotels deutschlandweit: Firmenkunden können zwischen mehr als 80 Trainings- und Seminarräumen wählen, die Technik entspricht
Modernsten Anforderungen.
Doch das Haus liegt nicht etwa in Frankfurt, wie man es für einen Großkonzern wie Lufthansa erwarten könnte, sondern auf einem Höhenrücken mitten im Odenwald. „Kein Ort spiegelt lufthanseatische Unternehmenskultur so ausdrucksvoll wider wie Seeheim“, erklärt Managing Director Gerald Schölzel: „Generationen von Lufthansa-Angehörigen verbinden damit Lernen, Arbeiten und Kontakte pflegen – in einer erholsamen Parklandschaft mitten im Odenwald.“ Bei den Trainings und Seminaren in Seeheim entsteht ein Wir-Gefühl, wie es im Großstadthotel kaum denkbar ist. Ob Workshop, Vortrag, Coaching in Kleingruppen oder das Fachgespräch an der Kaffeebar: „Lernen klappt leichter, wenn das Drumherum inspiriert“, sagt Schölzel. So wird zwanglos im Freien getagt, auf Terrassen und in Pavillons im Park, mit faszinierendem Ausblick in die Rheinebene. Und nach dem Seminar entspannen die Teilnehmer: im Fitness Center mit Schwimmbad und Sauna, in der Bar oder Vinothek („Red or White“), im Kaminzimmer oder an der frischen Luft beim Joggen, Wandern und Biken. Mitten im Grünen eben. Längst steht das Lufthansa-Center auch anderen Firmen offen; einen bequemen (und kostenlosen) Shuttle-Service gibt es direkt vom Frankfurter Flughafen aus.
Von ihrer „wilden Rhön“ spricht Dorint-Hoteldirektorin Julia von Deines gern – auch, um deren Urwüchsigkeit, Schönheit und Abgelegenheit zu betonen. Zumindest Letzteres gilt noch weit mehr für Trent. Nur per Fähre, Privatboot oder Auto ist der kleine im Nordwesten Rügens gelegene Ort zu erreichen. Die Hotelkette Radisson Blu betreibt dort ein 153-Zimmer-Haus, das sich durch das benachbarte malerische Naturschutzgebiet auszeichnet – vor allem aber durch den Blick auf die Künstlerinsel Hiddensee mit ihren Reetdachhäuschen und Pferdekutschen. Nur wenige Minuten vom Hotel entfernt legt die Fähre nach Hiddensee ab und ist damit ein ideales Incentive für alle, die in Trent tagen. Grün, weitab aller großen Verkehrsströme und trotzdem modern: Mit ihren drei Meeting-Räumen gilt das Radisson Blu Resort als eines der besten Konferenzhotels der Region.
Tagen im Grünen: Das bieten, naturgemäß, vor allem Hotels in Flächenbundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg. Dass „grün“ aber nicht immer bedeuten muss, dass die nächste Großstadt mindestens eine Stunde entfernt liegt, beweist das Mutterhaus in Düsseldorf. Vor mehr als 100 Jahren als Zentrum der Kaiserswerther Diakonissengemeinschaft eingeweiht, beherbergt es heute fünf Konferenzräume und 55 Zimmer. Und wird von Firmen als perfekte Tagungslocation geschätzt: Obwohl Messe, Innenstadt und Flughafen schnell erreichbar sind, hat das Mutterhaus so gar nichts von Großstadt. Im Gegenteil: Das imposante Backsteingebäude liegt inmitten einer malerischen Parklandschaft, nicht weit vom Rheinufer entfernt. Ruhe und Konzentration, die besonders „für professionelle Präsentationen, Kongresse, schnelle Meetings, Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Vorstandssitzungen geschätzt wird“, sagt Hotelleiterin Godje Berning.
Sie liegen inmitten spannender Naturlandschaften und bieten zugleich zahlreiche Freizeitmöglichkeiten: Das ist auch der Vorteil von Freizeit- und Ferienclubs wie Center Parcs oder Robinson. „Dort tagen, wo andere Urlaub machen“ – unter diesem Motto beispielsweise vermarktet Robinson seine Anlagen. Das Resort Fleesensee in Mecklenburg ist vom VDR gerade als Certified Conference Hotel ausgezeichnet worden. Und der bei Firmen beliebteste Center Parc ist die deutsche Anlage in Bispingen in der Lüneburger Heide, gefolgt vom Park im Hochsauerland. Der Vorteil: In den Tagungspauschalen sind Übernachtung, Raummiete, Catering, Tagungstechnik sowie Sport- und Unterhaltungsprogramme enthalten. Das macht eine genaue Planung bis ins Detail möglich.
Grün ist „in“ – auch bei Incentives. Wer sei ne Tagung mit einer derartigen Mitarbeiter-Belohnung verbindet, der schätzt mehr und mehr „authentische Rahmenprogramme“, sagt Dorint-Hoteldirektor Constantin von Deines: „Gefragt ist das Ursprüngliche und Einfache – und das lässt sich am besten in der Natur finden.“ Auch Gerhard Bleile, Präsident der Vereinigung Deutscher Veranstaltungs-Organisatoren, macht einen solchen Trend zur „Entschleunigung“ aus: „Die Mitarbeiter sollen nicht nur lernen, sie sollen auch herunterkommen.“
Das Brückenauer Hoteldirektorenpaar von Deines bietet Hüttenwanderungen durch die Rhön an – mit Erfolg. „Die Teilnehmer lassen los, reden ungezwungener miteinander und verraten mehr über sich“, sagt Julia von Deines. Das nützt dem Betriebsklima, aber auch dem Hotel. „So bekommen auch wir ein ehrliches Feedback“, schmunzelt die junge Frau.
Dabei müssen sich Einfachheit, Komfort und Spitzentechnik keineswegs ausschließen. Gerade Schlösser, Burgen oder Herrenhäuser, die heute Hotels beherbergen, lassen in Sachen technologischer Modernität meist nichts zu wünschen übrig. Und sie bieten doch spannende Zeitreisen. Entweder in vergangene Jahrtausende oder auch nur gut 60 Jahre zurück: Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer und sein Ellwanger Kreis entschieden im Jahre 1949 ausgerechnet bei einem Treffen im Dorint Hotel in Bad Brückenau über den Namen, den ihr neuer Staat künftig tragen sollte: Bundesrepublik Deutschland nämlich.