Die Veranstaltungs-Branche wandelt sich. Events müssen interaktiv, außergewöhnlich und ökologisch sein. Zudem messen Firmen den Erfolg der Tagung.
Das können nur wenige von sich behaupten: „2009 haben wir positiv abgeschlossen“, sagt Andreas Kesslau und strahlt. „Und der allererste Mieter unseres neuen Schiffes, das Mitte des Jahres auf Jungfernfahrt geht, ist eine deutsche Firma. Auch für 2011 habe ich bereits drei Abschlüsse unter Dach und Fach.“ Kesslau vertritt ein Nischenprodukt im deutschen Markt – als Vertriebsdirektor der französischen Reederei Compagnie Du Ponant. Die wirbt mit Segelyachten und speziellen Tagungsschiffen um die Gunst der Eventmanager. Du Ponant ist eine Ausnahme. Noch trauen sich die wenigsten Veranstaltungs-Anbieter zu einer zuverlässigen oder gar positiven Prognose für 2010. Hoffnung herrscht vor: Hoffnung auf Kurzfrist-Bucher und darauf, „dass es schlimmer als 2009 nicht kommen kann“, wie eine Hoteldirektorin sagt.
Sehen manche Hoteliers ein weiteres schlechtes Jahr heraufziehen, machen andere erste Hoffnungsschimmer aus. „Januar und Februar waren bei uns gut gebucht“, berichtet die Vertriebschefin eines deutschen Vier-Sterne-Hotels. Allerdings handelte es sich größtenteils um eintägige Meetings, ohne Übernachtung. Und das „Anziehen der Nachfrage“ gründet sich bei ihr auf Optionen: „Fest gebucht haben bislang nur wenige.“
Die Tagungen werden kürzer, und sie werden kurzfristiger gebucht. Wo Unternehmen früher ein halbes Jahr im Voraus anfragten, sind es jetzt häufig nur noch wenige Wochen. Mit Sondertarifen und Zusatzangeboten bemühen sich die Ketten, aber auch die Fluggesellschaften um ihre Gunst. Dies werde zu einer Erholung der Branche führen, zeigt sich Carina Bauer sicher, Chefin der Event-Messe Imex: „Die meisten Planer gehen davon aus, dass es in der zweiten Hälfte 2010 wieder anzieht.“
Eine Rückkehr zur Tagungswelt von 2008 sieht sie aber nicht: „Es wird eine neue Normalität geben mit zum Teil radikalen Änderungen.“ Das Zauberwort lautet Erfolgskontrolle. „Firmen werden nur noch solche Events veranstalten, die nachweisbar zu einer Ertragssteigerung führen“, prognostiziert die Engländerin. Zwar werden auch Edel-Trips weiterhin gebucht – doch sie müssen sich rentieren. Grundsätzlich aber gilt: „Statt Luxus zählen verstärkt gute Leistung zu einem günstigen Preis sowie eine neue Einfachheit“, sagt Carina Bauer: „Zurück-zu-den-Wurzeln.“ Das deckt sich mit dem, was Kommunikationstrainer Mathias Haas der Branche vorhersagt. „Schick, aber einfach“, so beschreibt er einen Trend: „eine schlichte Grillparty in einer Luxus-Location – das ist ausgefallen und mutig.“ Für Haas steht fest: „Die Menschen werden zunehmend müde und intolerant, was Veranstaltungen betrifft. Sie gehen nur noch hin, wenn es etwas Neues oder für sie persönlich Spannendes gibt.“
Hinzu kommt: „Events müssen künftig sozial und ökologisch korrekt sein, und der Besucher muss sich aktiv beteiligen können – ob er nun Lehmhütten baut oder Schuhe selbst herstellt“, sagt der Stuttgarter. Letztlich müssen sie vor allem eines garantieren: „einen hohen Erinnerungswert“.