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Neue Trends bei Events

12.03.2010, 16:23 Uhr

Wir machen's gemeinsam

von Oliver Graue

Die Veranstaltungs-Branche wandelt sich. Events müssen interaktiv, außergewöhnlich und ökologisch sein. Zudem messen Firmen den Erfolg der Tagung.

Über den Berg: gemeinsames Erleben zählt immer mehr.
Foto: iStockphoto

Das können nur wenige von sich behaupten: „2009 haben wir positiv abgeschlossen“, sagt Andreas Kesslau und strahlt. „Und der allererste Mieter unseres neuen Schiffes, das Mitte des Jahres auf Jungfernfahrt geht, ist eine deutsche Firma. Auch für 2011 habe ich bereits drei Abschlüsse unter Dach und Fach.“ Kesslau vertritt ein Nischenprodukt im deutschen Markt – als Vertriebsdirektor der französischen Reederei Compagnie Du Ponant. Die wirbt mit Segelyachten und speziellen Tagungsschiffen um die Gunst der Eventmanager. Du Ponant ist eine Ausnahme. Noch trauen sich die wenigsten Veranstaltungs-Anbieter zu einer zuverlässigen oder gar positiven Prognose für 2010. Hoffnung herrscht vor: Hoffnung auf Kurzfrist-Bucher und darauf, „dass es schlimmer als 2009 nicht kommen kann“, wie eine Hoteldirektorin sagt.

Zumindest mehr Optionen

Sehen manche Hoteliers ein weiteres schlechtes Jahr heraufziehen, machen andere erste Hoffnungsschimmer aus. „Januar und Februar waren bei uns gut gebucht“, berichtet die Vertriebschefin eines deutschen Vier-Sterne-Hotels. Allerdings handelte es sich größtenteils um eintägige Meetings, ohne Übernachtung. Und das „Anziehen der Nachfrage“ gründet sich bei ihr auf Optionen: „Fest gebucht haben bislang nur wenige.“

Die Tagungen werden kürzer, und sie werden kurzfristiger gebucht. Wo Unternehmen früher ein halbes Jahr im Voraus anfragten, sind es jetzt häufig nur noch wenige Wochen. Mit Sondertarifen und Zusatzangeboten bemühen sich die Ketten, aber auch die Fluggesellschaften um ihre Gunst. Dies werde zu einer Erholung der Branche führen, zeigt sich Carina Bauer sicher, Chefin der Event-Messe Imex: „Die meisten Planer gehen davon aus, dass es in der zweiten Hälfte 2010 wieder anzieht.“

Eine neue Normalität

Eine Rückkehr zur Tagungswelt von 2008 sieht sie aber nicht: „Es wird eine neue Normalität geben mit zum Teil radikalen Änderungen.“ Das Zauberwort lautet Erfolgskontrolle. „Firmen werden nur noch solche Events veranstalten, die nachweisbar zu einer Ertragssteigerung führen“, prognostiziert die Engländerin. Zwar werden auch Edel-Trips weiterhin gebucht – doch sie müssen sich rentieren. Grundsätzlich aber gilt: „Statt Luxus zählen verstärkt gute Leistung zu einem günstigen Preis sowie eine neue Einfachheit“, sagt Carina Bauer: „Zurück-zu-den-Wurzeln.“ Das deckt sich mit dem, was Kommunikationstrainer Mathias Haas der Branche vorhersagt. „Schick, aber einfach“, so beschreibt er einen Trend: „eine schlichte Grillparty in einer Luxus-Location – das ist ausgefallen und mutig.“ Für Haas steht fest: „Die Menschen werden zunehmend müde und intolerant, was Veranstaltungen betrifft. Sie gehen nur noch hin, wenn es etwas Neues oder für sie persönlich Spannendes gibt.“

Hinzu kommt: „Events müssen künftig sozial und ökologisch korrekt sein, und der Besucher muss sich aktiv beteiligen können – ob er nun Lehmhütten baut oder Schuhe selbst herstellt“, sagt der Stuttgarter. Letztlich müssen sie vor allem eines garantieren: „einen hohen Erinnerungswert“.

Expertentipp

Mathias Haas, Berater für Kommunikation

Die Welt der Tagungen, Events und Incentives wird sich in den nächsten Jahren grundlegend ändern: Davon gibt sich Mathias Haas, Chef der Stuttgarter Kommunikationsberatung „Haas kommuniziert“, überzeugt. Seine wichtigsten Vorhersagen:

Neue Ideen: Menschen besuchen solche Events, die sie tatsächlich interessieren. Oder die mit völlig neuen Ideen locken. Anderes gilt als Zeitverschwendung. Das macht Massenkommunikation über Mice-Veranstaltungen in Zukunft sehr kompliziert – denn schließlich findet jeder Mensch andere Dinge interessant oder gar spannend.

Neue Ziele: In einer Welt, die von Umweltzerstörung, Stress und Hektik geplagt ist, werden die „noch heilen Ziele“ gefragter denn je. Es werden Regionen punkten, in denen „die Welt noch in Ordnung ist“.

Neue Einfachheit: Manager sind nicht mehr mit viel Luxus zu locken, sondern mit einfachen Dingen. EineWoche in der Wildnis ohne Laptop und Handy – das zählt mehr als mancher Edel-Trip.

Neue Verantwortung: Soziale und ökologische Kriterien zählen in Zukunft mehr denn je. Events dürfen nicht mehr klimafeindlich sein, und die konsumierten Produkte müssen nachweisbar sozial korrekt erzeugt worden sein.

Neue Exklusivität: Teilnehmer von Events erwarten, dass exklusiv sie eingeladen sind – und dass nicht stattdessen Kollegen erscheinen dürfen. Statt „voller Hütte“ zählt künftig ein „exklusiver, kleiner und bewusst ausgewählter Besucherkreis“. Und klappt etwas nicht, muss sich der Vorstand beim noch so „geringsten“ Kunden persönlich entschuldigen.

Neuer Mut: An die Stelle der bis aufs kleinste Detail durchorganisierten Veranstaltungen treten solche, die nicht vollständig planbar sind und bei denen durchaus Unvorhergesehenes und Überraschendes passieren kann – und auch darf. Mathias Haas sieht das positiv: „Das vergessen die Menschen nicht, an solche Events werden sie sich immer erinnern!“

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