Internet-Zugang im Hotelzimmer ist oft sehr teuer – noch. Immer mehr Häuser bieten kostenfreies Surfen an.
Gute alte Zeiten: Da diktierte man seine Briefe der Assistentin, ließ sie Termine organisieren, und auch die Anrufe gingen erst ins Vorzimmer und dann – vielleicht – zum Chef. Und auf Reisen musste sich auch niemand mit dem Kopieren oder Faxen herumschlagen. Darum sorgten sich die guten Geister im Hotel: im Business Center, das jedes bessere Geschäftsreisehotel seit den 90ern bietet.
Aber inzwischen geht kaum ein Manager ohne Handy, Blackberry oder Laptop auf Reisen. Das Business Center betrachten immer mehr Hotels denn auch als „längst überholtes Relikt“ (Lindner Hotels), als „prähistorisch“ (NH Hoteles) oder zumindest als „auf dem Rückzug“ befindlich (Hyatt). „Früher sind die Chefs ohne Sekretärin keinen Meter weit gekommen“, erinnert sich Worldhotels-Managerin Karin Mlaker. Heute hingegen habe sich „das Arbeitsverhalten total geändert“: Jeder sei über sein mobiles Büro jederzeit erreichbar – per Handy oder per E-Mail, Tag und Nacht.
Statt in Büroservices investiert die Hotellerie verstärkt in den Ausbau von Technik: in High-Speed-Internet, Breitband- und W-LAN-Verbindungen. In den Zimmern, den Konferenzbereichen und in der Lobby. Weil es der Kunde so wünscht. Längst hat die Branche aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Statt wie einst beim Telefon auf Preise zu setzen, die oft höher sind als die monatliche Flatrate zu Hause, bieten immer mehr Hotelketten den Zugang sogar gratis. „Kostenfreies Internet ist ein Service, der dazugehört wie Warmwasser im Bad“, verkündete Rezidor-Chef Kurt Ritter und gab damit den Startschuss für Gratis-W-LAN in allen Radisson-SAS-Hotels in Europa. Das war im Herbst 2005. Inzwischen sind ihm Ketten wie Accor (Ibis, Novotel, Suitehotels) und der französische Billigverbund B&B-Hotel gefolgt. Und selbst in den Vier- und Fünf-Sterne-Häusern von Edelketten wie Sheraton, Four Points, Intercontinental, Kempinski und zum Teil auch Mövenpick surfen die Gäste inzwischen für lau – zumindest in öffentlichen Bereichen wie der Lobby.
Gebhard Rainer, Senior Vice President bei Hyatt, ist überzeugt, dass „die Zukunft für Basis-Internet gratis sein wird“. Und zwar für alle Bereiche im Hotel. Das werde bereits in drei Jahren zum Standard gehören.
Als Vorreiter betätigen sich auch solche Hotels, die sich keinem Verbund angeschlossen haben. Cornelia Kausch etwa hat gleich bei ihrem Amtsantritt als Geschäftsführerin im Hotel Berlin, Berlin im Sommer 2006 alle Internet-Kosten abgeschafft. „Das ist für den Firmengast genau dass, was er will, wieso soll ich ihn dafür bestrafen?“, fragt die energische Generaldirektorin. Andere unabhängige Hotels bieten zumindest den Zugang über bestimmte Anbieter, bei denen der Gast direkt und vergleichsweise günstig Internet-Zeit buchen kann.