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Ora et labora

03.07.2009, 14:00 Uhr

Tagung im Kloster

von Oliver Graue

Sie sind Orte der Stille, der Spiritualität und der Besinnung: Klöster liegen im Trend. Und sie sind Kontrastprogramm zur Krise. Gerade für Tagungen und Manager-Auszeiten gewinnen die Orden an Beliebtheit.

Faszinierende Architektur: Durch den Kreuzgang eines Klosters zu spazieren ist ein erhabenes Gefühl.
Foto: Dreamstime

Früher war die Sache simpel: Wer sich in seinem Leben gut und gottesfürchtig verhielt, der kam in den Himmel. Ganz so einfach scheint das heutzutage nicht mehr
zu sein. „Dass man einen elektronischen Code benötigt, um durch die Himmelspforte zu gelangen, das hätte ich nicht erwartet“, schmunzelt Albrecht Steinecke, Professor an der Universität Paderborn, und hält einen Zettel mit sechs Zahlen hoch. Diesen Code bekommt, wer im einstigen Zisterzienserinnen-Kloster Würzburg Tagungsgast ist – so wie Steinecke. Denn auch Himmelspforten, wie der als Exerzitienhaus der Diözese genutzte Bau heute heißt, muss sich vor Eindringlingen schützen.

Zumindest vor solchen, die nichts Gutes im Schilde führen. Denn eigentlich gilt genau das Gegenteil. „Klöster sind traditionell Gäste gewohnt“, erläutert Benediktinermönch Dieter Haite auf einer Konferenz der Bensberger Thomas-Morus-Akademie. „Gastfreundschaft ist eines unserer Hauptprinzipien. Jeder Klosterbesucher genießt ein hohes Ansehen.“ Und über mangelnde Resonanz kann Haite, der das Stadtkloster Cella Sankt Benedikt in Hannover leitet, nicht klagen. Allein im Klausurbereich begrüßt er jährlich 650 Besucher. „Die meisten von ihnen suchen nach einer Gelegenheit zum Rückzug, wollen eine Auszeit nehmen“, berichtet er. „Immer wieder hören wir von unseren Gästen, dass bei uns, wie sie es ausdrücken, so eine andere Atmosphäre herrscht.“

Eine, die offenbar wohltut. Denn Klöster liegen im Trend. Nicht nur Touristen haben die altehrwürdigen Stätten für sich entdeckt, sondern auch Unternehmen wählen diese immer häufiger als Tagungs-Location. „Man findet hier ein ganz besonderes Ambiente“, sagt der Travel Manager eines Autokonzerns: „Die Atmosphäre der Ruhe und Spiritualität macht Meetings zu einem ungewöhnlichen Erlebnis.“

Christliche Wellness

Das Kloster Arenberg hat sich den Ruf als „Wellness-Kloster“ erworben. Seit 2003 bietet der Dominikanerinnen-Orden in Koblenz seinen Gästen ein neues Konzept an: eine Verbindung aus „zeitgemäßer Intepretation der kneippschen Lehren und christlicher Meditation“, so Geschäftsführer Bernhard Grunau. Trotz Wasser- und Ernährungstherapie, Kräutergarten, Shiatsu-Kopfbehandlung und Ikebana-Kursus ist der christliche Glaube das A und O. „Wo Kloster draufsteht, ist auch Kloster drin“, betont Grunau. „Bei uns wird auf der Massagebank unter Berührung auch schon mal geweint.“ Vor allem erschöpfte Menschen nutzen das Angebot (Vollpension ab ca. 80 Euro/Tag), Gruppen dürfen maximal 20 Personen stark sein.

www.kloster-arenberg.de

 
 
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