Lange Zeit waren sie die Stiefkinder der Bahn: Parkhäuser. Das Parkhaus der Zukunft bietet Komfort pur.
Helle Treppenhäuser, bestens ausgeleuchtete Parkflächen und eine plausible Ausschilderung für Autofahrer mit Orientierungsschwächen: Eigentlich hatten die Architekten des neuen Parkhauses Hühnerposten in Hamburg an alles gedacht – nur nicht an die Sparsamkeit mancher Autofahrer.
Denn die mochten sich mit der Musteranlage nahe dem Hauptbahnhof nicht so recht anfreunden. Dabei lagen die Preise mit zwölf Euro pro Tag durchaus im Rahmen des Üblichen. Wie sich herausstellte, war das trotzdem zu viel: Denn kaum hatte die DB-Tochter Bahn-Park das Parkhaus übernommen und den Preis drastisch gesenkt, lief das Geschäft. Drei Euro verlangen die Bahner heute. Für Hamburger Verhältnisse ein Schnäppchen. Und entsprechend beliebt.
Der aufwendig renovierte Altbau versorgte bis vor fünf Jahren Stadt und Land mit Briefen und Paketen. Heute beherbergt der Klinkerbau Büroräume, Ausstellungen, Hamburgs Zentralbibliothek, das Goethe-Institut und eben das Parkhaus. Zweckmäßig ist die Großgarage zwar auch, aber die Nachbarschaft aus Kunst und Kommerz macht aus den profanen Abstellflächen für Autos fast schon ein Lifestyle-Produkt.
Das Hamburger Beispiel zeigt: Hapert es mit den Parkhäusern, wird die Bahn aktiv. Zumindest gilt das für Anlagen in Nachbarschaft der Bahnhöfe. Denn Parkhäuser werden für den Transportkonzern immer wichtiger. Je einfacher die Kunden ihr Auto abstellen können, desto besser für die Bahn. Keine Spur mehr vom einstigen Konkurrenzdenken gegenüber dem Individualverkehr. Im Gegenteil: Die Bahn ködert Autonutzer mit vergünstigten Parkgebühren – wenn auch nicht immer mit Knüllerpreisen wie in Hamburg. Bundesweit und im Schnitt, so die Bahn, spart der Kunde fünf Euro oder 40 Prozent auf den regulären Tagestarif einer Parkanlage. Die Spanne reicht von zwei Euro pro Tag in Dresden-Neustadt auf dem Parkplatz an der Hansastraße bis zu 15 Euro in den Parkhäusern am Münchner sowie am Frankfurter Hauptbahnhof. An etwa 70 Bahnhöfen gibt die Bahn Rabatt – ob auf Plätzen, in Tiefgaragen oder in Parkhäusern.
Doch nicht nur der Preis entscheidet. Für Geschäftsreisende ebenso wichtig: Wie gut sind Bahnhof und Parkhaus mit dem Auto zu erreichen? Wie sicher ist das Parkhaus? Wie schnell geht es zum Gleis? Wie komfortabel ist die Bezahlung? Nach einer Infas-Umfrage schneiden die folgenden fünf Bahnhöfe beim Thema „Parken und Zugänge“ am besten ab: Leipzig vor Karlsruhe, Mannheim, Berlin-Ostbahnhof und Nürnberg. Was die Bahn außerdem festgestellt hat: Die Nähe der Parkgelegenheit zum Bahnhof wird für Geschäftsreisende immer wichtiger. Zum Vergleich: Privatreisende sind preissensibler geworden und legen auch längere Strecken bedenkenlos zurück. Für beide Gruppen gilt: Immer öfter wird die Bahn-Card gezückt, wenn es ans Bezahlen am Parkautomaten geht. Der Rabatt wird gleich vom Tagestarif abgezogen.
Ohnehin geht der Trend zu mehr Komfort. So arbeitet die Bahn daran, dass Kunden Parkscheine am Ticketautomaten und per Internet ordern können – so, wie es beim Kauf von Fahrscheinen möglich ist. Die Schranke am Parkhaus öffnet sich per Bahn-Card oder Kreditkarte, und zwar bei der Ein- und Ausfahrt. Der Parkautomat hat ausgedient. Parken & reisen & vergessen.