Potsdam

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Schonfrist für das Mercure

Das einstige DDR-Interhotel soll eigentlich schon seit langem abgerissen werden. Inzwischen wächst aber die Empörung in der Stadt über das Vorhaben.

28.01.2016, 12:36 Uhr
Wie lange wird es noch stehen? Mercure in Potsdam
Foto: Hotel Mercure Potsdam

Im historischen Potsdam wird es von vielen Einwohnern als Schandfleck empfunden: das DDR-Plattenbau-Hochhaus, in dem Mercure ein Hotel betreibt. Das einstige Interhotel, 1969 erbaut, hatte bereits 2012 abgerissen werden sollen. Doch auch in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung vertagte man das Thema.

Grund dürfte sein, dass die Wellen der Empörung sowohl bei Abriss-Befürwortern als auch bei Abriss-Gegnern inzwischen hochschlagen. Die Rathaus-Spitze fordert seit vielen Jahren die Beseitigung des architektonischen „Schandflecks“, um den alten Lustgarten gegenüber vom Landtagsschloss als „Wiese für die Bürger“ wiederherzustellen.

Demgegenüber plädieren Linke und Mercure selbst für die Beibehaltung des DDR-Reliktes. Beide fordern eine Bürgerbefragung. Sollte die Stadt weiterhin damit drohen, das Haus zu kaufen und anschließend abzureißen, sei das für Potsdam und für die Hotelmarke „in höchstem Maße geschäftsschädigend“, so Hoteldirektor Marco Wesolowski.

Suchmaschinen schlagen „Abriss“ vor

Er drohte damit, die Stadt zu verklagen, sollte sie ihre Pläne umsetzen. Viele potenzielle Gäste würden bereits jetzt abgeschreckt, das Hotel zu buchen, da bei Suchanfragen im Internet mit den Begriffen „Potsdam“ und „Mercure“ auch gleich „Abriss“ vorgeschlagen werde.

Wie berichtet gehört das Haus neben zehn anderen ehemaligen DDR-Interhotels seit kurzem zu Starwood Capital. Blackstone hatte sich von dem Paket getrennt. Betreiber ist die Kölner Event-Hotelgruppe, das Management ist in den Händen der Accor-Marke Mercure.

Das Mercure war 1969 als 10. Interhotel der DDR mit 17 Etagen und mehr als 420 Zimmern eröffnet worden. Auf einer von der DEFA angemieteten Etage übernachteten prominente Gäste wie Zsa Zsa Gabor, Audrey Landers, Bernhard Wicki und der sowjetische Regisseur Juri Oserow. Genutzt wurde das Hotel weitgehend vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB). (OG)

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