Rechtskolumne

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Spielregel beachten

Für die Fußball-EM gilt es ebenso wie für andere Großevents: Kauf, Weiterverkauf und Rückgabe von Eintrittskarten unterliegen Gesetzen. Und: Vorsicht bei geschenkten Tickets!

von Prof. Dr. Hans-Josef Vogel, 27.06.2016, 09:00 Uhr
Prof. Dr. Hans-Josef Vogel ist Rechtsanwalt bei Beiten Burkhardt, einer der großen deutschen Wirtschaftskanzleien. Er unterrichtet Reiserecht an der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef/Bonn und ist Beirat des Verbands VIR.
Foto: PR

Immer wieder versuchen Veranstalter, den Sekundärmarkt einzuschränken, oder einfacher: den Schwarzhandel zu verhindern. So werden Eintrittskarten personalisiert, oder es gibt Tickets, die bestimmte Sicherheitsmerkmale aufweisen. Darf ein Veranstalter so etwas? Darf er den Verkauf an Dritte überhaupt verbieten?

Bei der Eintrittskarte handelt es sich um einen Vertrag; die Einschränkungen sind in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthalten. Gerichte prüfen daher, ob diese Einschränkungen Rechte des Verbrauchers entgegen Treu und Glauben zu weit einschränken.

Außerhalb des gewerblichen Handels darf der Veranstalter den Weiterverkauf nicht verbieten. Wer also eine Veranstaltung nicht besuchen kann oder nicht besuchen will, darf das Ticket als Privatmann weiterverkaufen.

Weder Käufer noch Verkäufer dürfen belangt werden. Anders ist es bei gewerblichem Handel: In diesem Fall darf der Verkäufer den Handel einschränken oder gar verbieten.

Vorsicht vor Korruption!

Werden Eintrittskarten personalisiert, gilt allerdings etwas anderes. Hier wurde nicht einfach eine Eintrittskarte erworben, sondern bereits im Vertrag geregelt, dass nur eine bestimmte Person Einlass erhält. Hier kann der Weiterverkauf ausgeschlossen werden. Dann allerdings muss der Veranstalter eine Möglichkeit vorsehen, die Karte bis kurz vor Beginn der Veranstaltung gegen Erstattung zurückzugeben. Hier soll der Privatkunde nicht über Gebühr benachteiligt werden, wenn ihm schon der Verkauf verboten ist.

Gerichte haben auch den Zwang, ein bestimmtes Portal für den Weiterverkauf zu nutzen, für unzulässig erklärt. Und: Wer die Karte geschenkt bekommt, kann sie auch weiterverkaufen oder weiterverschenken.

Bei geschenkten Karten muss der Nutzer allerdings auf etwas anderes achten: Je nach Wert der Einladung kann schon die bloße Annahme der Karte einen Korruptionstatbestand erfüllen. Auch der Verstoß gegen firmeninterne Richtlinien kann hier schwer wiegen. Ein Landesarbeitsgericht hat den Besuch einer Loge bei einem Fußballspiel als für eine Kündigung ausreichend gesehen, wenn Firmenrichtlinien dies verbieten.

Findet ein Spiel nicht statt oder erreicht der Besucher es nicht (etwa wegen Staus oder langer Kontrollen), gibt es kein Geld zurück, wenn der Grund des Ausfalls nicht ins Veranstalterrisiko fällt. Unwetter oder Anschläge führen also nicht zur Rückzahlung – soweit der Veranstalter nicht etwas anderes zusagt.

Ticket verloren, Geld weg

Streit gibt es auch immer um verlorene Tickets. Hier ist die rechtliche Frage einfach gestellt, aber schwieriger beantwortet. Entscheidend ist, ob der Verkäufer des Tickets seine Pflichten erfüllt hat, wenn er das Ticket zum Versand aushändigt, oder erst, wenn das Ticket angekommen ist. Da die meisten Verkäufer die Möglickeit einer Abholung gar nicht erst vorsehen, reist das Ticket dann auf Risiko des Verkäufers. Heißt es aber bei der Bestellung etwa, die Karte könne abgeholt oder gegen Mehrkosten verschickt werden, dann hat der Verkäufer alles getan, wenn er sie in den Versand gibt. Der Käufer muss also zahlen, auch wenn die Karte nicht ankommt.

Das Ganze gilt übrigens ausschließlich für Deutschland. Kauft man seine Eintrittskarte hingegen in Frankreich, können die Dinge schon wieder völlig anders liegen. Wünschen wir uns trotz solcher rechtlicher Probleme einen schönen Sportsommer!

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