Regelmäßige Arbeitsstätte

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Dauerhaft und nachhaltig

Ein wichtiger Begriff sowohl fürs Steuerrecht als auch für die Reisekostenabrechnung ist derjenige der "regelmäßigen Arbeitsstätte". Was sich daher verbirgt.

von Oliver Graue, 07.08.2012, 10:48 Uhr
BizTravel erklärt, was sich hinter dem Begriff der regelmäßigen Arbeitsstätte verbirgt.
Foto: Flughafen Düsseldorf

Der Begriff der regelmäßigen Arbeitsstätte kommt aus dem Einkommensteuerrecht und ist wesentlich für den Bereich der Betriebsausgaben und Werbungskosten. Die Frage nach der regelmäßigen Arbeitsstätte dient unter anderem der Abgrenzung einer Dienstreise bzw. Geschäftsreise von einer Einsatzwechseltätigkeit oder Fahrtätigkeit. Sie ist aber auch entscheidend für die Ermittlung der Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle (Entfernungspauschale).

In seiner ständigen Rechtsprechung hat der Bundesfinanzhof den Begriff der regelmäßigen Arbeitsstätte im Sinne des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 des Einkommenssteuergesetz wie folgt definiert:

Regelmäßige Arbeitsstätte ist eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, die der Arbeitnehmer entweder arbeitstäglich oder wenigstens nachhaltig, fortdauernd und immer wieder aufsucht.

Unter "nachhaltig aufsuchen" versteht der Bundesfinanzhof: mindestens 1 mal wöchentlich oder mehr als 46 Wochen im Jahr.

Liegt eine regelmäßige Arbeitsstätte in diesem Sinne vor, kann der Arbeitnehmer die Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte über die Entfernungspauschale als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

Verübt er eine berufliche Tätigkeit außerhalb der Wohnung und außerhalb der regelmäßigen Arbeitsstätte, gilt dies als Dienstreise. Das heißt: Er kann Reisekosten abrechnen.

Von all dem zu unterscheiden ist die Einsatzwechseltätigkeit.

Wichtig: Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs vom 24. August 2011 (VI R 55/10, VI R 36/10, VI R 58/09) kann jeder Arbeitnehmer nur eine einzige regelmäßige Arbeitsstätte haben.

Dieses Urteil ist entscheidend für die Frage, ob der Arbeitnehmer die (höheren) Reisekosten abrechnen darf, also Kilometerpauschale und Verpflegungsmehraufwand, oder ob er "nur" die Entfernungspauschale zwischen Wohnung und Arbeitsstätte geltend machen darf.

Ein aktuelles Urteil hat der Bundesfinanzhof gerade im Hinblick auf die zeitweise Versetzung von Berufssoldaten an einen anderen Dienstort gefällt: Sie dürfen Reisekosten anrechnen, da es sich bei dem neuen Arbeitsort nicht um eine dauerhafte Arbeitsstätte handelt – selbst dann, wenn sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren aufgesucht werden muss.

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