Mal privat statt dienstlich: Gestresste Manager finden dort Ruhe, wo nichts ist – außer Wasser, Natur und manche Skurrilität. BizTravel empfiehlt die Azoren. Und drei weitere stille Inseln.
Neun Punkte im Meer: Aus der Luft wirken sie wie zufällig hingestreut. Doch wer die Azoren kennt, mag an Zufall nicht glauben. Gott muss diese Inselgruppe bewusst geschaffen haben als Therapie gegen Stress und Überarbeitung. Mitten im Atlantik liegen die Azoren, zwischen Europa und den USA. Die meisten Menschen kennen sie nur aus dem Wetterbericht – wobei sich das Azorenhoch meist woanders rumtreibt. Denn für Sonnenanbeter eignet sich das Archipel nicht; für Naturfreunde hingegen ist es ein Paradies. Mitunter herrschen auf den Azoren „alle vier Jahreszeiten an einem Tag“, wie die Bewohner sagen. Ergebnis ist eine Bilderbuchflora: immergrüne Landschaften, gigantische Farnwälder, niedliche Weingärten und üppig bewachsene Vulkankrater.
Zu typischen Business-Zielen zählen die Azoren nicht. Doch für gestresste Travel Manager, die mal nicht für andere, sondern für sich selbst eine Reise planen, sind sie ein Geheimtipp. Warum sollte, wer „reif für die Insel“ ist, nicht wirklich auf „die Insel“ fliegen? Irgendwo im Ozean, fernab jeder Hektik, findet es sich gut zur Ruhe zurück. Umso besser, wenn die Insel (noch) nicht den Stempel des touristischen Massenziels trägt!
Schwieriger ist die Frage nach dem individuell passenden Eiland. Die Auswahl ist groß, Experten schätzen, dass es weltweit 130.000 Inseln gibt. Wir bescheiden uns und präsentieren gerade mal vier davon, rein subjektiv ausgewählt. Weil wir selbst schon dort waren, und weil wir dort entspannen konnten.
Etwa auf São Miguel, der größten Insel der Azoren, wo man bei Rundfahrten auf das Zauberwort Miradouro achten sollte. Was auf Portugiesisch „Aussicht“ bedeutet, ist weit mehr als das: Gärten voller exotischer Pflanzen, hoch über der Küste, mit faszinierenden Blicken auf Vulkane und aufs Meer. Für Bänke ist ebenso gesorgt wie für Grillholz im Sommer.
Nicht weniger relaxt geht es in den Dörfern zu, deren Mittelpunkt die Kirche und ein großer, liebevoll bepflanzter Dorfplatz bilden – drumherum mehrere Cafés. Den Galaho (Milchkaffee) gibt es für 75 Cent.
Manchmal sind es Skurrilitäten, die vom Alltag ablenken. Die Azoren sind voll davon. Europas einzige Ananas- und Teeplantagen finden sich auf São Miguel. Im Parque Terra Nostra im Kurort Furnas, mitten in einem aktiven Vulkankrater, blühen 300 Kamelienarten – mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Wer mag, springt in den Parksee mit seinem tiefbraunen Wasser. Das kostet Überwindung, doch ein Bad in der eisenhaltigen Brühe tut gut. In den brodelnden Schwefelquellen von Furnas schließlich garen die Einheimischen ihren Fleischeintopf.
In jedem Fall lohnt Insel-Hopping, was die Airline Sata mit günstigen Airpässen attraktiv macht. Zum Beispiel nach Terceira. Ihre Hauptstadt Angra ist ein Schmuckstuck der Renaissancearchitektur. Häuser in frohen Pastellfarben mit schmalen Gitterbalkons wechseln mit prächtigen Kirchen und Klöstern. In Horta wiederum, Metropole der Insel Faial, gleicht der Hafen einem gigantischen Graffito: Atlantiküberquerer legen hier einen Zwischenstopp ein und verewigen sich auf den Kaimauern mit einer Malerei. Eine deutsche Kolonialsiedlung, mit Kaiseradler über den Fenstern, verdeutlicht die spannende Geschichte Hortas: Deutsche verlegten hier um 1900 Unterseekabel zwischen Ostfriesland und New York, und die Lufthansa nutzte bis 1938 den Hafen für Zwischenlandungen auf dem Weg in die USA. Geschäftigkeit, die Vergangenheit ist – heute sind die Azoren Entspannung pur. Typisch Insel eben.