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Reif für die Insel

22.06.2011, 09:00 Uhr

Azoren, Färöer und Co

von Oliver Graue

Mal privat statt dienstlich: Gestresste Manager finden dort Ruhe, wo nichts ist – außer Wasser, Natur und manche Skurrilität. BizTravel empfiehlt die Azoren. Und drei weitere stille Inseln.

Foto: FVA

Neun Punkte im Meer: Aus der Luft wirken sie wie zufällig hingestreut. Doch wer die Azoren kennt, mag an Zufall nicht glauben. Gott muss diese Inselgruppe bewusst geschaffen haben als Therapie gegen Stress und Überarbeitung. Mitten im Atlantik liegen die Azoren, zwischen Europa und den USA. Die meisten Menschen kennen sie nur aus dem Wetterbericht – wobei sich das Azorenhoch meist woanders rumtreibt. Denn für Sonnenanbeter eignet sich das Archipel nicht; für Naturfreunde hingegen ist es ein Paradies. Mitunter herrschen auf den Azoren „alle vier Jahreszeiten an einem Tag“, wie die Bewohner sagen. Ergebnis ist eine Bilderbuchflora: immergrüne Landschaften, gigantische Farnwälder, niedliche Weingärten und üppig bewachsene Vulkankrater.

Auswahl aus 130.000 Inseln

Zu typischen Business-Zielen zählen die Azoren nicht. Doch für gestresste Travel Manager, die mal nicht für andere, sondern für sich selbst eine Reise planen, sind sie ein Geheimtipp. Warum sollte, wer „reif für die Insel“ ist, nicht wirklich auf „die Insel“ fliegen? Irgendwo im Ozean, fernab jeder Hektik, findet es sich gut zur Ruhe zurück. Umso besser, wenn die Insel (noch) nicht den Stempel des touristischen Massenziels trägt!

Schwieriger ist die Frage nach dem individuell passenden Eiland. Die Auswahl ist groß, Experten schätzen, dass es weltweit 130.000 Inseln gibt. Wir bescheiden uns und präsentieren gerade mal vier davon, rein subjektiv ausgewählt. Weil wir selbst schon dort waren, und weil wir dort entspannen konnten.

Etwa auf São Miguel, der größten Insel der Azoren, wo man bei Rundfahrten auf das Zauberwort Miradouro achten sollte. Was auf Portugiesisch „Aussicht“ bedeutet, ist weit mehr als das: Gärten voller exotischer Pflanzen, hoch über der Küste, mit faszinierenden Blicken auf Vulkane und aufs Meer. Für Bänke ist ebenso gesorgt wie für Grillholz im Sommer.

Nicht weniger relaxt geht es in den Dörfern zu, deren Mittelpunkt die Kirche und ein großer, liebevoll bepflanzter Dorfplatz bilden – drumherum mehrere Cafés. Den Galaho (Milchkaffee) gibt es für 75 Cent.

Ananas- und Teeplantagen

Manchmal sind es Skurrilitäten, die vom Alltag ablenken. Die Azoren sind voll davon. Europas einzige Ananas- und Teeplantagen finden sich auf São Miguel. Im Parque Terra Nostra im Kurort Furnas, mitten in einem aktiven Vulkankrater, blühen 300 Kamelienarten – mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Wer mag, springt in den Parksee mit seinem tiefbraunen Wasser. Das kostet Überwindung, doch ein Bad in der eisenhaltigen Brühe tut gut. In den brodelnden Schwefelquellen von Furnas schließlich garen die Einheimischen ihren Fleischeintopf.

Ostfriesen im Atlantik

In jedem Fall lohnt Insel-Hopping, was die Airline Sata mit günstigen Airpässen attraktiv macht. Zum Beispiel nach Terceira. Ihre Hauptstadt Angra ist ein Schmuckstuck der Renaissancearchitektur. Häuser in frohen Pastellfarben mit schmalen Gitterbalkons wechseln mit prächtigen Kirchen und Klöstern. In Horta wiederum, Metropole der Insel Faial, gleicht der Hafen einem gigantischen Graffito: Atlantiküberquerer legen hier einen Zwischenstopp ein und verewigen sich auf den Kaimauern mit einer Malerei. Eine deutsche Kolonialsiedlung, mit Kaiseradler über den Fenstern, verdeutlicht die spannende Geschichte Hortas: Deutsche verlegten hier um 1900 Unterseekabel zwischen Ostfriesland und New York, und die Lufthansa nutzte bis 1938 den Hafen für Zwischenlandungen auf dem Weg in die USA. Geschäftigkeit, die Vergangenheit ist – heute sind die Azoren Entspannung pur. Typisch Insel eben.

Naturparadies: Azoren
Neun Inseln vulkanischen Ursprungs im Atlantik, die zu Portugal gehören. Direktflüge mit Sata (ab Frankfurt) oder Air Berlin (Düsseldorf). Flugdauer ca. 4 Stunden. Für Ruhesuchende, Wanderer, Vulkanfans und Wal-Beobachter. Lesetipp: Michael Bussmann: Azoren. Spannendes über die Geschichte der Inselgruppe und viele praktische Hotel-, Restaurant- und Wandertipps (Michael-Müller-Verlag, 20,90 Euro). www.visitazores.travel

Reiz des Nichts: Muhu
Auf die estnische Ostseeinsel Muhu „reisen Menschen, die schon vieles gesehen haben von der Welt, und die nur entspannen wollen“, sagt Martin Breuer, der dort das Wellness-Resort Pädaste betreibt. Dichte Kiefernwälder, Moore und Wacholderwiesen prägen das Bild – und auch die Fauna ist intakt. Sehr ursprünglich! Mit LH ab Frankfurt nach Tallinn, mit Estonian ab Berlin und Hamburg. Ab Tallinn nach Kuressaare auf der Nachbarinsel Saaremaa. www.visitestonia.com

Bizarr und bunt: Färöer
Die zu Dänemark gehörenden „Schafsinseln“ liegen zwischen Schottland und Island und locken mit rauer Natur und Ursprünglichkeit. Bizarre Felsen, steile Klippen und farbenfrohe Dörfer zeichnen die 18 Inseln aus. 48.000 Menschen und 70.000 Schafe leben auf den Färöern. Mit Atlantic Airways ab Kopenhagen und Billund, mit der Fähre Norröna (Smyril Line) ab Hirtshals. www.faroeislands.com


Maltas grüne Nachbarin: Gozo
Maltas nördliche und kleine Nachbarin im Mittelmeer. Anders als das umtriebige, dicht bebaute Malta (toll für Kulturfans!) gibt sich Gozo grün und entspannt. Felder, Wiesen und Weinberge dominieren, und der Lebensrhythmus tickt hier deutlich gemächlicher als bei der großen Schwester. Mit Air Berlin, Air Malta oder LH bis Malta, 3 Stunden. www.visitmalta.com

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