Reisesicherheit

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Ein Plan für alle Notfälle

Unternehmen beschäftigen sich verstärkt mit Travel Risk Management. Trotzdem gibt es Nachholbedarf, vor allem im Mittelstand.

von Martin Jürs, 08.08.2016, 09:00 Uhr
Gute Erreichbarkeit kann für Geschäftsreisende im Notfall essentiell sein.
Foto: Shutterstock

Fehlende Koordination, unzureichende zentrale Anweisungen, mehrere Krisenstäbe, die nebeneinander arbeiten: ein Szenario, bei dem sich Sicherheitsexperten die Nackenhaare aufstellen. Doch genau ein solch unabgestimmtes Vorgehen kennzeichnete das Notfallmanagement von Daimler in Japan, als dort der Atommeiler Fukushima 2011 nach einer Flutwelle teilweise havariert war. Das mangelhafte Sicherheitsprozedere blieb zum Glück folgenlos: Mitarbeiter und Geschäftsreisende des Autobauers kamen bei dem Unglück nicht zu Schaden.

Doch für den Konzern aus Stuttgart war es Anlass, das eigene Sicherheits- und Travel-Risk-Management auf den Prüfstand zu stellen, wie Michael Volle, Senior Manager Operational Services bei der Daimler-Konzernsicherheit, kürzlich bei der Frühjahrstagung des VDR in Berlin schilderte.

So hat der Autokonzern mittlerweile ein Traveller-Tracking-System im Einsatz, um im Notfall Mitarbeiter schnell lokalisieren zu können. Auch wurden für mehr als 180 Daimler-Niederlassungen weltweit Krisenpläne aufgestellt, die das Vorgehen und die Prozesse im Notfall festlegen. Diese neue Sicherheitsarchitektur ist Volle überzeugt, zahlt sich aus. „Sicherheitsmanagement ist ein Erfolgsfaktor für ein Unternehmen“, betont der Manager.

Schließlich lassen sich so im Ernstfall hoffentlich nicht nur wirtschaftliche Schäden vermeiden oder zumindest in engen Grenzen halten. Auch die Gefahr eines Imageschadens werde bei einem verbesserten Sicherheitsmanagement reduziert, so Volle. Außerdem wirke sich ein effektives Travel Risk Management positiv auf die Zufriedenheit und das Sicherheitsempfinden der Mitarbeiter aus.

Letzteres hat angesichts der Terrorattacken in Business-Metropolen wie Paris, Brüssel oder Istanbul in jedem Fall gelitten, wie eine aktuelle Umfrage von American Express Global Business Travel und dem internationalen Geschäftsreiseverband Acte zeigt. So sind bei fast jedem fünften Geschäftsreisenden die Sorgen in Bezug auf die Sicherheit auf Dienstfahrten im Vergleich zu 2014 erheblich gestiegen. Bei weiteren 42 Prozent haben die Ängste immerhin leicht zugenommen. Darauf müssen Firmen, egal ob groß oder klein, reagieren.

Dass die Unternehmen sich der Problematik zunehmend bewusst sind, zeigt eine Erhebung des VDR. Demnach haben sich im laufenden Jahr hierzulande angesichts der jüngsten Terrorattacken in aller Welt immerhin 81 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern mit der Sicherheitsthematik auf Dienstreisen befasst. Zwei Jahre zuvor waren es erst 74 Prozent.

Krisenländer festlegen

Im Mittelstand sind es laut VDR dagegen nur 53 Prozent der Firmen, die sich mit dem Thema Sicherheit auf Geschäftsreisen auseinandergesetzt haben – das sind zwar wie bei Großunternehmen sieben Prozentpunkte mehr als 2014, aber trotzdem ein deutlich geringerer Anteil als bei größeren Unternehmen.

Dass es gerade im Mittelstand noch Defizite in puncto Travel Security gibt, sieht auch Uwe Knebelsberger so. „Viele Firmen sind hier nach wie vor schlecht aufgestellt“, kritisiert der Geschäftsführer der Sicherheitsberatung Corporate Trust aus München. Zwar sei das Problembewusstsein in der Wirtschaft generell gestiegen, trotzdem sei in den vergangenen Jahren noch zu wenig in das Sicherheitsmanagement investiert worden. Dabei ist Handeln seiner Ansicht nach dringend geboten: „Deutsche Unternehmen sind hochspezialisiert und erobern weltweit die Märkte. Angesichts der damit verbundenen Reisen besteht ein klarer Bedarf, die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, vor allem bei Aufenthalten in Risikoländern.“

Dabei fehlt es seiner Beobachtung nach gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen an Grundsätzlichem. So mangele es an einer generellen Reisesicherheitsregel, welche Länder überhaupt als kritische Reiseziele zu gelten haben. Zudem stelle man immer wieder Probleme bei der Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit des Unternehmens fest, sagt Knebelsberger.

Wobei aber auch eine verbesserte Sicherheitsorganisation nichts am eigentlichen Problem ändert: „Wenn es um den Umgang mit Gefahrensituationen geht, können wir nur auf Symptome reagieren. Die Ursachen müssen durch die Politik behoben werden“, sagt VDR-Präsident Dirk Gerdom.

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