Reisesicherheit

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Was Travel Manager jetzt tun sollten

Terrorattacken in Paris oder Istanbul, Übergriffe in Köln: Die zunehmende Gewalt betrifft auch Geschäftsreisen. Acht hilfreiche Tipps für Travel Manager.

von Oliver Graue, 26.02.2016, 09:00 Uhr
Die Terror-Attacke in Istanbul forderte 11 Tote.
Foto: imago/ZUMA Press

Was Frankreichs Innenminister kürzlich sagte, klang alles andere als beruhigend: Allein 2015 hätte sein Land elf weitere Male zum Opfer solcher Attentate wie der vom 13. November in Paris werden können, so Bernard Cazeneuve. Dass Polizei und Geheimdienste nicht alles verhindern können, zeigen nicht nur die schrecklichen Ereignisse von Paris und Istanbul. In anderen Teilen der Welt ist die Wahrscheinlichkeit von Terrorattacken noch größer. Und schon ein Blick auf die brutalen sexuellen Übergriffe und Diebstähle in der Silvesternacht zeigt, dass selbst innerdeutsche Reisen kein Hort der Bedenkenlosigkeit mehr sind.

Schwierig wird es jedoch bei der Frage, wie das Travel Management reagieren kann. Ein Verzicht auf Reisen nach Köln, Paris oder Istanbul wäre unsinnig, zumal heute keine Stadt der Welt mehr vor Terror und Gewalt gefeit scheinen. Bei neuen Umfragen sagten denn auch 90% der Travel Manager, der Terror habe keinerlei Einfluss auf sie – zumindest, was grundlegende Änderungen im Reiseverhalten angeht. Andere Punkte hingegen lassen sich durchaus verbessern: auch und gerade mit Blick darauf, was während und nach den Anschlägen in Paris passiert ist und wie mit der Flüchtlingskrise umgegangen wird.

Sicherheit auf Geschäftsreisen: Acht Tipps für Travel Manager

  1. Viele Länder des Schengen-Raums haben inzwischen wieder Grenzkontrollen eingeführt. Das kann zum einen im Straßen- und Bahnverkehr zu Wartezeiten führen, die man von vornherein einplanen sollte. Wenig betroffen ist hier der Flugverkehr. Zum anderen sollten Sie Ihre Reisenden darauf hinweisen, auch im Schengen-Raum nicht mehr ohne Ausweis unterwegs zu sein. Wie Teilnehmer der BME-Fachgruppe Travel berichteten, kommt es immer wieder zu Problemen, weil Business Traveller bestimmte Staaten ohne Ausweis nicht bereisen oder verlassen durften. Die Papiere mussten zum Teil schon kostspielig eingeflogen werden.
  2. Travel Manager sollten die Reisesicherheit „unbedingtvonsichausansprechen“,rät VDR-Präsident Dirk Gerdom. „Das Thema muss fest in den Unternehmen verankert werden und sich auch in den Reiserichtlinien wiederfinden.“ Aufgabe des Geschäftsreise-Veranwortlichen sei es, das Risikopotenzial von Reisen einzuschätzen „und dabei auch eng mit anderen Abteilungen, etwa Personal, zusammenzuarbeiten“. Und geht es in potenziell besonders risikoreiche Regionen, müsse in jedem Fall hinterfragt werden, ob der Trip wirklich ohne große Bedenken durchzuführen sei. Wichtig: die Lage permanent beobachten!
  3. Wer noch über kein Travel Risk Management verfügt, sollte spätestens jetzt über eine Einführung nachdenken. Dabei muss es sich keineswegs um ein hochkomplexes und teures Programm handeln. Von Experten als wichtig bezeichnete Bestandteile sind ein Tra-veller Tracking (Auffinden der Reisenden in Notsituationen), was oft schon von Reisebüros angeboten wird, sowie die Möglichkeit, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, etwa über Handy oder SMS. Gerade bei Terroranschlägen wie denen in Paris ist – anders als bei Kriegen oder Naturkatastrophen – das Telefon- und GPS-Netz nicht außer Kraft gesetzt, so dass Kommunikation möglich ist.
  4. Die Zuständigkeiten für den Fall einer Krise müssen klar geregelt und niedergeschrieben sein. „Bei Gefahr muss es jemanden geben, der sofort entscheiden kann, auch wenn es um sehr hohe Geldbeträge etwa für Evakuierungen geht“, so die BME-Fachgruppe. Ist dies nicht der Fall, geht in einer Notsituation wertvolle Zeit verloren. Legen Sie daher entsprechende Kompetenzen fest.
  5. Es sollte jemanden im Unternehmen (oder einen externen Partner) geben, der für die Geschäftsreisenden in Notfällen ständig erreichbar ist. Bei kleineren und mittleren Firmen betreuen oft die Travel Manager selbst eine solche 24-Stunden-Hotline.
  6. Bei Krisen wird nach wie vor sehr häufig evakuiert. Bei Terrorattacken ist dies nicht unbedingt die beste Lösung: Gerade Flughäfen, Bahnhöfe oder Züge können von Terroristen als Ziele für Folgeanschläge ausgesucht werden. Somit droht während der Evakuierung neue Gefahr. Sinnvoller kann es sein, Reisende stattdessen vor Ort in sichere Locations zu bringen. Sprechen Sie mit Ihren Kollegen darüber, dass dies ihrem Schutz dient, und bereiten Sie sich vor, auch ihre Angehörigen über den Sinn dieser Maßnahme aufzuklären.
  7. Sichere Orte bei Terrorgefahr sind in aller Regel nicht die großen Hotels, da sie als attraktive Anschlagsziele gelten. Auch wenn Airbnb-Apartments im Travel Management aus Datenschutz- und allgemeinen Sicherheitserwägungen heraus kritisch gesehen werden, können sie in solchen Fällen die bessere Wahl sein. Derartige sichere Locations in der Hinterhand zu haben, ist von großem Vorteil.
  8. In Unternehmen mit einem Security Management sollte das Travel Management spätestens jetzt Kontakte zu diesem knüpfen. Für den Fall der Fälle sollte man gemeinsam Pläne entwickeln. Wichtig sind zudem der Austausch und die Kooperation mit Geschäftsreise-Entscheidern anderer Firmen: Gerade im Mittelstand können gemeinsame Krisenkonzepte einfacher durchzusetzen sein, als wenn man alles allein machen will.
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