Für Unfälle und Krankheiten auf Dienstreisen haften Firmen. Wir sagen, welcher Schutz für Sie wichtig ist.
Ungebetene Gäste besuchten die Baustelle eines deutschen Unternehmens in Afrika: Speikobras und Königspythons zeigten Interesse an der Arbeit. Bevor die Freundschaft zu innig wurde, rief der Bauleiter bei der Notfallnummer seiner Reiseversicherung an – die richtige Entscheidung. Das Geschäft ist internationaler geworden, auch Mittelständler finden sich häufig an entlegenen Plätzen der Erde wieder. „Vor zehn Jahren konnte sich noch kein Angestellter eines Unternehmens, das mit zwei Ingenieuren begann und nun 400 Leute beschäftigt, vorstellen, nach Mosambik zu reisen“, sagt Andreas Krugmann, Key Account Manager beim Reiseversicherungsspezialisten Mondial Assistance (früher Elvia) und Dozent der VDR-Akademie: „Fabriken werden konstruiert, wo Ressourcen sind – das sind häufig nicht die Hauptstädte.“ Sondern Gebiete, in denen Gefahren lauern können.
Wann immer auf Geschäftsreise etwas „dazwischenkommt“, kann es fürs Unternehmen ernst werden. Und teuer. Denn der Arbeitgeber trägt die Fürsorgepflicht für auf Reisen geschickte Mitarbeiter (§ 17 SGB V, § 618 BGB). „Viele Unternehmen sind sich der Ernsthaftigkeit der Situation nicht bewusst“, sagt Marc-Oliver Kurpjuhn von der Hanse-Merkur. „Manchmal muss erst etwas passieren, damit man aufmerksam wird.“ „Der Arbeitgeber fungiert letztlich als Versicherer seiner Reisenden“, bringt es Krugmann auf den Punkt. Ob dieser sich seinerseits „rückversichert“, bleibt ihm selbst überlassen.
Doch Krankheit und Unfall im Ausland kommen nicht eben selten vor. Und sie schlagen kräftig zu Buche. Bereits eine akute Blinddarmentzündung kostet in den USA oder in Asien schnell 50.000 Dollar und mehr. „Das Zielland kann entscheidend dafür sein, welches Versicherungspaket gewählt werden sollte“, erklärt Kurpjuhn. „Gerade in den USA ist man schnell bei fünf- und sechsstelligen Beträgen.“ Auch ein Schlaganfall in Singapur kann die Millionen- Dollar-Grenze knacken.
Derartig schlimme Erkrankungen gibt es glücklicherweise selten, genau wie politische Unruhen und Naturkatastrophen. Relativ häufig hingegen geschehen kleine Malheure wie Diebstahl des Rechners, Verlust des Gepäcks oder Stürze im Hotel. Oder die typischen Erkrankungen: „Zu Durchfall und Übelkeit kommt es schnell, je nachdem wie vorsichtig der Reisende mit dem Essen ist“, sagt Kurpjuhn.
Häufiger werden zudem stressbedingte Krankheiten. „Es wird nicht mehr so entspannt gereist wie noch vor einigen Jahren. Eine Reise, die früher auf zwei bis drei Tage angesetzt wurde, muss heute an einem einzigen Tag erledigt sein“. Und: „Wegen der steigenden Terrorgefahr gibt es immer öfter Schäden im Bereich Travel Risk Management“, ergänzt der Hanse-Merkur-Manager.
Die Leistungen der Versicherer sind vielfältig und reichen weit über den bloßen Kranken- oder Unfallversicherungsschutz hinaus. Gefragt ist so genanntes Care Management als Komplettlösung, das „vor, während und nach der Reise greift“, wie Krugmann erläutert. Beispiel Mondial: „Bei der Reisevorbereitung helfen wir mit Informationen oder Trainings: Wie sieht es im Reiseland aus? Wie sind die kulturellen Gepflogenheiten? Ist der Stadtteil, in dem ich beschäftigt bin, besonders gefährlich?“ Wettbewerber Europäische stellt mit der Software Company Vip Länder- und Sicherheitsinfos bereit. „Wer will, kann sich hier auch Kultur- und Restauranttipps holen“, sagt Thomas Bartels, Leiter Firmenkunden. „Wettervorhersagen und Warnungen sind selbstverständlich.“
Während der Reise stellen die Versicherer eine 24-Stunden-Notruf-Nummer bereit. Kurpjuhn: „Bei ernsthaften Zwischenfällen kümmern wir uns auch um Such-, Rettungs- und Bergungsdienste.“ Auf eine Gefahr weisen Branchenexperten hin: In der Krise scheint es verlockend, auch bei Versicherungen zu sparen. Doch gerade das kann teuer werden. Zumal sich Firmen in der Regel selbst zusammenstellen können, welche Leistungen sie wirklich benötigen – und nur dafür bezahlen. Entscheidend ist das Reiseverhalten: „Eine Baustelle in Kiew ist gefährlicher als das Plaza-Hotel in New York“, so Krugmann. Und abgerechnet wird, beispielsweise bei Hanse-Merkur, taggenau.