Reisewarnungen

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Was sie wirklich bedeuten

Was bedeuten die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes? Welche Folgen haben sie für Unternehmen? Und wie sehen es andere Staaten? Der große BizTravel-Sicherheitsreport.

von Oliver Graue, 01.03.2017, 11:30 Uhr

Wenn der kleine Tiger und der kleine Bär über Panama sprechen, dann entsteht der Eindruck, als sei der kleine mittelamerikanische Staat das Paradies schlechthin. Mindestens jedoch so harmlos wie Bullerbü. Und tatsächlich gehört Panama zu den sichersten Ländern der Region – doch so ganz ohne ist es nicht. In seinen Sicherheitshinweisen jedenfalls warnt das deutsche Auswärtige Amt vor Gewaltkriminalität in einigen Teilen der Hauptstadt, und wer mit dem Kreuzfahrtschiff in Colon anlegt, er sollte keinesfalls auf eigene Faust die Stadt und das Hafengelände erkunden.

Ohne Frage, vor terroristischen Anschlägen ist man heute nirgends mehr sicher. Diese können in Paris geschehen ebenso wie in Brüssel, Istanbul, Berlin und selbst im beschaulichen Ansbach. Was andere Formen der Kriminalität angeht, gibt es allerdings deutliche Unterschiede auf der Welt. Ob Raubüberfall, Entführung, Mord oder Taschendiebstahl: Auf seiner Website gibt das Auswärtige Amt Sicherheitshinweise zu jedem Land. Gleiches gilt bei inneren Unruhen oder Kriegen. Für Travel Manager und Geschäftsreisende sind diese Hinweise eine wertvolle und wichtige Quelle: Sie bekommen nicht nur einen groben Einblick in die Sicherheitslage eines Geschäftsreiseziels. Dringend sollten sie sich überdies an den Reisewarnungen orientieren – diese haben konkrete Folgen für den Versicherungsschutz während der Dienstreise. Doch zunächst der Reihe nach.

Die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sollten genau gelesen werden, allein schon wegen der Wortwahl. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob die Behörde auf „besondere Risiken“ im Zielland aufmerksam macht, ob sie „empfiehlt, auf Reisen zu verzichten“, ob sie „von nicht unbedingt erforderlichen“ oder „von allen Reisen abrät“ – oder ob sie sogar „besonders dringend“ an Reisende appelliert, Trips in ein Land oder eine Region zu unterlassen. In diesem Fall handelt es sich um eine Reisewarnung: Sie wird ausgesprochen, wenn eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht.

Probleme mit Versicherungen

Schicken Unternehmen dennoch Reisende in eine solche Region, dann kann dies – abgesehen natürlich von der Lebensgefahr für die Mitarbeiter – auch finanzielle Folgen für den Arbeitgeber haben. Denn sollte den Beschäftigten unterwegs etwas zustoßen, besteht in der Regel kein Schutz seitens der Reiseversicherung. Dies gilt jedenfalls, wenn zum Zeitpunkt der Einreise eine explizite Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes bestand, erklärt der Allianz-Manager Andreas Schneider.

Befindet sich der Versicherte zum Zeitpunkt der Bekanntgabe einer solchen Warnung bereits vor Ort, „so endet der Versicherungsschutz 14 Tage danach“ – es sei denn, die Ausreise aus dem Land ist aus Gründen, die der Business Traveller nicht zu vertreten hat, unmöglich. Manche Anbieter bieten auch spezielle Policen für Gebiete mit Reisewarnungen an. „Es kommt daher auf den jeweiligen Vertrag an, ob Reisewarnungen einen Ausschlussgrund im Leistungsfall darstellen oder nicht“, sagt Christin Beeck von der Hanse-Merkur.

Dabei hält sich das deutsche Auswärtige Amt – jedenfalls im Vergleich zu vielen anderen Regierungen – sehr zurück mit seinen Reisewarnungen. Vor lediglich acht Staaten wird derzeit komplett gewarnt. Momentan (Stand: Mitte Februar 2017) handelt es sich dabei um die von schweren Kriegen betroffenen Länder Afghanistan, Libyen, Irak, Jemen, Somalia, Südsudan, Syrien und Zentralafrikanische Republik. Gambia wurde zurückgenommen.

Darüber hinaus spricht die Behörde Teilreisewarnungen aus: Bestimmte Gebiete des betreffenden Landes sollten die Reisenden dann dringend meiden, während in anderen Regionen das Risiko geringer ist oder gar nicht besteht. Derartige Hinweise gibt es derzeit für knapp 20 Staaten. In der Ukraine etwa sind die östlichen Landesteile betroffen, in denen russische Separatisten gegen die Armee kämpfen, in Ägypten ist es der Nord-Sinai, in Nigeria der von islamistischen Terroristen bedrohte Norden, in Pakistan der Nordwesten, und in Eritrea sind es die Grenzgebiete.

Spannend wird es, wenn man die Warnungen des Auswärtigen Amtes mit denen ausländischer Behörden oder privater Dienstleister vergleicht. Zwar stimmt das österreichische Ministerium für Europa, Integration und Äußeres weitgehend mit den Empfehlungen aus Deutschland überein. Doch zusätzliche Länderwarnungen gelten für Mali, Mauretanien und Niger. Auch die Zahl der Teilreisewarnungen ist leicht höher. Insgesamt teilt Österreich die Gefahrenlagen in sechs Stufen ein, von Stufe 1 (guter Sicherheitsstandard wie in Österreich) bis Stufe 5 (Teilreisewarnung) und Stufe 6 (Reisewarnung).

Stufenmodell in Österreich

Während sich Letztere beide eher auf Gefahren durch Krieg oder Bürgerkrieg beziehen, geben bei Stufe 4 (von Reisen wird abgeraten) gewalttätige Auseinandersetzungen und Terrorgefahr den Ausschlag. Stufe 3 ist identisch mit Stufe 4, bezieht sich jedoch nur auf Landesteile und nicht das gesamte Land. In Stufe 2 (Hinweis auf erhöhtes Sicherheitsrisiko) fallen solche Staaten, in denen Straßenraub, Überfälle auch tagsüber oder gewalttätige Demonstrationen an der Tagesordnung sind. Auch Umwelt- und Naturkatastrophen gehören in diese Rubrik. Die Schweiz wiederum unterscheidet sich fast nur in der Wortwahl: Statt „gewarnt“ wird hier „abgeraten“. Gemeint ist am Ende jedoch dasselbe.

USA: Travel Alerts

Für die US-amerikanische Regierung gelten derzeit fast 50 Staaten als riskant – allerdings setzt Washington die Maßstäbe für eine Reisewarnung auch deutlich niedriger an als Berlin. Die sogenannten Travel Warnings gelten als eher langfristig und unspezifisch.

Als Ganzes gewarnt wird beispielsweise vor der Türkei, vor Nordkorea, Saudi-Arabien, Israel, Mexiko, Kolumbien und etlichen afrikanischen Staaten. Bis auf die Länder des schwarzen Kontinents belässt es Deutschland hier sehr häufig bei Empfehlungen oder dem grundsätzlichen Rat, von der Reise abzusehen. Allerdings: Zusätzlich zu den Travel Warnings verbreiten die USA Travel Alerts – immer dann, wenn für US-Bürger eine konkrete Bedrohung in einem Land existiert.

Ausführlicher, was Teilreisewarnungen angeht, zeigt sich Großbritannien. Bei mehr als 50 Staaten werden spezielle Gebiete aufgeführt, die britische Reisende meiden sollten. Bei den Gesamt-Reisewarnungen geht London konform mit Berlin – mit Ausnahme von Afghanistan, wo die Briten nur von bestimmten Regionen abraten.

Der private Sicherheitsdienst Control Risks kennzeichnet auf seiner Krisenweltkarte für 2017 entsprechende Staaten mit einem „E“, was für ein „extrem hohes Reiserisiko“ steht.

Mehrere Quellen befragen

Bis auf wenige Zusätze stimmt Control Risks mit dem Auswärtigen Amt grundsätzlich überein: Zu den acht Staaten, vor denen die Bundesregierung warnt, gesellen sich noch Mali sowie Teile von Nigeria, Ägypten, der Ukraine, der DR Kongo und von Pakistan. Für diese jedoch spricht auch das Auswärtige Amt Teilwarnungen aus – ebenso für Mali. Andere Gebiete, vor denen Berlin warnt, tragen bei Control Risks „nur“ das Siegel „hohes Risiko“. Dazu gehören Regionen in Malis Nachbarstaat Mauretanien, in Kamerun, Eritrea, im Libanon, in Algerien, in Niger, im Tschad und in Burkina Faso.

Auch wenn keine förmlichen Reisewarnungen existieren, so sollten Unternehmen bei kritischen Zielen möglichst viele Quellen zu Rate ziehen. Für wen sich ein privater Anbieter von Sicherheitsleistungen nicht lohnt, der kann sich zumindest die Hinweise der verschiedensten Regierungen durchlesen, außer der deutschen also auch jener aus Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Da manche Branchenbeobachter den Regierungsbehörden vorwerfen, sich bei einigen Sicherheitshinweisen politisch steuern zu lassen, gewinnt man auf diese Art einen neutraleren Blick auf die Sache.

Hinzu kommt: Aus geografischen oder historischen Gründen sind einige Staaten besser über die Lage in manchen Krisenregionen informiert als andere. Bei Afrika zum Beispiel gelten die einstigen Kolonialstaaten Frankreich und Belgien als besonders gut unterrichtet, und bei Südamerika dürften sowohl Spanier und Portugiesen als auch Nordamerikaner ein gutes Bild haben.

Keine Aussagen machen die Regierungsbehörden dazu, welche Länder als besonders sicher gelten. Das würde ihre Neutralität verletzen. Weitgehend einig sind sich private Sicherheitsanbieter jedenfalls bei diesen Staaten: Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Österreich, Schweiz und Slowenien. Und auch „klein“ bedeutet oft – aber nicht immer – „sicher“.

Allerdings führen die wenigsten Geschäftsreisen nach Andorra, San Marino, Vatikan, Liechtenstein, Luxemburg, auf die Kapverden oder in die Südsee nach Tuvalu, Kiribati oder Nauru. Schade eigentlich.

Eine Übersicht aller Reisewarnungen finden Sie auf::

go.biztravel.de/btwarnung

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