Kommentieren

Risiken auf Geschäftsreise

23.05.2007, 14:00 Uhr

Grob fahrlässig

von Oliver Graue

Neue Studien zeigen, dass Gefahren im Ausland von vielen Unternehmen dramatisch unterschätzt werden. Der Versicherungsschutz fehlt ebenso wie ein Notfallplan.

Die Gefahr kommt oft unerwartet: Überfall auf einen Reisenden.
Foto: Avenue Images

Erstmals führten Elvia und die niedersächsische Universität eine große Umfrage unter Travel Managern durch. Ergebnis: Zwar sagen 81 Prozent der Befragten, dass nicht nur in Krisengebieten Gefahren lauern. Zugleich jedoch sehen vor allem Mittelständler in ihrem Versicherungsschutz noch große Lücken Auch denken sie, dass Kosteneinsparungen zu Lasten der Sicherheit gehen.

Laut einer Studie der Business-Travel-Organisation Acte spielt international das Thema Sicherheit für die Reisemanager jedoch eine immer größere Rolle: Mit 81 Prozent steht es vor den Kosteneinsparungen (77 Prozent). Lücken klaffen zwischen Sicherheitsempfinden einerseits und tatsächlichen Risiken andererseits. So werden Entführung, Krankheit und Tod auf Dienstreise, Krieg, Naturkatastrophen, Überfall und Unfall als eher unwahrscheinlich eingeschätzt.

Die Nachfrage offenbarte das Dilemma. Als die Elvia Reiseversicherung und die Universität Lüneburg von den Geschäftsreiseplanern wissen wollten, ob bei Mitarbeitern auf Reisen schon einmal unvorhergesehene Probleme auftauchten, bejahten dies fast 80 Prozent. Und das, obwohl zuvor 77 Prozent der Travel Manager erklärten, ihre Mitarbeiter fühlten sich unterwegs sicher. Für Elvia-Manager Andreas Krugmann zeigt diese Diskrepanz, dass die Gefahren im Ausland von vielen Unternehmen nach wie vor unterschätzt werden.

14.000 Entführungen

Tatsächlich aber sind die Mitarbeiter relativ oft davon betroffen. Notfallpläne gibt es aber nur in 40 Prozent der Betriebe. Offenbar fehlt auch das Bewusstsein für die Gefahren, was auch daran liegt, dass nur spektakuläre Geiselnahmen Schlagzeilen machen. Die Zahlen sprechen für sich: Über 14.000 Menschen wurden 2006 Opfer von Entführungen. Bei Gefahr müssen die Mitarbeiter sofort lokalisiert werden können. Das passiert jedoch kaum, auch wenn es eine Aufgabe des Travel Managers ist. Ebenso wie die Sorge für ausreichenden Versicherungsschutz. Besteht dieser nicht, kann schon ein Herzinfarkt in den USA riesige Löcher in den Firmenetat reißen: Die Therapie kostet dort schnell eine Million US-Dollar.

Teilen Sie diesen Artikel (Hilfe): Social Bookmarks

Art des Reisens

Wie reist ein Ballett?

Für ein Gastspiel in den USA hätten beinah alle Mitarbeiter des Hamburg Ballett nach Berlin fahren müssen: Wer ein Arbeitsvisum für die USA benötigt, muss in der Botschaft vorsprechen. Nur mit viel Geschick konnte man einen Konsul überreden, stattdessen nach Hamburg zu kommen. mehr

 
© 2012 Verlag Dieter Niedecken GmbH, Alle Rechte vorbehalten