Ryanair-Rabatte

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Massive Kritik an Fraport

Mit Rabatten hat der Frankfurter Flughafen den Billigheimer angelockt. Nun fordern auch die anderen Fluggesellschaften Preisnachlässe. Hat sich das Fraport-Management verspekuliert?

von Oliver Graue, 03.11.2016, 08:56 Uhr
Geiz ist geil – abgesehen davon, dass er gesamte Branchen zerstört: Der irische Billigflieger Ryanair will auch in Frankfurt starten.
Foto: Fraport

Auch der Frankfurter Flughafen, der bislang immer seine Service-Qualität betont hatte, setzt nun auf „billig“. Wie berichtet stationiert der irische Billigflieger Ryanair künftig zwei Maschinen am Fraport. Angeflogen werden zunächst zwar nur wenige Ziele wie Mallorca oder Alicante, doch auch diese werden ab Frankfurt bereits von Condor, TUIfly und Lufthansa angeboten. Und sollte der großspurig auftretende Billigheimer erfolgreich sein, sollen weitere Strecken folgen.

In der Kritik steht denn auch vor allem die Art und Weise, mit der der Frankfurter Flughafen die Iren angelockt hat – nämlich mit Rabatten auf die Flughafengebühren. Die langjährigen Kunden wie Lufthansa, die dem Fraport überhaupt erst den Aufstieg zur jetzigen Größe ermöglicht haben, sehen darin eine klare Benachteiligung für sich. Eine Kritik, der sich nun auch das das Board of Airline Representatives (BARIG) angeschlossen hat, das mehr als 100 Airlines vertritt.

Airline-Verbände fordert Gleichbehandlung

Es fordert vom Frankfurter Flughafen, zum Prinzip der Gleichbehandlung aller Kunden zurückzukehren. „Frankfurt gehört nachweislich zu den mit Abstand teuersten Flughäfen in ganz Europa“, sagt BARIG-Generalsekretär Michael Hoppe. „Die sehr hohe Gebührenlast führt dazu, dass viele Fluggesellschaften die Wirtschaftlichkeit ihrer Frankfurt-Verbindungen überprüfen müssen.“

Dass ausgerechnet der Billigheimer Ryanair, dem Experten eine große Mitschuld an den Problemen in der Luftfahrtbranche geben, bevorzugt werde, sehen sie als Schlag ins Gesicht der treuen Fraport-Kunden. Daher müsse Fraport dieselben Rabatte nun auch ihnen gewähren.

Michael Hoppe süffisant: „Wenn mit Ryanair eine Airline nach Frankfurt gelockt wird, die nachweislich besonders kostensensibel ist, scheint es hier offensichtlich Spielräume zu geben. Davon müssen ohne Einschränkung auch alle anderen Fluggesellschaften am Standort profitieren. Für sie erwarten wir daher schon bald die entsprechende Entlastung.“

Ins selbe Horn bläst auch der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF). Er kritisiert. dass dem Billigheimer „mit ungleichen Vorzugsbedingungen der rote Teppich ausgerollt wird“. Heftige Kritik am Flughafenbetreiber übt auch Condor-Chef Ralf Teckentrup. Die eingeräumten Rabatte seien „schlicht unfairer Wettbewerb zulasten deutscher Airlines“.

Nur noch Lada statt Porsche

Auch politisch sorgt das Vorgehen von Fraport-Chef Stefan Schulte für Streit innerhalb der schwarz-grünen Koalition in Hessen. „Der Frankfurter Flughafen gesteht damit ein, dass seine Prognosen zur Entwicklung und Marktpositionierung falsch waren“, sagt Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner: „Gestern wollte Fraport der Porsche unter den Flughäfen sein, heute ist man mit einem Lada zufrieden.“

Bislang habe der Flughafen massiv eine neue Landebahn mit dem Argument gefordert, die steigende Nachfrage der Airline-Kunden mache diese nötig. Nun feierte man sich aber dafür, dass man überhaupt und mit viel Mühe einen Kunden gefunden habe, der das neue Angebot auch nutzen wolle. Die neue Geschäftspolitik von Fraport entlarve die „Ausbaulüge“, zeigen sich auch die Linken überzeugt: Erst habe man vehement den Bau von Nordwestlandebahn und des Terminals 3 durchgesetzt, jetzt müssten Billigflieger bei der Auslastung helfen.

Ermöglicht ein Grüner Billigflüge?

CDU und FDP halten das Anlocken der Geiz-Iren hingegen für richtig; und auch Schulte spricht im Zusammenhang mit den geplanten Nachlässen von einem Vorgehen „im international üblichen Rahmen“. Die SPD verweist darauf, dass mit Verkehrsminister Tarek Al-Wazir nun ausgerechnet ein Grüner „dafür sorgt, dass man künftig für 9,99 Euro nach Mallorca fliegen kann“. Bislang sei die Öko-Partei eher für Kritik am zunehmenden Flugverkehr bekannt gewesen – nun fördere sie ihn in seiner radikalsten Form.

Nun hoffen die Kritiker allerdings genau auf Al-Wazir – denn die endgültige Genehmigung des Fraport-Vorgehens steht noch aus. Das beantragte „wettbewerbsverzerrende Subventionierungsmodell“ der Fraport könne so keinesfalls genehmigt werden, zeigt sich Condor-Chef Teckentrup überzeugt. Immerhin müssten die Airlines die Flughafengebühren als Teil des Ticketpreises direkt von den Kunden einziehen – damit würden automatisch jene diskriminiert, die mehr an den Airport zahlen müssten.

Hoffen auf Verkehrsminister

Und sehr deutlich wird auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Er könne sich nicht vorstellen, dass das hessische Verkehrsministerium als Aufsicht unterschiedliche Gebühren genehmigen werde, sagt Spohr. Anderenfalls werde Lufthansa künftig nur die niedrigeren Ryanair-Gebühren an Fraport überweisen. (OG)

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