Wirtschaftsspionage verursacht Schäden in Milliardenhöhe. Doch Unternehmen sind nicht nur in Deutschland selbst gefährdet, auch auf Geschäftsreisen lauern die Datendiebe. Lesen Sie, wie Reisende sich und ihre Informationen schützen können.
Die Zahlen sind erschreckend: Zwei Drittel aller deutschen Unternehmen sind laut einer aktuellen Umfrage des Allensbacher Instituts schon einmal Opfer von Hacker-Angriffen geworden. Bei 15 Prozent der Firmen kommt es sogar häufig zu solchen Cyper-Attacken, 20 Prozent berichten von gelegentlichen virtuellen Angriffen, bei 29 Prozent der befragten Unternehmen ist dies eher selten der Fall.
Dabei versuchen die privaten wie staatlichen Datendiebe aber nicht nur über das Internet in die Computersysteme der Unternehmen einzudringen. Der Informationsklau droht auch auf Geschäftsreise. Gerade hier wird es den Kriminellen oft sehr leicht gemacht.
„Der Umgang selbst mit sensiblen Daten ist auf Reisen oft sehr fahrlässig“, hat Unternehmensberaterin und IT-Security-Managerin Alexandra Klawonn festgestellt. Das beginnt bereits bei der Menge der mitgenommenen Unterlagen. In der Regel gehen viel zu viel Informationen zu wenig geschützt mit auf Dienstfahrt. Insbesondere dann, wenn die Mitarbeiter ihr Firmen-Notebook dabeihaben. „Nehmen sie wirklich nur die absolut notwendigen Informationen mit“, rät Christian Schaaf, Geschäftsführer der Sicherheitsberatung Corporate Trust aus München.
Um zu verhindern, dass zu viele wichtige Daten das Unternehmen via Laptop verlassen, empfehlen Klawonn und Schaaf gleichermaßen, möglichst nur spezielle Reise-Notebooks einzusetzen, auf denen sich lediglich Basisprogramme befinden, um unterwegs arbeiten zu können. „Nach der Rückkehr sollten diese Geräte auf keinen Fall an das Firmennetzwerk angeschlossen werden“, sagt Klawonn. Cyber-Kriminelle könnten unbemerkt Viren und andere Schadprogramme auf den Rechner aufgespielt haben.
Wer zudem glaubt, man könne einen Laptop mit geheimen Daten, nachdem man die Festplatte gelöscht und alle Programme neu aufgespielt hat, ohne Bedenken auf Reisen einsetzen, der irrt. Klawonn: „Das einmalige Löschen der alten Inhalte bringt oft nichts. Mitunter muss man die Festplatte bis zu 20 Mal säubern, um Programme wirklich zu vernichten.“
Meiden sollten Reisende, die von unterwegs ihren E-Mail-Account via Notebook oder Smartphone einsehen wollen, öffentliche Hotspots. „Da kann praktisch jeder mitlesen“, sagt Klawonn. Gerade staatliche Daten-Spione würden sich über die örtlichen Provider in die scheinbar passwortgeschützte Kommunikation einklinken und eifrig mitlesen. Selbst https-Verbindungen bieten keine Sicherheit. Die garantieren nur sogenannte Virtuell Private Networks (VPN). Doch deren Nutzung wird zum Beispiel in China gestört.
Wer sein Unternehmen vor Datenklau bewahren will, sollte aber nicht nur mit seinen mobilen Endgeräten sorgsam umgehen, diese mit spezieller Software verschlüsseln und auf Reisen möglichst nicht aus den Augen lassen. Er sollte sich auch überlegen, wen er vorher alles über seine Reisen informiert.
Sonst kann es ihm ergehen wie dem Mitarbeiter einer deutschen Firma, der seine Reise über ein Social Network breit angekündigt hatte. Während seiner Abwesenheit tauchte dann ein Unbekannter am Firmensitz auf und erklärte, eben jener Geschäftsreisende habe ihn beauftragt, den Drucker zur Wartung abzuholen. Verdacht schöpfte niemand. Und so verschwand das Gerät. Darauf gespeichert waren zahlreiche Vertrags- und sonstige Unterlagen.