Sharing Economy

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Auswirkungen auf das Travel Management

Die Sharing Economy boomt. Doch ob der Trend zum Teilen sich auch für Geschäftsreisen eignet, ist umstritten. Vor allem Fragen der Sicherheit und des Datenschutzes gelten als ungelöst.

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von Martin Jürs, Oliver Graue, 29.04.2015, 09:00 Uhr
Wohnen bei privat? Im Travel Management umstritten.
Foto: Thinkstock

Welch Rückschlag für Uber! Das Landgericht Frankfurt hat dem Taxi-Konkurrenten verboten, hierzulande Fahrten zu vermitteln, bei denen die Fahrer über keine Erlaubnis zur Personenbeförderung verfügen. Damit steht das zentrale Geschäftsmodell des US-Konzern in Deutschland zur Disposition. An der allgemeinen Dynamik der Sharing Economy, zu der Uber zählt, ändert dass aber nichts. Die bleibt beeindruckend. So hat Uber allein im vergangenen Jahr 140 Mill. Fahrten vermittelt. Die Marktbewertung des Unternehmens liegt bei 38 Mrd. Euro – ein unvorstellbar hoher Betrag für eine schlichte App. Deutschlands größter Mietwagenanbieter Sixt kommt im Vergleich dazu auf bescheidene 1,5 Mrd. Euro. Auf dem Sharing-Portal Airbnb sind inzwischen 1,0 Mill. private Unterkünfte gelistet. Damit übertrifft die Plattform die Angebote des weltweit führenden Hotelportals Booking.com deutlich: Dort finden sich „nur“ 608.000 Unterkünfte. Immer mehr Investoren stecken ihr Geld daher in Firmen wie Airbnb und Uber, weil sie sich hohe Profite erhoffen.

Sharing Economy im Firmengeschäft

Und: Nach ihrem Erfolg bei den Privaturlaubern drängen viele Anbieter nun ins Geschäftsreisesegment. Airbnb etwa hat eine spezielle Business-Travel-Seite freigeschaltet, der deutsche Wettbewerber Wimdu positioniert sich gezielt als „Städte-Experte“ – auch, um Dienstreisende anzusprechen. Doch sind derartige Produkte überhaupt geeignet für Firmenkunden? Beim baden-württembergischen Lackieranlagenbauer Dürr bejaht man diese Frage. Dessen Mitarbeiter dürfen seit einiger Zeit für ihre Dienstfahrten offiziell Airbnb nutzen und in privaten Apartments und Wohnungen übernachten.

Eine Möglichkeit, von der Dürr-Travel-Manager Marcus Scholz selbst Gebrauch macht. Er outete sich bei den ITB Business Travel Days als Fan der Sharing Economy. So hatte er für seinen Messebesuch Anfang März via Airbnb ein Apartment in Berlin gemietet und war nicht wie sonst in einem Hotel abgestiegen. „Statt 120 Euro habe ich nur 43 Euro die Nacht bezahlt“, erzählte Scholz. Angesichts solch einer Differenz erübrige sich jede Debatte um die Vorteile des Vorsteuerabzugs, den nur Hotels, nicht aber die privaten Apartments bieten, so Scholz.

Damit dürfte er einen zentralen Punkt angesprochen haben: Es geht um mögliche Einsparungen. Schließlich sind die über Plattformen wie Airbnb vermittelten Produkte oft billiger als die der klassischen Anbieter.

Foto: BizTravel

Firmeninterna sind ungeschützt

Doch das Kostenargument zieht nicht bei allen Firmen. Wesentlich reservierter gegenüber der Sharing Economy verhält sich DATEV. Inge Pirner, Travel Managerin des IT-Spezialisten sieht vor allem rechtliche Probleme bei der Nutzung von Sharing Services. Die mögliche Weitergabe persönlicher Daten der Nutzer zum Beispiel bei Airbnb hält sie für nicht vereinbar mit dem Datenschutz. Zumindest mit Blick auf die strengen Vorgaben im eigenen Unternehmen sei das ein „No-Go“, sagt Inge Pirner.

Doch es geht nicht nur um die Sicherheit persönlicher Daten, sondern auch um den Schutz von Firmeninterna. „Private W-LAN-Netze sind in aller Regel nicht so gut geschützt wie die Netzwerke in den Hotels“, gibt Rechtsanwalt Professor Hans-Josef Vogel zu bedenken. Der E-Mail-Verkehr in Privatunterkünften lasse sich viel leichter mitschneiden.

Dürr-Manager Scholz teilt diese Sorgen nur bedingt. „Der Datenschutz wird überstrapaziert“, hält der Manager dagegen. Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es sowieso nicht. Wolle man diese gewährleisten, „dann dürften wir gar nicht mehr reisen“, sagt Scholz. Datenklau finde zudem auch in Hotels statt.

 
 
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