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Sharing-Angebote von Geschäftsreisenden bisher kaum genutzt

Ungeklärt sind allerdings auch Fragen des Brandschutzes und der Sicherheit. Während Hotels hier strengen Vorschriften nachkommen müssen, ist dies bei privaten Vermietern nicht der Fall. Ähnliches gilt, wenn man schmutzige oder gar unhygienische Apartments auffindet. Gewährleistungsrechte gegenüber dem Portal bestehen nicht. Airbnb-Manager wie Marc McCabe verweisen denn auch auf die Gästebewertungen und darauf, dass jeder Vermieter selbst größtes Interesse daran habe, alle Kriterien zu erfüllen: „Es geht um Reputation. Die Anbieter wollen schließlich weitere Kunden finden“, sagt der fürs Geschäftsreisesegment verantwortliche Manager.

Wimdu-Geschäftsführer Arne Kahlke versichert überdies, die Angebote persönlich vor Ort und durch Mystery-Checks zu prüfen. „Die reinen Couchsurfer nehmen ab“, so Kahlke: „Immer mehr Gäste legen Wert auf Qualität und Zuverlässigkeit.“ Dass die Sharing-Angebote bislang kaum von Geschäftsreisenden in Anspruch genommen würden, räumt er ein.

Das liegt auch daran, dass sich die Angebote derzeit nur schwer in den klassischen Buchungsprozess im Travel Management einbinden lassen. Zu den ersten IT-Anbietern, die zumindest zu Airbnb und Uber verlinken, gehört der von SAP gekaufte Dienstleister Concur. „Die Nachfrage nach Privatunterkünften steigt auch bei den Geschäftsreisenden, das können wir nicht ignorieren“, sagt Concur-Europa-Chef Scott Torrey. Die Buchung über die TripLink-Funktion von Concur garantiere den Travel Managern zumindest in einem Punkt Sicherheit: „Da die Daten in den Buchungsprozess einfließen, wissen sie im Notfall, wo sich ihre Reisenden aufhalten“, so Torrey. In Deutschland soll TripLink Mitte des Jahres eingeführt werden.  

Sharing Economy: Anbieter

Carsharing: Vergleichsweise etabliert haben sich in Europa Anbieter wie Car2Go, Drive Now, Flinkster, Stadtmobil, Cambio oder Greenwheels. Mitunter stecken die klassischen Mietwagenfirmen oder Autohersteller selbst dahinter.

Unterkünfte: Internationaler Marktführer ist der US-Konzern Airbnb, der bereits 30 Mill. Buchungen zählt. Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören die deutschen Portale 9flats und Wimdu, aber auch Travelmob (Asien) oder Bedycasa (Frankreich).

Taxi-Dienste: Sie sind weltweit die umstrittensten Sharing-Anbieter und in vielen Staaten und Städten denn auch verboten. Am bekanntesten sind Uber und Lyft (USA), Wundercar (Deutschland) und Bla Bla Car (Frankreich).

Andere Dienstleistungen: Privatwagen anderer Menschen lassen sich etwa über Relay Rides oder Flight Car (speziell am Airport) mieten; nur an Frauen wendet sich She Taxis. Parkplätze vor Privatwohnungen bietet Parking Panda; und Tischgenossen finden sich unter Tabl.

Concur verlinkt zu Anbietern

Auf Skepsis stoßen die Sharing-Vertreter jedoch bei den etablierten Anbietern. Claudia Unger, die für BCD Travel ein Thesenpapier zu diesem Thema verfasst hat, sieht hier einen „Nischenmarkt“. Die Angebote eigneten sich für Langzeitaufenthalte, da die Apartments über Küchenzeile und Waschmöglichkeiten verfügten: „Das macht es dem Reisenden einfacher, und die Firmen sparen Geld.“ Die Zielgruppe sei aber klein. Bei der Studie kam zudem heraus, dass die meisten Geschäftsreisenden nach wie vor Hotels mit Frühstück und anderem Service bevorzugten.

Georgios Ganitis, Europa-Chef des Serviced-Apartments-Anbieters Adina, zeigt sich zumindest unbesorgt, was seine Kundschaft angeht. „Ich selbst bin Fan der Sharing Economy und überlege derzeit, wie ich unseren Gästen etwa Carsharing anbieten kann“, sagt er. „Durch Airbnb bekommen eher die Billighotels Konkurrenz.“ Mittelfristig würden die Sharing-Economy-Anbieter zu normalen Unterkunftsvermittlern werden wie HRS oder Booking.com. Aufzuhalten seien die neuen US-Konzerne jedenfalls nicht.

Das allerdings sieht Olivia Byrne, Besitzerin des Eccleston Square Hotels in London, ganz anders. Sie kritisierte bei einer CWT-Podiumsdiskussion in London, dass zwischen Hotels und Airbnb „kein fairer Wettbewerb“ herrsche. Während Hotels streng reguliert seien, strikte Auflagen erfüllen müssten und hohe Steuern zahlten, dürften die Privatanbieter machen, was sie wollen. Auch in Sachen Feuerschutz würden Hotels streng kontrolliert. „Reisende sollten sich dessen bewusst sein, was sie auf Seiten wie Airbnb buchen“, warnt Byrne.

Bei allen Problemen: Langfristig könnten sich die Unternehmen der Sharing Economy nicht verweigern, gibt sich Marina Hegemann, Chefin des App-Entwicklers Touristmobile, überzeugt. Dies ging schon deshalb nicht, weil die junge Generation mit diesen Dienstleistungen aufwachse und sie nicht nur privat, sondern später auch beruflich nutzen wolle. Unternehmen müssten sich überlegen, wie sie diese neu- en Services in ihre Reiserichtlinien intelligent einbauten. Ein Nachteil müsse das nicht sein.

Travel Manager sind skeptisch

Noch herrscht bei den europäischen Travel Managern Skepsis gegenüber der profitstarken Teilungswirtschaft vor. So ergab die jüngste VDR-Geschäftsreiseanalyse, dass bei 50 Prozent aller Unternehmen sogar Carsharing-Angebote nicht erlaubt sind – Airbnb und Uber erlauben nur 30 Prozent. „Nicht vom Hype verrückt machen lassen“, rät auch BME-Mann Carsten Knauer. „Und integrieren nur, wenn es auch prozess- und richtlinienkonform möglich ist. Ansonsten: nicht zulassen und den Mitarbeitern sagen, dass nicht gezahlt wird.“

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