Sharing Economy für Geschäftsreisen

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Teilen Sie schon?

Taugen Angebote wie Airbnb oder Uber auch für Geschäftsreisen? Klare Antwort: höchstens sehr bedingt. Ein Interview mit dem BME-Business-Travel-Experten Carsten Knauer.

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von Oliver Graue, 15.09.2017, 07:05 Uhr
Carsten Knauer
Foto: Privat

Sharen Sie schon – oder wohnen Sie noch? Oder besser gefragt: Ist es Ihren Mitarbeitern gestattet, anstelle klassischer Hotels auch Angebote der sogenannten Sharing Economy zu buchen, also Privatwohnungen? Und dürfen sie außerhalb Deutschlands statt des Taxis auch Mitfahrgelegenheiten wie Uber nutzen (bei uns verboten)? Bei Privatreisen wird längst „geteilt“. Mit den bekannten positiven Folgen (mal direkt den Mitmenschen und sein Haus kennenlernen), aber auch mit den negativen Konsequenzen: Wohnungsmangel und steigende Mietpreise, weil lieber nächteweise an Urlauber statt dauerhaft an Bewohner vermietet wird.

Diskutiert wird die Sharing Economy aber auch im Geschäftsreisebereich. Konzerne wie Airbnb würden gern auch die attraktive Klientel der Firmenkunden abschöpfen. Die meisten Unternehmen verbieten ihren Reisenden zwar die Nutzung derartiger Angebote (bis auf Carsharing) – doch manche Mitarbeiter buchen dann eben an den Reiserichtlinien vorbei. BizTravel hat mit Carsten Knauer darüber gesprochen, wie Firmen mit dem Thema am besten umgehen. Knauer leitet seit zehn Jahren die Fachgruppe Travel Management im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern gestatten, Angebote wie Airbnb zu nutzen?

Für Arbeitgeber in Deutschland gilt eine gesetzliche Fürsorgepflicht, die sich auch auf Geschäftsreisen erstreckt. Deswegen muss bei Sharing-Economy-Angeboten darauf geachtet werden, ob etwa für Fahrdienste oder Übernachtungen ähnlich strenge Sicherheitsvorschriften gelten wie für zugelassene Taxis oder Hotels. Meist ist dies leider nicht der Fall. Auch rechtlich kann die Lage verzwickt sein: Um die Reisenden vor juristischen Problemen zu schützen, muss geprüft werden, ob die Nutzung des gebuchten Sharing-Services in der Destination rechtlich erlaubt ist und wenn ja, wer bei Gesetzesverstößen belangt werden kann. Das ist nicht immer nur der Anbieter.

Wie lässt sich so etwas im Travel Management regeln?

Am besten in der Reiserichtlinie. Empfehlenswert ist es, zunächst alle relevanten Kriterien sorgfältig zu prüfen – in jedem Fall alles, was zur Erfüllung der gesetzlichen Fürsorgepflicht unerlässlich ist. Das lässt sich in einer Tabelle zusammenfassen. Danach ist zu bewerten, wie die Sharing-Economy-Akteure hier im Vergleich zu einem Hotel oder Taxi abschneiden. Daraus lassen sich entsprechende Handlungen ableiten, etwa ein grundsätzliches Verbot oder eine Erlaubnis unter bestimmten Voraussetzungen und Regeln.

Sie erwähnten mögliche Sicherheitsprobleme bei Anbietern der Sharing Economy. Gibt es weitere Punkte zu prüfen?

In jedem Fall den Datenschutz. Eine Verschärfung wird in diesem Bereich nochmals die europäische Datenschutz-Grundverordnung ab Ende Mai 2018 bringen. Kritisch bei Sharing-Portalen und Apps ist beispielsweise die weit verbreitete Praxis, dass die Kontaktdaten von Dritten, die der Nutzer in seinen mobilen Devices abgespeichert hat, auf den Server des Anbieters übertragen werden. Rechtlich dürfte das ohne Genehmigung der betroffenen Person aber nicht geschehen. Außerdem ist die Erstellung von Bewegungsprofilen des Geschäftsreisenden durch den Anbieter problematisch – ebenso wie die Nutzung eines privaten W-LAN in einer x-beliebigen Wohnung. Für die Nutzung der Sharing Economy sollte man unbedingt eine Datenschutzrichtlinie erstellen. Aber auch über die einschlägigen Haftungs- und Vertragsverhältnisse der Sharing-Economy-Portale – die sich zusätzlich schnell und häufig ändern – sollten sich Travel Manager ein Bild machen und den Rat der Rechtsabteilung einholen.

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