Sicherheit, Teil 2

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Darum halten sich Firmen noch zurück

Andi-Julian Leta, Geschäftsführer der Lufthansa City Center Reisebüropartner (LCC), im Gespräch mit BizTravel über das Thema „Travel Risk Management“.

von Oliver Graue, 15.09.2017, 17:19 Uhr
Andi-Julian Leta
Foto: LCC/Sebastian Gabsch

Die Zahl der Terroranschläge weltweit häuft sich. Stellen Sie einen Bewusstseinswandel bei den deutschen Unternehmen in puncto Reisesicherheit fest?

Das Bewusstsein hat sich gewandelt, die Unternehmen beschäftigen sich mit Sicherheitsfragen. Doch das schlägt sich oftmals noch nicht in Investitionen nieder. Das heißt, von einer wirklich flächendeckenden Umsetzung eines Risikomanagements kann man nach wie vor nicht sprechen.

Woran liegt diese Zurückhaltung?

Gerade deutsche Unternehmen handeln oftmals sehr kostengetrieben. Gab es bislang nie ein Sicherheitsproblem auf Geschäftsreise, so lässt sich das Risiko schwer quantifizieren. Wo jedoch eine Budgetierung schwierig ist, hat wiederum ein Travel Manager kaum eine echte Chance, einen entsprechenden Betrag bewilligt zu bekommen.

Wie lässt sich das ändern?

Gut wäre schon mal, eine solche Entscheidung nicht allein dem Einkauf zu überlassen, der direkte Kosten sparen muss. Stattdessen bietet sich ein Umsteuern der Verantwortlichkeit etwa auf die Unternehmenssicherheit und die Personalabteilung an. Dann spielen weitere Faktoren wie Obhutspflichten und Krisenmanagement eine Rolle. Beim Auto wird es längst akzeptiert, dass man etwa in einen Airbag investiert – auch wenn er nur im Fall der Fälle oder hoffentlich nie zum Einsatz kommt.

Gibt es denn zumindest bestimmte Leistungen im Sicherheitsbereich, die Unternehmen verstärkt nachfragen?

Ja, der Mittelstand ist an Travel Tracking interessiert. Allerdings meist in der Form, dass beim Reisebüro nachgefragt wird, wo sich die betroffenen Mitarbeiter aufhalten. Es handelt sich also um eine manuelle, zeitaufwändige Methode, nicht automatisiert.

Was können Reisebüros tun?

Reisebüros können Sicherheitsleistungen in ihr pauschales Leistungspaket inkludieren, also einpreisen – wodurch die Pauschale natürlich etwas teurer wird. Oder sie nehmen diese Leistungen als optionale Module in ihre Gebührentabelle auf. Aber gerade Letzteres dürfte wenig Erfolg haben, solange die erwähnte kurzfristige Kostenbetrachtung den Ausschlag gibt.

Auch US-Unternehmen sind kostengetrieben – dennoch hat die Reisesicherheit hier einen höheren Stellenwert ...

Das hat juristische Gründe. In den USA sind die Schadensersatzsummen, die auf Firmen zukommen können, um ein Vielfaches höher als in Deutschland. Wer sich in Amerika nicht absichert, riskiert schnell seine Existenz.

In Deutschland nicht?

Sicher nicht die Existenz. Was aber oft vergessen wird: Ein Arbeitnehmer, der wegen eines schweren Unfalls auf Geschäftsreise beispielsweise ein halbes Jahr lang ausfällt, kostet gut 50.000 Euro. Hinzu kommen juristische Probleme und Schmerzensgeld. Hier sind viele Firmen nach wie vor blauäugig.

Risiken müsste also doch in Kosten übersetzt werden?

Ja, Unternehmen sollten ein solch theoretisches Risiko für Geschäftsreisen errechnen und dem die Kosten etwa für ein automatisches Tracking Tool entgegenstellen. Genau so handeln Firmen ja bereits, wenn es um die Gefahren in ihren Produktionshallen geht. Daher investieren sie dort in Sicherheit.

Das alles mag für Konzerne gelten – aber auch für Mittelständler, also KMU?

Wenn diese Mittelständler entsprechend unterwegs sind, sehe ich da keinen Unterschied. Nicht die Unternehmensgröße ist für die Sicherheit auf Geschäftsreise ausschlaggebend, sondern es sind die bereisten Länder. Ansonsten hieße das ja, den Mitarbeiter eines kleinen oder mittleren Unternehmens weniger wertzuschätzen als seinen Kollegen aus dem Konzern. Bestimmte Standardpakete – und die gibt es in diesem Bereich – sind daher in jedem Fall auch für den Mittelstand empfehlenswert.

Lesen Sie morgen in Teil 3: Diese Firmen bieten Sicherheitsleistungen an

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