Small Talk

(0)

Die hohe Kunst des Plauderns

Oberflächlich? Belanglos? Alles falsch! Tatsächlich ist das seichte Gespräch beim Get-together oder in der Tagungspause der erste Schritt zum wirkungsvollen Networking.

von Oliver Graue, 11.02.2015, 09:00 Uhr
Gekonntes Geplänkel: Auch triviale Worte sind ein wichtiger Eisbrecher.
Foto: Thinkstock

Es ist beneidenswert! Ganz unbefangen kommen manche Menschen auf einen zu und reden. Beginnen eine Unterhaltung. Und das, obwohl man diese Personen noch nie zuvor gesehen hat. Das Gute: Diese Menschen bleiben in Erinnerung und werden möglicherweise sogar zu wichtigen Networking-Partnern. Geholfen hat ihnen, dass sie die Kunst des kleinen Gesprächs beherrschen – etwas, vor dem manch andere sich fürchten. Weil sie unsicher sind, weil sie Angst vor der Blamage haben, wenn sie einfach drauflosreden. Fakt ist: Geplänkel kann jeder. Und Geplänkel ist wichtig – auch wenn es nicht tiefschürfend ist. Denn es schafft eine positive Atmosphäre, es ist ein Eisbrecher. Unsicherheit ist daher fehl am Platz. Wer Mut zum Trivialen hat, kann nur gewinnen. BizTravel hat die wichtigsten Tipps für Small Talk auf Tagungen und bei Abendveranstaltungen zusammengefasst.

Charme

Am Anfang steht man oft einfach zusammen, etwa um den Essenstisch – und schweigt. Fassen Sie Mut und beginnen das Gespräch, etwa mit einer „primitiven“ Bemerkung über das Wetter oder das Hotel. Seien Sie sich nicht zu schade, völlig offensichtliche Dinge anzusprechen! Davor sollte noch ein Lächeln stehen, das macht Sie von Anfang an sympathisch. Und wenn der andere einfach nicht anspringt? Egal – nicht Ihre Schuld.

Partner

Sie sind allein, kennen niemanden, und außer Ihnen stehen die meisten in Grüppchen zusammen und scheinen vertiefte Gespräche zu führen – was tun? Halten Sie zunächst Ausschau nach Menschen, die möglicherweise doch allein stehen. Gibt es diese nicht oder reagieren sie einsilbig, halten Sie Ausschau nach Gruppen, die offen beieinander stehen. Vielleicht ist an einem Stehtisch noch eine Lücke? Trauen Sie sich einfach, Kontakt aufzunehmen – mehr als abweisen kann man Sie nicht. Das aber sollte nicht Ihnen peinlich sein, sondern den anderen. Versuchen Sie es mutig beim nächsten! Ein potenzielles Opfer kann auch sein, wer Ihnen einen längeren Blickkontakt gewährt.

Themen

Was machen Sie? Wo kommen Sie her? Sind Sie gut durchgekommen? Es klingt trivial, doch einfache Fragen wie diese sind ein guter Einstieg – etwa, wenn das Wetter, ein Fußballspiel oder das Hotel abgehandelt wurden. Zum einen signalisieren Sie damit Interesse am Gegenüber, zum anderen vermeiden Sie, dass Themen wie Familie, Politik oder gar Geld als zu intim oder konträr empfunden werden. Wer es dennoch „tiefschürfender“ haben will, kann auf aktuelle Branchen-News Bezug nehmen, bei denen man offensichtlich garantiert einer Meinung ist – Wertewandel, Streiks, Luftfahrtabgabe, Bettensteuer oder Compliance. Beziehen Sie sich auf den Vortrag oder die Diskussionsrunde, die Sie gerade verfolgt haben! Auch über Hobbys oder private Reisen lässt es sich gut sprechen. Tipp: Haben Sie Themen in der Hinterhand, sollte der Gesprächsstoff doch einmal ausgehen!

Übung

Mit jedem Small Talk werden Sie sicherer! Sollten Sie bei Tagungen oder Events nicht so häufig die Möglichkeit dazu haben, üben Sie im Alltag: beispielsweise beim Einkaufen an der Kasse, im Cafe´ beim Bestellen, in der Warteschlange vor dem Schalter oder beim Arzt im Wartezimmer. Die Grundvoraussetzung für gelungenen Small Talk ist Selbstbewusstsein.

Ehrlichkeit

Ihr Gegenüber merkt es sofort, wenn Sie künstlich und nicht authentisch wirken. Seien Sie daher immer ehrlich, und vermeiden Sie zudem, sich selbst profilieren zu wollen. Haben Sie ein paar Minuten von sich erzählt, lassen Sie unbedingt den anderen zu Wort kommen – und zeigen Sie ihm, dass sie zuhören, indem Sie ihm in die Augen schauen und ab und zu nicken. Unhöflich ist es, den Blick einfach in der Menge schweifen zu lassen. Merken Sie sich Informationen aus dem Gesagten, die Sie später bei Ihrer Antwort wieder aufgreifen könnten. Und reden Sie selbst immer nur über Dinge, an denen Sie selbst Interesse haben.

Gesprächsende

Small Talk ist ein Appetizer – nicht mehr. Und nicht immer muss sich daraus ein tiefes Gespräch ergeben, das kann auch beim nächsten oder übernächsten Treffen folgen. Zumindest kennen Sie die Person jetzt, und möglicherweise kann sie in Zukunft ein guter Networking-Partner sein. Nun aber wollen Sie die Unterhaltung erst mal stoppen: Das funktioniert am besten, indem Sie einen anderen Gesprächspartner miteinbeziehen oder den Gang zum Büfett erwähnen. Sätze wie „Da können wir uns auf spannende Zeiten einstellen!“ oder „Ich könnte mich stundenlang mit Ihnen unterhalten – das war wirklich interessant!“ wirken ebenfalls freundlich und beenden dennoch sichtbar das Gespräch. Ein abruptes Ende sollten Sie vermeiden – schließlich soll die Unterhaltung, auch wenn sie nur sehr kurz war, in positiver Erinnerung bleiben.

Andere Länder

Small Talk ist international, und in manchen Ländern ist er noch weit wichtiger als bei uns – ohne ihn gibt es dann keinen Geschäftsabschluss. Unterschiedlich jedoch sind die Themen. In asiatischen Ländern etwa stehen in aller Regel der Austausch und das Bewundern der Visitenkarten am Anfang. In Italien ist die Familie ein guter Gesprächseinstieg, und in Großbritannien wird gern über Aktienkurse oder Wetten geredet. In den USA darf man sich nicht wundern, wenn man direkt auf sein Gehalt angesprochen wird – das ist durchaus üblich. Grundsätzlich vorsichtig sollte man mit übertriebenem Humor oder gar mit Ironie sein. Die wird nicht überall verstanden; Briten, Holländer und Österreicher hingegen schätzen sie.

Weitere Business Travel-Themen

Fragen und Antworten
(0)

Interview mit Andrea Zimmermann

Andrea Zimmermann, Inhaberin der Beratung btm4u, beschäftigt sich auch mit dem Thema Kommunikation. Als Coach berät sie bei Konflikten. BizTravel verrät sie, wie es zu Problemen kommt und was getan werden kann. mehr

 

Adapter für die Geschäftsreise

13.12.2010 Dateigröße 879,20 KB Jetzt herunterladen

Nicht jeder Stecker passt in jede Steckdose. Hier eine Übersicht, welcher Adapter wo für Energie sorgt.

 
© 2016 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media