In diesen Tagen hat die Lufthansa ihre ersten Flüge mit dem Mega-Airbus A380 gestartet. Vor 50 Jahren reisten Geschäftsreisende noch sehr viel gemächlicher, für die damalige Zeit aber ultrakomfortabel: in der Lockheed "Super Connie".
Martin Scorseses sehenswerter Kinofilm „Aviator“ lässt die Dynamik des Milliardärs und Flugzeug-Ingenieurs Howard Hughes lebendig werden, als dieser 1939 das Büro des Präsidenten der Lockheed Aircraft Company stürmte: mit Ideen und Skizzen eines für die damalige Zeit revolutionären Schnellverkehrsflugzeuges. Als Hauptaktionär der US-Fluggesellschaft Transcontinental & Western Air (TWA) stellte er Lockheed einen Großauftrag in Aussicht, der mit der Entwicklung der Lockheed Super Constellation, auch von Piloten gern „Super Connie“ genannt, Geschichte in der zivilen Luftfahrt schreiben sollte.
Die schlanke, formvollendete viermotorige Propellermaschine mit dem charakteristischen dreiteiligen Leitwerk wurde zum Symbol des Wiederaufstiegs der deutschen Verkehrsfliegerei nach dem 2. Weltkrieg. „Ein wichtiger Meilenstein in der Firmengeschichte“, sagt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Sein Unternehmen hatte 2008 in den USA drei alte und vor sich hin rostende Super Constellations ersteigert, um aus ihnen eine einzige Maschine in den Farben der Lufthansa der späten 50er-Jahre erstehen zu lassen – voll flugfähig natürlich. Das ehrgeizige Projekt soll sich 2011 seiner Vollendung nähern und dann später in den Flugbetrieb, wie die begehrten Flüge mit der legendären JU-52, integriert werden.
Seit dem Erstflug der Super Constellation der Lufthansa, am 8. Juni 1955 von Hamburg nach New York „Idlewild“ (dem heutigen John F. Kennedy Airport) entwickelte sich das Langstreckennetz in den folgenden Jahren rasant. Parallel dazu stiegen die Passagierzahlen: Waren es 1958 noch knapp 622.500 Fluggäste, wurde 1960 bereits die Millionengrenze überschritten. Das Langstreckenflaggschiff war die Super Constellation: in ihrer kleineren Version L-1049G bis zur erheblich modernisierten Version, der L-1649A „Super Star“ mit 35,42 Länge und imposanten 45,72 m Spannweite und einer Reichweite, die nun non-stop die Strecke Frankfurt–New York flog.
Die vier Maschinen vom Typ „Super Star“, welche die Lufthansa ab 1958 im Liniendienst eingesetzt hatte, verkörperten für den anspruchsvollen Geschäftsreisenden eine neue Dimension an Komfort: Am 6. November 1958 startete die deutsche Fluggesellschaft offiziell ihren „Senator All-First-Class-Service“. Für den damals stolzen Preis von knapp 4000 Mark (so viel kostete ein neuer VW-Käfer) für das Rückflugticket Frankfurt-New York erwartete den Fluggast ein VIP-Service, bei dem bis heute noch als Reminiszenz der rote Teppich beim First-Class-Check-in geblieben ist.
Die Senator-Kabine der „Super Star“ war mit nur 32 De-Luxe-Sitzen und einer Bordlounge ausgerüstet, in der sonst 86 Passagiere Platz fanden. Der Lounge folgte dann die Bordküche, bei der ein für diesen Service besonders ausgebildeter Koch-Steward die Mahlzeiten vorbereitete. Oft wurde dieser Steward für einen „echten“ Koch von den Fluggästen gehalten – und verbreitete den Hauch von „Haute Cuisine“, auch wenn die Mahlzeiten schon damals nie „live“ zubereitet worden sind. Eine Anekdote kursiert noch heute gern bei den ehemaligen Flugbegleitern: Der Kaffee wurde frisch in einer „Rowenta“ Kaffeemaschine gebrüht. Diese Maschine hatte aber die heimtückische Eigenart, von Zeit zu Zeit den braunen Inhalt „explodieren“ zu lassen und unmittelbar Anwesende in einen „braungesprenkelten“ Zustand zu versetzen – nicht immer zur Freude der Fluggäste.
Angesichts schwindender Premium-Passagiere versuchte die Airline an die goldenen Zeiten wieder anzuknüpfen, indem sie in Kooperation mit dem Ritz-Carlton New York exquisite Menüs auf den Flügen zwischen Big Apple und drei deutschen Städten offeriert – diesmal jedoch mit ausgereiftem Kaffeegenuss.
Bis heute hat die „Super Star“ das Etikett, das einzige Flugzeug in der Lufthansa Flotte gewesen zu sein, das je mit einer reinen First-Class Bestuhlung ausgerüstet war. Trotz aller damalig hochgezüchteten Technik wie die je 3400 PS starken Turbo-Compund-Motoren waren die Tage der großen Propellermaschinen gezählt: Die "Super Stars", von denen Lockheed nur 44 Exemplare baute, mussten den Düsenjets weichen. Schon acht Monate vor Übernahme der ersten L-1649A „Super Star“ hatte Lufthansa bereits einen Vertrag über ihre Nachfolgerin, die Boeing 707, unterzeichnet.
Seit Frühjahr 1960 verschwanden die Maschinen dann aus dem Linienverkehr. Manche fristeten noch ein Dasein als umgebaute Frachtflugzeuge, bevor sie 1966 endgültig aus der Flotte verschwanden.
Nun, mehr als 40 Jahre später, ist ein Comeback in Sicht. Egal, wie sich ie betagte Super Connie im neuen Glanz und der Technik von heute präsentieren wird: Sie dürfte wieder etwas ganz Einmaliges sein – die einzige dann weltweit noch flugfähige Super Constellation mit der Lizenz, Passagiere zu befördern.
Wer sich für die Geschichte dieses faszinierenden Flugzeugs interessiert, wird unter www.lufthansa-technik-superstar.com fündig.