Tagen in Heiligendamm

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Nicht nur für Staatschefs

Der G8-Gipfel 2007 rückte Deutschlands erstes Seebad in den Fokus der Öffentlichkeit. Seit 2014 betreibt ein neuer Investor die „Weiße Stadt am Meer“ – mit eigenem Tagungszentrum.

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von Oliver Graue, 14.10.2016, 09:00 Uhr
Weiße Stadt am Meer: Das Grand Hotel Heiligendamm.
Foto: Grand Hotel Heiligendamm

Den strahlenden Prachtbauten verdankt sie ihren Spitznahmen: Weiße Stadt am Meer. Doch wenn morgens über der Ostsee die Sonne aufgeht, dann wird aus Heiligendamm eine goldene Stadt. Das Licht, vom Wasser reflektiert, schafft einen Anblick, der Heiligendamm-Gäste wie Theodor Fontane, Rainer-Maria Rilke oder Felix Mendelssohn Bartholdy zu überschwenglichen Formulierungen verleitete. Von „Paradies“ und „Zaubergarten“ sprachen sie. Heiligendamm ist mehr als ein Ort, mehr als ein Hotel. Es ist „ein Gesamtkunstwerk aus Natur, Architektur und Kultur“, wie es Professor Joachim Skerl ausdrückt. „Nirgendwo anders fügt sich eine Badelandschaft so einmalig in eine bewaldete Küstenlandschaft ein.“ Der 83-Jährige ist Heiligendamm-Kenner. Von 1972 bis 1991 leitete er hier die Fachschule für angewandte Kunst – und war anfangs gar nicht begeistert von seiner Berufung. „Ich fühlte mich in eine Gegend versetzt, die öde und trostlos war“, erzählt er heute bei seinen Vorträgen vor Hotelgästen. „Aber die Studenten waren viel kreativer als anderswo. Es muss an diesem Ort also etwas Besonderes sein, er wird von einem besonderen Geist umweht.“

G8-Gipfel an der Ostsee

Ein Geist, den heute wieder die MICE-Gäste spüren. Firmen aus allen Branchen kommen jedes Jahr zu Tagungen, Events und Teambuildings ins Grand Hotel; Autopräsentationen finden hier ebenso statt wie Vorstandstreffen und Mitarbeiterschulungen. Trotz seiner fünf Sterne ist das Haus kodexkonform, wie Direktor Thomas Peruzzo gern betont. Dass sich Heiligendamm ideal für Veranstaltungen eignet, machte 2007 die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich: Sie lud die mächtigsten Männer der Welt zum G8-Gipfel in das Hotel ein. Zum Abschlussfoto saßen sie alle in einem riesigen Strandkorb, Merkel neben George W. Bush und Wladimir Putin. Das Foto ging um die Welt.

Dabei hatten Mönche um Beistand gebetet, lange bevor Mecklenburgs Herzog Friedrich Franz I. 1793 Deutschlands erstes Seebad gründete. Eine Sturmflut hatte ihr Kloster bedroht, und tatsächlich war an der Stelle, wo das Wasser hätte durchbrechen sollen, am nächsten Morgen ein schützender Kieselsteindamm errichtet – ob von göttlicher Hand oder durch den Sturm selbst, ist Interpretationssache. Für Friedrich Franz I. gab es den Heiligen Damm, wie ihn die Mönche damals nannten, sozusagen auf Rezept: Sein Leibarzt Samuel Gottlieb Vogel hatte ihm Bäder im Meer verschrieben. Der ins Jagen verliebte Herzog suchte sich dafür jenen wildreichen Wald an der Ostsee aus und engagierte den Architekten Carl Theodor Severin für den Bau der ersten Häuser. Das Prachtstück der Anlage wurde 1817 eröffnet: ein Tempel, dem Wassergott Poseidon geöffnet, mit der lateinischen Inschrift „Heic te laetitia invitat post balnea sanum“ – Frohsinn erwartet dich hier, entsteigst du gesundet dem Bade. Heute ist in dem Kurhaus ein Sterne-Restaurant untergebracht.

Später entstanden eine Tudor-Burg, Cottages, eine Orangerie, Villen direkt am Meer, schließlich das Grand Hotel (1870), und Heiligendamm wurde zum Seebad des europäischen Großadels. Der deutsche Kaiser erholte sich hier ebenso wie die russische Zarenfamilie. Der Verfall setzte nach dem 2. Weltkrieg ein, als die russischen Besatzer das Ensemble plünderten und in Ruinen verwandelten. Zu DDR-Zeiten erhielten die Häuser immerhin schützende Dächer, dienten als Ferienanstalten, ansonsten war das Gebiet als Grenze streng bewacht: Nicht jeder schaffte die Flucht durch die Ostsee, immer wieder wurden an Dänemarks Küste Erschossene angespült.

 
 
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