Tagungsziel Wales

(0)

Nicht nur gut am Ball

Eine herrliche Berglandschaft, viele Burgen und pittoreske Städtchen: Wales wirbt für sich als MICE-Destination. Tatsächlich hat das Land den Veranstaltungsplanern viel Ungewöhnliches zu bieten.

Seite 1 von 3
von Oliver Graue, 06.07.2016, 09:00 Uhr
Tagen in herrlicher Landschaft: Llandudno im Norden.
Foto: Thinkstock

Wie kommt man auf solch eine Idee? Und ist sie verrückt oder genial? Bis 1925 war Portmeirion nichts als ein verwildertes Stück Land: Schiefer wurde hier in Transportschiffe verladen. Heute, 90 Jahre später, ist es ein Stück Italien mitten in Wales. Nachdem Sir Bertram Clough Williams-Ellis das Land für damals schon lächerliche 5000 Pfund gekauft hatte, setzte er einen ehrgeizigen Plan um: Er errichtete ein mediterranes Dorf. Vom Stadttor bis zum Rathaus, vom Pantheon bis zum Glockenturm: 50 Jahre lang hat Williams-Ellis an seinem nordischen Portofino gebaut. Mehr als 40 Gebäude und prachtvolle Arkaden platzieren sich seither um eine großzügige Piazza, in den Pastelltönen der Mittelmeerregion.

„Er nutzte Steine von Abbruchhäusern, und die Stilelemente trug er aus der aller Welt zusammen“, sagt Attraction-Manager Meurig Jones, der zu jedem Haus eine Geschichte erzählen kann. Längst hat die MICE-Branche das Dorf für sich entdeckt: „Für Empfänge der ungewöhnlichen, überraschenden Art ist es bestens geeignet“, wirbt Jones. Platz ist aber auch für kleinere Tagungen wie Vorstandsklausuren oder Workshops. Das Hotel im Dorf bietet 14 Zimmer, und elf weitere steuert das wenige Minuten entfernte Schloss Deudraeth bei.

Business-Ziel Wales in Kürze

Anreise: Von April bis Mitte Oktober fliegt Germanwings ab Düsseldorf nach Cardiff; alternativ mit KLM über Amsterdam. Für Nordwales sind die Flughäfen Manchester und Liverpool ein guter Ausgangspunkt; von dort weiter per Bahn oder über die M56. Für Mittel- und Südwales eignet sich der Airport Birmingham.

Hotels: Gibt es reichlich. In den Städten sind die internationalen Ketten vertreten, in kleineren Orten dominieren private Häuser. Preisniveau ähnlich wie in Deutschland, eher etwas niedriger.

Sprache: Neben Walisisch sprechen alle Waliser perfekt Englisch. Sämtliche Straßen, Orte und Geschäfte sind zweisprachig beschildert. Walisisch liest sich und klingt recht ungewöhnlich: Die Wörter bestehen hauptsächlich aus Konsonanten und sind teilweise sehr lang.

Lage: Wales, flächenmäßig so groß wie Hessen, aber nur 2,9 Mill. Einwohner, liegt im Westen Großbritanniens. Durchs Land zieht sich das Kambrische Gebirge. Die Hauptstadt Cardiff war bis in die 1980er-Jahre der weltweit größte Kohlehafen.

Zumindest Letzteres ist typisch für Wales: Im westlichen Teil des Vereinigten Königreichs reiht sich Burg an Burg. Und wer die mal sanfte, mal schroffe Berglandschaft mit ihren endlosen grünen Wiesen, der langen Meeresküste und den Millionen Schafen mit dem Auto durchquert, der möchte am liebsten alle fünf Minuten anhalten: aussteigen, tief durchatmen, schauen. Und träumen. Pittoresk wirken die Dörfer mit ihren meist niedrigen, schmalen Häusern und mächtigen Kirchen – errichtet aus grobem braunen oder grauen Stein.

Geschäftsreisende erwartet viktorianischer Charme

In Llandudno, ganz im Norden von Wales, ist die Zeit scheinbar stehen geblieben: Manchen der viktorianischen Gebäude, die eine Kette entlang der Küste bilden, hat die Meereswitterung arg zugesetzt. Im Innern versprühen die vielen kleinen Hotels den Charme goldener britischer Zeiten, mit Plüsch und Leder, alles sehr schwer. Als Besucher allerdings sollte man sich hüten, in Wales das Wort „englisch“ in den Mund zu nehmen. Die Menschen sprechen – auch im Alltag – ihre eigene, von etlichen Konsonanten geprägte keltische Sprache. Alle Orte und Straßen sind zweisprachig ausgeschildert, und die walisische Flagge weht Besuchern auf Schritt und Tritt entgegen: der rote Drache, der vor weiß-grünem Hintergrund stolz seine rechte Tatze hebt. Für die meisten deutschen Veranstaltungsplaner und Eventagenturen ist Wales nach wie vor Neuland. Eines, das sich lohnt zu entdecken. Neben seiner landschaftlichen Schönheit und kulturellen Vielfalt bietet Wales viele MICE-Locations – Burgen und Theater, Konferenzzentren und Hotels. Im Trend liegen Universitäten, von denen es hier etliche gibt: Sie locken mit riesigen Kapazitäten und niedrigen Preisen – vor allem in der vorlesungsfreien Zeit von Juni bis September.

Längster Name der Welt

Natürlich spricht jeder Waliser perfekt Englisch. Die angestammte Sprache der Menschen ist das aber nicht, und untereinander reden die meisten denn auch Walisisch. Für uns ist die Abfolge etlicher Konsonanten kaum zu verstehen und erscheint eher als Zungenbrecher. Immerhin nehmen die Waliser für sich in Anspruch, den Ort mit dem weltweit längsten Namen zu haben: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Was das heißt? Ganz einfach: Marienkirche-in-einer-Mulde-weißer-Haseln-in-der-Nähe-eines-schnellen-Wirbels-und-der-Thysiliokirche-bei-der-roten-Höhle. Auch auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Verrückt!

 
 
1 spacer 2 spacer 3

Weitere Business Travel-Themen

Verpflegungspauschale
(0)

Neue Sachbezugswerte für 2017

Die amtlichen Werte, die für Mahlzeitengestellung außerhalb von Dienstreisen anzusetzen sind, wurden leicht erhöht. Der Betrag für Unterkunftskosten bleibt gleich. mehr

 
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media