Die kanarische Insel punktet nicht nur bei Urlaubern. Die gute Infrastruktur zieht auch Tagungsreisende an.
Wie wäre es damit? Tagungen abhalten unter südlicher Sonne, ein Glas leckeren Wein in der Hand halten und dazu einen atemberaubenden Blick über den Atlantik genießen. Klingt zu schön, um wahr zu sein – lässt sich aber einrichten.
Zum Beispiel in der Weinkellerei Bodegas Monje, hoch über Santa Cruz de Tenerife, am Fuße des Pico del Teide, des höchsten Bergs Spaniens. Der Familienbetrieb vermietet seine Räume für „Tagungen, Arbeitsessen und Produktpräsentationen mit höchstens 90 Personen“. Und das Geschäft blüht offenbar: Gerade bauen Arbeiter eine zweite Terrasse, um künftig mehr Tagungsgäste aufnehmen zu können.
Mit ihrem Besucher-Boom ist die Weinkellerei in den Bergen keine Ausnahme. Das Tagungsgeschäft auf Teneriffa verzeichnet kräftigen Zuwachs. Bester Beweis für den Erfolg: Auf der Insel sind sechs Tagungszentren im Betrieb – vom Magma Arte y Congresos direkt hinter den Bettenburgen der Costa Adeje im Süden bis hin zum Kongresszentrum im nördlich gelegenen Puerto de la Cruz, das sich mitten in einen subtropischen Garten befindet.
Die größten Gesellschaften dürften im Internationalen Messe- und Kongresszentrum von Santa Cruz einen Platz finden. Der Hauptsaal fasst 8000 Delegierte. Das Gebäude mit seinem avantgardistischen Design wurde von Spaniens Star-Architekten Santiago Calatrava entworfen. Nur ein paar Schritte vom Meer entfernt liegt das Mare Nostrum Resort, zu dem sich fünf Hotels zusammengeschlossen haben. Mit ihrer Zusammenarbeit wollten die Manager Hotelkomplexe in Las Vegas imitieren.
Das ist aber nur bedingt gelungen: Die Hotels wirken ein wenig künstlich aneinander gereiht. Das Mare Nostrum Resort bietet für Tagungsgäste immerhin 28 Konferenzräume und einen Hauptsaal, in dem bis zu 3400 Leute tagen können. Außer auf moderne Tagungszentren setzt Teneriffa darauf, die gut ausgebaute touristische Infrastruktur für den Tagungsmarkt zu nutzen. So stehen manche Kongresszentren nur wenige Schritte vom Meer entfernt: Nach der Arbeit kann man sich gleich im Atlantik erfrischen. Außerdem haben lokale Anbieter sehr viele Ausflügen im Angebot, die nicht nur Touristen vorbehalten bleiben. Für die Hoteliers auf Teneriffa mit ihren 50.000 Betten sind Tagungsgäste zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.
Für Teneriffa ist Deutschland aber (noch) nicht der wichtigste Markt. Die meisten Tagungsgäste kommen aus Spanien auf die Insel, gefolgt von den Briten, die im Freizeitbereich die Nase vorn haben. Danach folgt Deutschland mit einigem Abstand. Und: „Gerade im Tagungsbereich gehen die Buchungen immer kurzfristiger ein“, sagt Sonja Lotze von der Tenerife Tourism Corporation. Das macht die Planung der Events natürlich schwieriger, zumal vor allem Incentive-Reisen immer kürzer werden. Die meisten Gruppen bleiben nur noch für drei bis vier Nächte, erzählt Lotze. Aber wenn der Tagungsgast auf der Terrasse der Bodegas Monje sitzt, 500 Meter über dem Meeresspiegel, mit einem Glas Wein in der Hand – spätestens dann hat sich auch die kürzeste Reise nach Teneriffa gelohnt.