Ergonomische Sitze, mehr Platz und neue Gastronomie: Das überarbeitete Konzept von Thalys.
Geht doch! Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys erfindet sich fast neu, und Konzernchef Olivier Poitrenaud gelingt es, sämtliche Änderungen in einem einzigen Satz zusammenzufassen. „Der Thalys bietet seinen Gästen neue, facettenreiche Mahlzeiten, serviert von Personal in modischen Uniformen in einer gemütlichen Atmosphäre in einem Zug mit futuristischem Design.“ Puh! Fehlt was? Ja: Die Bahnen erhalten nicht nur einen anderen Anstrich und ein frisches Interieur mit rückenfreundlichen und bequemeren Sitzen.
Neu ist auch, dass alle Sitze der beiden Klassen Comfort 1 und 2 über eigene Steckdosen verfügen, die Züge durchgehend Internet-Zugang per W-LAN gewährleisten und dass hungrige Passagiere die Wahl unter drei verschiedenen Bordbars haben. Wie ein roter Faden zieht sich die Farbe Rot durch das neue Design. „Das symbolisiert Wärme und Gastlichkeit“, sagt Poitrenaud, spricht aber lieber von einer „subtilen Kombination aus Rot, Lila und Fuchsie“.
Der Thalys, der ähnliche Triebzüge wie der französische TGV benutzt, verkehrt seit elf Jahren zwischen Köln, Brüssel und Paris – mit bis zu 300 Kilometer pro Stunde. Erfolgreich: Im vorigen Jahr legte der Bahnkonzern gut neun Prozent beim Umsatz und fünf Prozent bei den Passagieren zu. Auch wenn Poitrenaud angesichts der Finanzkrise für 2009 keine Prognose wagt, sieht er sich als Gewinner. „Viele Firmenkunden wechseln derzeit vom Himmel auf die Schiene“, sagt er. „Das ist eine große Chance für uns.“ Zumal jeder zweite Thalys-Passagier ein Geschäftsreisender ist.
Gerade diese aber empfanden Aussehen und Einrichtung der Züge als veraltet. „Darum haben wir im Januar 2008 unsere Metamorphose gestartet“, erklärt der aus Frankreich stammende Vorstandschef. Metamorphose heißt, „dass nicht alles auf einmal geht“. Was mit der Einführung des elektronischen Tickets begann, setzt sich nun über Internet, Design, ein neues Mahlzeitenangebot und moderne Uniformen fort. Ende 2009 schließlich soll der Zug noch einen Zahn zulegen: „Bis dahin ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln–Paris komplett fertig“, erklärt Poitrenaud. Statt wie bislang 3:45 Stunden braucht der Thalys dann nur noch 3:15 Stunden für die Fahrt vom Rhein an die Seine.
Bis Ende 2010 sollen dann alle 26 Züge im neuen Design erstrahlen. Die erste Zuggarnitur fährt zwischen Paris und Amsterdam, im Frühjahr folgt die Köln-Route. Mit Blick auf die Liberalisierung des Schnellzugverkehrs 2010 zeigt sich Thalys-Chef Olivier Poitrenaud jedenfalls optimistisch: „Wir sind gerüstet.“ www.thalys.com