Trondheim ist Norwegens Forschungsmetropole – und besticht durch seine historische Note. Die Landschaft ist traumhaft, das regionale Essen ausgezeichnet. Ein Geheimtipp für Events!
Erzengel Michael hat eine frappieren de Ähnlichkeit mit Bob Dylan. Zu mindest in Trondheim. Die Steinfigur am prachtvollen NidarosDom trägt deutliche Gesichtszüge des Musikers. „Das ist kein Zufall“, sagt Lisbeth Fallan, Chefin des Trondheimer KongressBüros: „Bei der Restaurierung fehlte uns die Originalvorlage. Und der Künstler war ein DylanFan.“
Typisch Trondheim. Die mittelnorwegische Metropole, einst Hauptstadt des Landes und am lachsreichen NidelvFluss gelegen, ist Norwegens MusikKapitale. Mit dem nationalen Popmuseum Rockheim verfügt die Stadt nicht nur über eine architektonische Attraktion. Die Besucher erleben überdies hautnah die Geschichte der norwegischen Rockmusik bis heute: Sie können es sich in einem Band-Bus der 80er-Jahre bequem machen und eine virtuelle Tour durch die faszinierende Inselwelt der Lofoten genießen. Oder sie betreten einen mit Bierflaschen übersäten Übungsraum der 90er, legen Kassetten (!) ein und lauschen Metal à la „TNT“ und „Dimmu Borgir“.
Und wer immer schon Wencke Myhres „Knallrotes Gummiboot“ mitsingen wollte, kann dies gleich nebenan tun – falls er nicht lieber alles über a-ha erfahren oder gleich selbst Gitarrengriffe erlernen will. Ein Empfang im Rockheim am Vorabend des Meetings: „Das bricht das Eis“, sagt Lisbeth. Gleich nebenan entsteht das größte und modernste Konferenzhotel Skandinaviens. Der riesige leuchtende Stern auf dem Clarion-Hotel ist schon beim Anflug auf die Stadt zu erkennen.
Die Pläne von Hotelchef Stig Hillestad sind ambitioniert: „Wir wollen Trondheim zu einem der wichtigsten Eventziele Nordeuropas machen“, sagt er. Das klingt illusionär, doch die Basis dafür haben die 170.000 Einwohner längst geschaffen. Trondheim gilt nicht nur als die lebenswerteste Stadt Norwegens, sondern auch als Hochburg von Wissenschaft und Technik mit internationalem Renommee. Gut 30.000 Studenten forschen hier, prägen das Leben, und internationale Verbände richten ihre Jahrestagungen aus.
Mit dem Motto „Laptop und Lederhose“ sieht sich Bayern gut charakterisiert. Für Trondheim könnte der Slogan ähnlich lauten, nur anstelle der Lederhose stünde besser das Lachs-Fangnetz. Farbenfrohe Holzhäuser säumen das Ufer des Nidelv-Flusses, der Lebensader der „kleinen Großstadt“.
Im Jahre 997 nach Christus hatte König Olav Tryggvason den Ort gegründet, und ihm zu Ehren, der im Kampf gegen heidnische Wikinger gefallen war, erbauten die Trondheimer den mächtigen Nidaros-Dom, bis 1906 Krönungsstätte der norwegischen Könige.
Die magische Atmosphäre im Dom können Meeting-Teilnehmer selbst erleben: Der Bürgermeister Trondheims spendiert Firmen, die eine Konferenz in der Stadt abhalten, ein 20-minütiges kostenloses Konzert in der Nidaros-Kathedrale. Und wer auf den religiösen Geschmack gekommen ist, pilgert auf dem 650 Kilometer langen Olavsweg zwischen Oslo und Trondheim – „entweder mehrere Tage oder auch nur einige Stunden“, sagt Cathrine Roncale, Leiterin des 60 Betten großen Pilgerzentrums. „Schlafen wie die Pilger“ schlägt sie als Incentive-Erlebnis vor.
Natürlich geht’s auch luxuriöser. An Tagungshotels mangelt es in Trondheim bereits heute nicht; schönstes Haus dürfte das über dem Nidelv gelegene Rica Nidelven sein. Seine Gäste sollten morgens möglichst früh aufstehen, um das Frühstück zu genießen: Zum sechsten Mal wurde das Haus als bestes Frühstückshotel Norwegens ausgezeichnet.