Business Trips nach und innerhalb Chinas werden immer einfacher. Zu den größten Barrieren für erfolgreiche Geschäfte zählen eher die unterschiedlichen Mentalitäten. BizTravel war in China.
Die Fahrt verläuft rasant. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu acht Metern in der Sekunde rast der Fahrstuhl des World Financial Centers in Schanghai in die Höhe. Gut eine Minute benötigt der Aufzug bis zum 100. Stockwerk des derzeit höchsten Gebäudes nicht nur der Finanzmetropole am Huangpu-Fluss, sondern von ganz China. Wer die Aussichtsplattform auf der obersten Etage des Wolkenkratzers betritt und durch die transparenten Bodenplatten schaut, dem kann schon schwindelig werden. Schließlich geht es mehr als 470 Meter senkrecht in die Tiefe.
Doch man muss gar nicht so hoch hinaus, damit einem in China der Kopf schwirrt. Dafür reicht ein Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Erst im vergangenen Jahr hat das von der kommunistischen Partei seit mehr als 60 Jahren autoritär regierte Riesenreich Japan als zweitgrößte Ökonomie der Welt abgelöst. Exportweltmeister ist China seit 2009. Das Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik summiert sich auf mehr als 4,0 Billionen Euro. Nur die Vereinigten Staaten produzieren mehr Waren und Dienstleistungen – noch.
Das Tempo des Wirtschaftwachstums ist ungebrochen. Allein im vorigen Jahr legte die Wirtschaft im Reich der Mitte um mehr als zehn Prozent zu. In diesem Jahr dürfte das Wachstum nur knapp darunterliegen. Von den Finanz-Turbulenzen in den USA und Europa scheint Chinas Wirtschaft unbeeindruckt. So legten die Exporte allein im Juli um mehr als ein Fünftel zu.
Angesichts solcher Zahlen überrascht es nicht, dass immer mehr ausländische Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Reich der Mitte schicken, um lukrative Geschäfte anzubahnen. Die Flieger nach Fernost sind voll, kurzfristige Buchungen oft kaum möglich. Am Boom wollen eben alle teilhaben.
Die Anziehungskraft des riesigen chinesischen Marktes lässt sich an der Entwicklung des Flugangebots ablesen. Keine Woche vergeht, in der nicht eine Gesellschaft neue Verbindungen in das mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Land der Erde verkündet. Zuletzt hatte Qatar Airways für November neue Flüge von Doha nach Chongqing in Zentralchina angekündigt.
Die skandinavische SAS fliegt ab März 2012 fünfmal wöchentlich von Kopenhagen nach Schanghai; Finnair folgt im Mai mit Chongqing und erhöht damit sein Gesamtangebot für China auf 26 Flüge pro Woche. Emirates verkehrt bereits mit dem Mega-Airbus A-380 nach China: Seit April ist Schanghai das dritte A-380-Ziel von Emirates – neben Peking und Hongkong. Noch in diesem Jahr fliegt Etihad mit Chengdu eine weitere chinesische Großstadt an. Ab 1. März folgt dann Schanghai.
Lufthansa steuert ab Sommer 2012 Shenyang im Norden Chinas und Qingdao an der Ostküste der Volksrepublik an. Damit wächst die Zahl der innerchinesischen Ziele von fünf auf sieben. Außerdem nimmt Lufhansa-Tochter Swiss nach Hongkong und Schanghai auch Peking in den Flugplan auf. Ab 11. Februar 2012 wird es einen täglichen Flug von Zürich in die chinesische Hauptstadt geben.
Wobei aber nicht nur ausländische Fluggesellschaften ihre Frequenzen ins Reich der Mitte kontinuierlich erhöhen. Auch die chinesischen Airlines mischen bei der Strecken-Expansion kräftig mit. So fliegt China Eastern seit Ende August erstmals von Hamburg über Frankfurt nach Schanghai. Marktführer und Star-Alliance-Mitglied Air China hat die erst im März aufgenommene Verbindung von Düsseldorf nach Peking vergangenen Monat von drei auf vier Flüge die Woche erhöht. „Mit der zusätzlichen Frequenz wird der stetig steigenden Nachfrage Rechnung getragen“, erläutert Christoph Blume, der Chef des Düsseldorfer Flughafens, das erweiterte Angebot.
Erfreulich für Geschäftsreisende ist, dass sich die Airlines bei ihrem Streckenausbau nicht allein auf die Hauptstadt Peking oder bekannte Metropolen wie Schanghai oder Hongkong konzentrieren, sondern zunehmend auch in die Fläche streben.
Bestes Beispiel hier ist Lufthansa, die die Zahl ihrer China-Ziele 2012 von fünf auf sieben erhöht. Mit Shenyang – hier produziert unter anderem der Autohersteller BMW – und Qingdao ergänzen dann zwei Destinationen das Streckennetz, die hierzulande weitgehend unbekannt sind. Bei beiden Städten handelt es sich um Wirtschaftszentren mit jeweils mehreren Millionen Einwohnern.
Doch auch wenn Geschäftsreisende ihr Ziel nicht auf dem direkten Weg erreichen können, ist das kein Problem. Dann steigt man eben an einem der großen chinesischen Airports um und setzt seine Reise mit einem Inlandsflug fort. „Das innerchinesische Streckennetz ist sehr gut ausgebaut und die Hauptrouten zu den Ballungszentren werden im 30- bis 60-Minuten-Takt bedient“, sagt Harald Weber-Liel, Leiter der HRG-Dependance in der Volksrepublik. Wobei der Reisende bei Umsteigeverbindungen und innerchinesischen Flügen durchaus Geduld aufbringen muss, denn Verspätungen im Flugverkehr sind notorisch. Was laut Weber-Liel außer mit dem Wetter vor allem mit dem großen Andrang zusammenhängt. Schließlich werden in dem Riesenreich etwa 85 Prozent aller Geschäftsreisen mit dem Flugzeug erledigt.
Dabei wird eifrig in die Verkehrsinfrastruktur investiert. Allein 2010 stiegen die Ausgaben für Flughafen-Ausbau und Luftverkehr um satte 46 Prozent. Im seit Jahresanfang gültigen 12. Fünfjahresplan der Regierung ist der Aus- und Neubau zahlreicher Flughäfen vorgesehen. So werden unter anderem die Airports in Guangzhou, Nanjing und Lhanzou vergrößert.