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Flugsteuer

19.07.2010, 09:07 Uhr

Wo bleibt die Gebühren-Gebühr?

Von Oliver Graue

Wann, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie sich zuletzt ein Hemd oder eine Jeans gekauft? In jedem Fall dürften Sie es an der Kasse recht einfach gehabt haben: Sie mussten den Preis bezahlen, der auf dem Hemd oder der Jeans angegeben war. Und nicht etwa noch irgendwelche Zuschläge – zum Beispiel für den Transport aus Usbekistan oder für das Anprobieren im Laden. Oder gar eine Häkel- und Strickgebühr. Das wäre ja auch verrückt.

Verrückt? In unserer Branche ist das Alltag. Zumindest im Luftverkehr. Wer ein vermeintlich ultra-billiges Flugticket bucht, sagen wir: für 8,95 Euro, der zahlt am Ende einen ganz anderen Betrag. Zu den 8,95 Euro kommen nämlich noch Steuern und Gebühren (nehmen wir an: 21,70 Euro), und selbstverständlich dürfen wir den Kerosinzuschlag (sagen wir: 25 Euro) nicht vergessen. Jetzt fehlen nur noch die Gebühren für die Kreditkartenzahlung (5 Euro) und fürs Gepäck (15 Euro). Macht 75,65 Euro. Also geringfügig mehr als die ursprünglichen 8,95 Euro.

Zum Glück geht unser Flug nicht in die USA. Denn dort kämen noch einige andere Gebühren hinzu: die Ticket-Steuer zum Beispiel, die Abfertigungsgebühr, die US-Sicherheitsgebühr, die Transportsteuer, die Inspektionsgebühr und - nicht zu vergessen - die Gebühr für die Überwachung von Pflanzen und Tieren. Diese Gebühren werden übrigens vom Staat erhoben. Die Fluggesellschaften sind lediglich dazu verpflichtet, sie von den Passagieren einzuziehen. Eine Tatsache, die bei der Diskussion über die derzeitige Gebührenflut häufig vergessen wird.

Und auch für das, was 2011 kommen soll, ist Vater Staat verantwortlich: eine Flugsteuer. Verlierer werden nicht nur die Unternehmen sein, Travel Manager also, die den Spagat vollbringen sollen, bei stark steigenden Gebühren auch weiterhin Einsparungen vorzunehmen. Auch Flughäfen wie Hahn, Weeze, Köln, Bremen oder Berlin-Schönefeld, die in erster Linie von Kurzstrecken und Billigfliegern leben, könnten enorm benachteiligt werden. Vor allem Airports in Grenznähe müssen fürchten, dass die Gesellschaften auf nahegelegene ausländische Flughäfen ausweichen. Schließlich wird die neue Steuer nur in Deutschland erhoben.

Die Flugsteuer-Debatte erinnert ein wenig an die Hotelsteuer-Diskussion Anfang des Jahres: Unsere Regierung neigt dazu, Beschlüsse zu fassen, ohne über deren Konsequenzen nachzudenken. Klar, dass dabei nur Murks herauskommt. So haben gerade Flugexperten darauf hingewiesen, dass auch die Luftverkehrsabgabe zum Schuss in den Ofen werden könnte: Weil dann weniger geflogen wird, sinken die Gesamt-Steuereinnahmen stärker, als Einnahmen durch die neue Abgabe entstehen.

Neue Steuern und noch mehr Gebühren und Abgaben – das scheint zur Lieblingsbeschäftigung deutscher Politiker geworden zu sein, ganz egal welcher Richtung. Sollen sie ihre Phantasie doch schweifen lassen! Allerdings wäre ich dafür, dass für jeden Gebühren-Vorschlag eines Politikers von diesem eine Gebühr erhoben wird. Oder sagen wir: mehrere Gebühren – eine Gebühr für undurchdachtes Regieren, eine Gebühr für Volksbenervung und die Murksgebühr. Das wäre doch gebührend.


     
 

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Bewertung von Anette Zachert, 20.07.2010

ganz genau!!! Sie haben es auf den Punkt gebracht, Herr Graue. Und dies auch noch mit sehr viel Humor. Ihr Blog geht heute noch als Rundmail an meine Kollegen -))

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Bewertung von Max Schmidt, 20.07.2010

Wie Sie richtig schreiben, darf sich jede Branche über neue Gebühren beschweren, aber ganz sicher nicht die Luftfahrtbranche mit ihren immer neuen Gebührenideen. Keine Lobby nimmt neue Gebühren für die eigene Branche positiv auf und ausser der Lobby scheint der Protest derzeit eher gering. Der soziale Staat will finanziert sein, da muss der Staat auch mal neue Einnahmequellen generieren. Ob das gerecht oder sinnvoll ist, wird ohnehin subjektiv empfunden.

Geschäftsreisende werden wohl eher weniger eine Anreise ins Ausland auf sich nehmen, um die neue Abgabe zu sparen, da Weg und Zeitaufwand hierfür sich wohl kaum rechnen. Die Branche kann doch mal Alternativvorschläge machen - Besteuerung von Kerosin, oder 100% Steuer auf einbehaltene Kerosinzuschläge bei Erstattungen ...

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Bewertung von Bernd Kersting II., 20.07.2010

Lieber Herr Graue,

immer wieder köstlich auf den Punkt gebracht :-) Fehlt nur, dass man uns (unter anderem) die Senkung der Hotel-MWSt. mit der Harmonisierung mit den Steuersätzen der Nachbarländer verkauft hat und nun bei der Flugabgabe genau gegensätzliches vorhat. Aber wenn sie die Koalitionäre schon untereinander nicht verstehen, wie sollen wir die Irrungen und Wirrungen dieser Damen und Herren nachvollziehen können ?!

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Bewertung von Ireen Pensel, 20.07.2010

Super Vorschlag :-))

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Bewertung von Julia Reiss, 21.07.2010

schön auf den Punkt gebracht :) Und die Vorschläge für neue Gebühren find ich großartig! Vielleicht könnte man noch die Labergebühr ergänzen...

 
 
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