Von Oliver Graue
Wann, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie sich zuletzt ein Hemd oder eine Jeans gekauft? In jedem Fall dürften Sie es an der Kasse recht einfach gehabt haben: Sie mussten den Preis bezahlen, der auf dem Hemd oder der Jeans angegeben war. Und nicht etwa noch irgendwelche Zuschläge zum Beispiel für den Transport aus Usbekistan oder für das Anprobieren im Laden. Oder gar eine Häkel- und Strickgebühr. Das wäre ja auch verrückt.
Verrückt? In unserer Branche ist das Alltag. Zumindest im Luftverkehr. Wer ein vermeintlich ultra-billiges Flugticket bucht, sagen wir: für 8,95 Euro, der zahlt am Ende einen ganz anderen Betrag. Zu den 8,95 Euro kommen nämlich noch Steuern und Gebühren (nehmen wir an: 21,70 Euro), und selbstverständlich dürfen wir den Kerosinzuschlag (sagen wir: 25 Euro) nicht vergessen. Jetzt fehlen nur noch die Gebühren für die Kreditkartenzahlung (5 Euro) und fürs Gepäck (15 Euro). Macht 75,65 Euro. Also geringfügig mehr als die ursprünglichen 8,95 Euro.
Zum Glück geht unser Flug nicht in die USA. Denn dort kämen noch einige andere Gebühren hinzu: die Ticket-Steuer zum Beispiel, die Abfertigungsgebühr, die US-Sicherheitsgebühr, die Transportsteuer, die Inspektionsgebühr und - nicht zu vergessen - die Gebühr für die Überwachung von Pflanzen und Tieren. Diese Gebühren werden übrigens vom Staat erhoben. Die Fluggesellschaften sind lediglich dazu verpflichtet, sie von den Passagieren einzuziehen. Eine Tatsache, die bei der Diskussion über die derzeitige Gebührenflut häufig vergessen wird.
Und auch für das, was 2011 kommen soll, ist Vater Staat verantwortlich: eine Flugsteuer. Verlierer werden nicht nur die Unternehmen sein, Travel Manager also, die den Spagat vollbringen sollen, bei stark steigenden Gebühren auch weiterhin Einsparungen vorzunehmen. Auch Flughäfen wie Hahn, Weeze, Köln, Bremen oder Berlin-Schönefeld, die in erster Linie von Kurzstrecken und Billigfliegern leben, könnten enorm benachteiligt werden. Vor allem Airports in Grenznähe müssen fürchten, dass die Gesellschaften auf nahegelegene ausländische Flughäfen ausweichen. Schließlich wird die neue Steuer nur in Deutschland erhoben.
Die Flugsteuer-Debatte erinnert ein wenig an die Hotelsteuer-Diskussion Anfang des Jahres: Unsere Regierung neigt dazu, Beschlüsse zu fassen, ohne über deren Konsequenzen nachzudenken. Klar, dass dabei nur Murks herauskommt. So haben gerade Flugexperten darauf hingewiesen, dass auch die Luftverkehrsabgabe zum Schuss in den Ofen werden könnte: Weil dann weniger geflogen wird, sinken die Gesamt-Steuereinnahmen stärker, als Einnahmen durch die neue Abgabe entstehen.
Neue Steuern und noch mehr Gebühren und Abgaben das scheint zur Lieblingsbeschäftigung deutscher Politiker geworden zu sein, ganz egal welcher Richtung. Sollen sie ihre Phantasie doch schweifen lassen! Allerdings wäre ich dafür, dass für jeden Gebühren-Vorschlag eines Politikers von diesem eine Gebühr erhoben wird. Oder sagen wir: mehrere Gebühren eine Gebühr für undurchdachtes Regieren, eine Gebühr für Volksbenervung und die Murksgebühr. Das wäre doch gebührend.