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Staat kassiert ab

14.10.2010, 09:25 Uhr

Haste mal 'nen Euro?

Von Oliver Graue

Jetzt also auch Berlin! Die Stadt, die von sich selbst behauptet, sie sei arm, aber sexy, will künftig von jedem Gast eine "City Tax" von 1,50 Euro pro Nacht erheben. Im Vergleich zur fünfprozentigen Bettensteuer, die Hamburg, Lübeck oder Köln verlangen, ist das ein geringer Betrag. Vielleicht eine Art Kurtaxe, die Besucher der Seebäder ja schließlich auch zahlen müssen. Immerhin verfügt Berlin sowohl über Wasser als auch über Strände, und die Berliner Luft gehört zu den berühmtesten Sauerstoff-Lieferanten.

Teurer als bislang wird es aber schon auf dem Weg in die Bettensteuer-Metropolen. Dank der Luftfahrtabgabe, die die Bundesregierung erhebt, kostet ein innerdeutscher Hin- und Rückflug 19 Euro mehr. Unternehmen tun gut daran, ihren Reiseetat für 2011 von Anfang an höher einzuplanen. Rüdiger Krenz, Travel Manager der Kölner Axa-Versicherung, rechnet bei seinen 5000 jährlichen Übernachtungen in örtlichen Hotels mit Mehrkosten im mittleren Zehntausender-Bereich. Wohlgemerkt - allein für die Hotelabgabe.

Die Konsequenzen der neuen Steuern machen sich auch an anderer Stelle sichtbar. Für die eine oder andere Fluggesellschaft könnte die Abgabe den Ausschlag dafür geben, wenig rentable Flüge ganz zu streichen. Billigheimer wie Ryanair - fürs Geschäftsreise-Segment eh irrelevant - haben angekündigt, gleich mehrere Routen aus dem Programm zu nehmen, zu allererst die innerdeutschen Verbindungen wie Bremen–Memmingen. Tragisch ist das für die betroffenen Flughäfen: Sie müssen mit einem Passagierrückgang rechnen, was wiederum Entlassungen zur Folge haben könnte.

Ob Berlin all dies bedacht hat, als es die Luftfahrtabgabe beschloss? Immerhin: Nicht nur in Deutschland sind die Kassen klamm. Auch wer in die USA wil, muss seit kurzem Eintritt bezahlen – 14 Dollar. Und letztlich sind die Visumgebühren, die zahlreiche Staaten nach wie vor verlangen, auch nichts anderes als eine solche Einreisegebühr.

"Reisen findet künftig in den Köpfen statt", beschrieb kürzlich ein selbsternannter Experte in einem Lifestyle-Magazin den Trend der nächsten Jahre: "Statt in fremde Länder zu fliegen, erforschen die Menschen ihr Inneres." Gut, denn dafür fällt (noch) keine Abgabe an. Für Geschäftsreisende allerdings ist das eine wenig praktikable Lösung. Ihre Tochterfirma, ihr Kunde oder ihr Verhandlungspartner sitzt nun mal in Asien, Russland oder Frankreich. Und nicht zwischen Milz und Leber.
     

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