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Aushänge

23.11.2011, 09:34 Uhr

Her mit den Rosinenschnecken!


Von Oliver Graue

Katze weg, Wohnung frei, Unfallzeugen gesucht – nein, keine logische Reihenfolge. Sondern einfach nur Beispiele für das, was wir ausnahmsweise nicht im Internet lesen, sondern dann, wenn wir unterwegs sind und durch die Straßen laufen: auf improvisierten Zetteln, meistens in Handschrift verfasst. Die Notizen sind an Laternenphähle geklebt oder an Bäume geheftet. Sie wenden sich direkt ans Volk. An uns also.

Und sehr häufig ist auf diesen Zetteln auch ein Foto des Corpus Delicti zu sehen, um das es sich handelt. Die freigewordene Wohnung also, das Schrott-Fahrzeug oder die entlaufene Mieze.

Bei den Apfelschnecken war das anders. Und vielleicht ist mir gerade deshalb dieser Aushang besonders aufgefallen. Zumindest erregte er mein Interesse: "Black Mollys und Apfelschnecken zu verschenken", stand darauf in großen Blockschriftlettern. Wissen Sie, liebe Leser, was Black Mollys sind? Ich jedenfalls dachte sofort an die nostalgische Dampfeisenbahn "Molly", die irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern verkehrt, und mit der ich schon lange mal fahren wollte. Und black – na klar: Der Rauch, den sie fabriziert, ist schwarz. Aber warum gibt es mehrere davon? Und wieso will man sie verschenken?

Auch die Apfelschnecken beschäftigten mich, nachdem ich den Zettel im nordrhein-westfälischen Essen auf dem Rückweg von einer VDR-Tagung sah. Bis ich zur Erkenntnis kam: Die kann ich gebrauchen! Vielleicht leisten sie jenen Schnecken Gesellschaft, die im Sommer in unserem Garten in großer Zahl herumkriechen (meist nackt) und hindern sie am Kahlfressen unserer Nutzpflanzenbeete.

Ja, ich bin ein Ignorant. Und als Geschäftsreise-Freak habe ich mehr Ahnung von Eisenbahnen als von Aquarienlebewesen. Denn eher zufällig klärte mich Tage später ein Zierfischfreund über die wirklichen Identitäten der Black Mollys (schwarze lebendgebärende Fische) und Apfelschnecken (tropische Süßwasserschnecken fürs Aquarium) auf.       
Mein ursprüngliches Vorhaben, bei dem Anbieter anzurufen, gab ich auf. Ich werde es aber sofort wieder aufgreifen, sollte ich einen Aushang lesen mit den Worten: "Rosinenschnecken zu verschenken." Die mag ich nämlich.

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Bewertung von Kristina Höper, 09.12.2011

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