Trinkgeld
02.11.2011, 09:47 Uhr
Wieviel gibt man?
Von Oliver Graue
Es ist immer dasselbe. Kaum haben wir den leckeren Olympus-Teller beim Griechen oder M4 beim Chinesen (Schweinefleisch süß-sauer) verspeist und um die Rechnung gebeten, stellt sich die Frage: Wieviel gebe ich? Nein, nicht wieviel vom Rechnungsbetrag, sondern wieviel Trinkgeld.
In D-Mark-Zeiten war das noch einfach: Man brauchte nur aufzurunden – zum nächsthöheren Betrag. Also beispielsweise auf 50 Mark, wenn der Wirt 47,90 Mark haben wollte. Seit wir den Euro haben, hat sich das radikal geändert. Plötzlich sollen wir uns an US-amerikanischen Sitten orientieren und zehn oder sogar 15 Prozent Trinkgeld geben, sagen Knigge-Experten. Bei 24 Euro (also 47,90 Mark) wären dies 27 Euro – macht 54 Mark und damit vier mehr als früher! Ist Trinken denn so teuer geworden?
Natürlich bekommen auch Friseure, Taxifahrer und Zimmermädchen das Handgeld. Und alle anderen, die uns was Nettes tun (einzige Ausnahme sind BizTravel-Blog-Autoren).
Vor einer Jeep-Tour durch die Wüste von Katar im Rahmen unseres BizTravel-Workshops erzählte uns die Reiseleiterin, dass die katarischen Fahrer das "alles völlig kostenlos machen und sogar mit ihrem privaten Auto". Aus reiner Spaß an der Freud.
Als nette Menschen und weil sie die Tour klasse fanden, haben Teilnehmer der Reise ihrem "Steuermann" am Ende 100 Rial Trinkgeld gegeben, etwa 20 Euro. Doch der schaute sie nur ziemlich verwirrt an, griff selbst in seine Brieftasche und überreichte jedem von ihnen ebenfalls 100 Rial. Und wunderte sich vermutlich über dieses "seltsame deutsche Ritual".