Tüten statt Toiletten

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Es ist dringend!

"Mama, ich muss mal!" Ein Ausspruch, der halb so wild ist, wenn man mit dem Auto unterwegs ist: Kurz anhalten, das "Geschäft erledigen" – und schon ist wieder alles okay. Was aber, wenn man im Zug sitzt und dieser über kein WC verfügt?

19.10.2011, 14:57 Uhr

Klar ist: Ich werde Ärger bekommen, und zwar von meinem Kumpel Z. Gewaltigen Ärger! Z. schätzt es überhaupt nicht, wenn er in unserem Reiseblog von ekligen Dingen lesen muss. Aber leider kommen wir heute nicht drumherum, denn die Ereignisse häufen sich. Naja, häufen ist eigentlich das falsche Wort. Denn – aufhorchen, Z. – es geht diesmal nur um das "kleine Pendant".

Wie dringend dieses Bedürfnis mitunter sein kann, beweisen ungezählte Autofahrten in den Urlaub: Man freut sich, gerade noch rechtzeitig vor dem großen Stau weggekommen zu sein, also direkt nach dem frühmorgendlichen Kaffee (hier beginnt schon das Verhängnis), um nach wenigen Minuten vom Beifahrer- oder Rücksitz den Satz zu hören: "Ich glaub, ich muss mal." Oder man spürt selbst als Geschäftsreisender das dringende Bedürfnis, ein gewisses Geschäft zu erledigen – Sie wissen schon, welches ich meine.

Gerard Depardieu, der französische Schauspieler, ist nicht einmal mehr dazu gekommen, diesen Gedanken auszusprechen. Sondern handelte unverzüglich, und zwar im Gang eines Flugzeugs. Das musste daraufhin seinen Start abbrechen und gereinigt werden.

Der holländischen Eisenbahn (fährt Depardieu mit der?) soll das nicht passieren. Sie hat jetzt Pinkeltüten entwickelt, die in den WC-freien Nahverkehrszügen ausliegen. Ein System also, dass von den Urinflaschen im Krankenhaus hinreichend bekannt ist.

Gespannt sind wir nun auf die Reaktion einer gewissen irischen Billigfluglinie, die gern Ideen aufgreift, die zusätzliches Geld bringen. Warum also eine Toilettengebühr verlangen, wenn sich viel besser und einfacher gleich am Gate die Pinkeltüte verhökern lässt?
Allerdings, so betont es zumindest die Eisenbahn-Zentrale, sollten die Tüten im Zug nur in "ganz dringenden" Fällen benutzt werden. Also, wenn der Zug mal stundenlang vor einem roten Signal steht oder aus sonstigen Gründen nicht weiterfahren kann. Oder aber, wenn ein Passagier einfach mal muss.

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