Nachhaltigkeit ist zum Modewort geworden und nicht alles, was in der Öko-Debatte gefordert wird, macht Sinn. Doch es gibt viele kleine Dinge, die auch Geschäftsreise-Planer tun können.
Drei Jahre: Im modernen Wirtschaftsleben ist dies eine kleine Ewigkeit – siehe iPhone, siehe Facebook, siehe Karstadt. Doch beim Thema Umweltschutz ticken die Uhren anders. „Im Grunde gelten heute noch genau dieselben praktischen Tipps wie schon 2008“, sagt Torsten Kriedt, unter dessen Federführung die BDC-Tochter Advito 2008 den VDR-Wegweiser Nachhaltigkeit erstellt hatte: einen elementaren „Leitfaden für nachhaltiges Travel Management“, wie ihn seine Macher nennen.
Doch dann war die Krise hereingebrochen, und mitunter gerieten die Bemühungen gegen Klimawandel und schmelzende Polkappen ein wenig aus dem Blickfeld. „Sicherlich standen während der Wirtschaftskrise vor allem die Reisekosten im Fokus, aber das Thema Nachhaltigkeit hat dadurch nicht an Bedeutung verloren“, bilanziert Martina Eggler, Vertriebschefin des Geschäftsreise-Anbieters CWT. Denn: „Gerade jetzt, wo die Wirtschaft wieder stark anzieht, ist es wichtig, ein intelligentes, effizientes und umweltverträgliches Geschäftsreise-Programm umzusetzen. Also Bahn statt Flug, umweltzertifizierte Hotels, grünes Fuhrparkmanagement, Videokonferenzen, Kohlendioxid-Reporting.“
Martina Eggler spricht von einer „ganz neuen Mobilitätskultur“, und ihr Kollege Thorsten Kriedt stellt wieder ein „riesiges Interesse“ an Umweltfragen fest – auch im Geschäftsreise- und Veranstaltungsmanagement. Allerdings, so Kriedt: „Viele Menschen wissen nicht genau, wie sie es umsetzen sollen.“ Beispiel Reisevermeidung: „Viele große und kleine Unternehmen haben in Web- und Videokonferenzsysteme investiert und erwarten nun von ihrem Travel Management, dass dies eingebunden wird, wenn es darum geht, wie gereist werden soll“, sagt Kriedt. Alternativen zum Reisen sollen bereits in den Reiserichtlinien verankert werden.
„Damals sind wir noch dafür belächelt worden, dass wir ‚Nachfragemanagement’ aufgenommen haben“, schmunzelt Kriedt. Doch heute, nach der Rezession, sei diese Nachfragesteuerung das zentrale Element. „Dadurch schafft man bei den Reisenden selbst eine viel größere Aufmerksamkeit.“
Doch nicht nur Geschäftsreise-Entscheider wissen oft nicht: wo anfangen? Auch Hotels, Fluggesellschaften und andere Leistungsanbieter scheinen mitunter überfordert mit der praktischen Umsetzung. Diese Erfahrung zumindest machte Holger Leisewitz. „Im Kielwasser einer Diplomarbeit“ hatte der Chef des Eventmanagements bei Beiersdorf (Nivea) eine „Hotelbewertung unter nachhaltigen Gesichtspunkten“ entwickelt.
Herausgekommen ist ein ökologischer Fragenkatalog an die Hotels. Als er damit zu seinen Vertragshäusern ging, „haben wir offene Türen eingerannt“, staunt der Hamburger. „Das Interesse auf Hotelseite ist sehr groß. Viele sagten, sie fänden es toll, dass ihnen das jemand aus der Praxis näherbringt.“
Dass also jemand ganz konkret sagt: Ihre „Rainfall“-Duschen sind zwar schön, sie erhöhen aber den Wasserverbrauch. Dass die lokale Wäscherei derjenigen im Niedriglohnland vorzuziehen ist, genauso wie die Flussforelle dem Wildlachs, der zwar exquisit ist, durch seinen Import bei Umweltexperten aber als Kohlendioxid-Verschwender gilt.
Auch die Reisenden der Deutschen Post hätten wohl nicht viel anzufangen gewusst mit dem „globalen Regelwerk“ ihres konzernweiten Klimaprogramms „Go Green“. Wolfgang Suchetzki, dem Travel Manager, war dies bewusst. In einem „Travel Smart Guide“ hat er die Selbstverpflichtung zur Verringerung des CO2-Ausstoßes heruntergebrochen auf den Alltag seiner Geschäftsreisenden.
Dabei läuft es auf Fragen hinaus, die sich jeder Reisende vor seinem Trip beantworten muss. Fragen jedoch, die es in sich haben, weil sie jeweils „eine Kaskade an Entscheidungen nach sich ziehen“. Punkt 1: „Frag nach dem Reisegrund und nutze auch die Alternativen“, zitiert Suchetzki. „Dabei geht es vor allem darum, eine unnötige Reise bereits im Vorfeld zu vermeiden.“ Erst wenn Alternativen wie Videokonferenzen ausgeschlossen sind, eine Reise also definitiv stattfinden muss, kommt Punkt 2 zum Tragen: „Plane Deinen Trip nicht nur nach wirtschaftlichen, sondern auch nach ökologischen Kriterien.“
Soll heißen: Der Geschäftsreisende soll sein Verkehrsmittel auch nach grünen Gesichtspunkten wählen. Auf Kurzstrecken beispielsweise sollen Business Traveller die Bahn statt des Flugzeugs buchen, und bei Mietwagen auf Upgrades in die nächst höhere, aber spritintensivere Kategorie verzichten.