Fluggesellschaften werden weitere Leistungen aus dem Ticketpreis ausgliedern und dafür Zusatzgebühren verlangen. Bei der VDR-Tagung gab’s Tipps für Firmen.
Für amerikanische Travel Manager ist es Alltag, für ihre deutschen Kollegen eine Schreckensvision: Die Zahl der Zusatzgebühren, die Fluggesellschaften erheben, steigt enorm. Ob für Gepäck, Sitzplatzwahl, Mahlzeiten oder Kissen an Bord: Immer häufiger werden – zusätzlich zum reinen Flugpreis – weitere Entgelte fällig. Manches lässt sich vorab buchen, anderes kann der Reisende erst am Flughafen bezahlen. Folge: ein administratives Wirrwarr für Geschäftsreiseplaner. Und eine vergebliche Suche nach dem wirklich günstigsten Flugpreis – denn wer weiß schon, welche und wie viele Gebühren noch nachträglich dazukommen?
„Ein Ende der Zusatzgebühren-Welle ist nicht abzusehen“, resümiert Andreas Schmitz von der BCD-Beratungstochter Advito auf der diesjährigen VDR-Tagung. Allein in diesem Jahr setzen die Airlines auf diese Weise 24 Mrd. Euro um – 44 Prozent mehr als 2010. Und: Jede Airline verlangt unterschiedlich hohe Entgelte und differenziert diese wiederum nach Strecken oder Leistungskombinaionen. Immerhin, bis Ende 2012 sollen alle Linien am EMD (Electronic Miscellaneous Documents) teilnehmen. Das bedeutet, in den Reservierungssystemen lassen sich sämtliche Zusatzgebühren eines Flugtickets auf einem einzigen Dokument darstellen.
Christian Rosenbaum vom Softwareanbieter I-FAO: „Das erleichtert das Reporting, und es lassen sich verschiedene Airlines auf einem Ticket buchen.“ Travel Manager können sehen, welche Entgelte im Gesamtpreis enthalten sind – oder gewünschte Zusatzleistungen heraussuchen und kombinieren. Bislang ist erst eine Handvoll Airlines dabei. Und die Grundprobleme bleiben: Intransparenz bei den Preisen und mangelnde Vergleichbarkeit. Hinzu kommt: Airlines können per App oder am Airport direkt beim Reisenden nachfragen, welche Zusätze er möchte – und somit Travel Manager und Reisebüro umgehen.
Was tun? Ein Patentrezept konnte auf der VDR-Tagung niemand anbieten. Stefan Fallert von CWT rät allerdings, in den Richtlinien genau zu definieren, welche Zusatzgebühren die Firma übernimmt (zum Beispiel das erste Gepäckstück) und welche zulasten des Reisenden gehen, so er sie denn bucht. Und um einen Überblick über die Höhe der Entgelte zu bekommen, „könnte man alle Airline-Kreditkarten-Transaktionen bis 50 oder 100 Euro pauschal als Zusatzgebühr ins Reporting einfließen lassen“, empfiehlt Fallert. Sein Tipp: „Verhandeln Sie dann mit den Airlines nicht nur über den Nettopreis, sondern über den Gesamtpreis inklusive aller Gebühren. Vielleicht sind dann weitere ein oder zwei Prozent Rabatt auf Rennstrecken drin.“