Vegan auf Reisen

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Was Hotels und Airlines Veganern bieten

Ob Hype oder echter Trend: Veganismus ist im Gespräch. Doch welche Angebote machen Hotels und Airlines den Anhängern des rein pflanzlichen Lebensstils?

von Sabine Neumann, 23.03.2016, 09:00 Uhr
Voll vegan: Indisches Gericht Ghajar Pulau mit Reis, Kokos und Sesam.
Foto: Thinkstock

Geschäftsreisende, die vegan leben, haben es nicht immer leicht. Schon wer auf seiner Dienstfahrt einen schnellen Restaurant-Zwischenstopp einlegen will, hat ein Problem: Nicht auf jeder Speisekarte stehen auch vegane Gerichte – und schon gar nicht in reichhaltiger Auswahl. Dabei gibt es in Deutschland inzwischen mehr als 5.800 Restaurants, die Speisen zu 100 Prozent vegan anbieten. Die meisten von ihnen sind in Nordrhein-Westfalen zu finden.

Aber auch Business-Hotels reagieren auf die Wünsche ihrer Gäste und bieten vegane Menüs an. In der Küche des Best Western Plus Atrium Hotel in Ulm etwa kennt man relativ früh die Essgewohnheiten der Tagungsteilnehmer: „Nach Möglichkeit versuchen wir, schon bei der Reservierung oder zu Beginn einer Veranstaltung von unseren Gästen Auskunft über Essgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten zu erhalten“, sagt Geschäftsführer Oliver Schreiber. „Wenn uns diese Infos vorliegen, werden entsprechende gleichwertige Alternativen für Kaffeepausen und zu den Mahlzeiten zubereitet.“

Vegetarisch statt vegan

Allerdings: So sehr das Thema „vegan“ derzeit im Fokus der Öffentlichkeit steht, „die Zahl dieser Gäste ist eher gering“, sagt Schreiber. „Weit mehr Gäste essen vegetarisch.“ Diese können wie in vielen Hotels in Deutschland ihre Gerichte unter Menütiteln wie „Fleischlos glücklich“ auswählen. Vegane Menüs bietet Best Western zum Beispiel auch in Würzburg und Wiesloch an, doch auch hier hält sich die Nachfrage in Grenzen. „Ich glaube, dass sich im Gegensatz zur vegetarischen die vegane Kost nicht großflächig durchsetzen wird und auch nur als Randerscheinung der Gästewünsche zu betrachten ist“, resümiert Klaus Michael Schindlmeier, Geschäftsführer im Best Western Plus Palatin Kongresshotel Wiesloch. Der Küchenchef des Gourmetrestaurants „Kuno 1408“ (Rebstock Würzburg), Benedikt Faust, beobachtet zwar, dass im Gourmetbereich die Nachfrage nach veganer Kost zunimmt: „Doch dies ist für mich eher eine Modeerscheinung.“

Auch die Lindner Hotels können vegane Gerichte anbieten. Diese sind fest in der Speisekarte und bei den Büfetts eingeplant. „Da wir eine breite Angebotspalette haben – von reinen Business-, über Tagungs- bis hin zu Wellnesshotels –, ist die Nachfrage nach veganen Gerichten sehr heterogen, so dass wir keine zentralen Vorgaben oder Standards haben“, sagt Jürgen Kinner, Leiter Gastronomie und Einkauf. Bei Tagungen gibt es nach vorheriger Anmeldung vegane Alternativen für Kaffeepausen, Mittag- und Abendessen. Einige Lindner-Hotels hatten vegane Gerichte im Programm; diese wurden aber wieder herausgenommen, da sie niemand bestellt hatte.

Was ist vegetarisch und was vegan?

In Deutschland leben etwa 7,8 Mill. Vegetarier; die meisten von ihnen sind Frauen. Weltweit gibt es 1 Milliarde Menschen, die weder Fleisch, Fisch noch Wurst anrühren. Veganisch ernährt sich, wer auf sämtliche tierische Produkte verzichtet, also auch beispielsweise auf Eier, Milch und Honig. Bis zu 900.000 Veganer (ca. 1,1 % der Bevölkerung) sollen in Deutschland zu Hause sein. Wer streng vegan lebt, trägt auch keine Kleidung von toten Tieren wie Seide und Leder. Die meisten Vegetarier/Veganer leben in Taiwan. Deutschland steht an zweiter Stelle. In mehr als 60 Ländern gibt es über 500 vegetarische und vegane Hotels, die nach über 40 verschiedenen Kriterien selektiert worden sind. Das Internet-Portal Veggie-Hotels (www.vegan.eu) macht diese Suche für den Geschäftsreisenden leicht. Unter der Rubrik www.vegan-welcome.com erhält er auch Auskunft, welches Hotel entsprechende Speisen für ihn anbietet.

Veganismus: Hype oder Bedürfnis?

„Vegetarische, regionale Zutaten sind sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoller als vegane Angebote“, sagt Kinner. „Denn für die Nachhaltigkeit ist es sicherlich nicht sinnvoll, Fleischersatz aus extra importiertem Soja vorzuhalten und dann wegen der mangelnden Nachfrage wieder wegzuwerfen.“

Eine andere Ansicht vertritt Sternekoch Lutz Niemann von der „Orangerie“ im Maritim Seehotel Timmendorfer Strand, verantwortlich für das Speisen- und Getränke-Konzept der deutschen Kette. Er sieht vegane Kost als ernstzunehmendes Kundenbedürfnis, „auf das wir mit innovativen und kreativen Speiseangeboten reagieren müssen“. Schließlich verzichteten manche Menschen aus Tier- oder Umweltschutzgründen auf tierische Produkte, andere wegen ihrer Gesundheit. „Diese Motive muss man akzeptieren und zeitgemäße Angebote schaffen.“ So biete seine Kette bietet in jedem der 34 Häuser in Deutschland „eine große vegane Speiseauswahl an“. Bei den Büfetts setzt Maritim auf einer Beschilderung der verschiedenen Angebote, die besagt, ob sich diese für Vegetarier oder Veganer eignen.

Vegane Speisen im Flugzeug

Aber auch Airlines stellen sich auf Veganer ein. Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs bietet inzwischen vegane Gerichte an. Diese gehören zu den Sondermahlzeiten und müssen spätestens 24 Stunden vor Abflug bestellt werden. „Idealerweise sollte der Passagier seinen Sonderwunsch aber direkt bei der Flugbuchung mit angeben", rät Kerstin Lau von LSG. Air Berlin offeriert auf ihren Langstrecken ein veganes Menü – mit so appetitanregenden Namen wie „Potato Boat“ mit Quinoa, Champignons und Brokkoliröschen.

Interessant: Mit Ledersitzen – ein nicht veganes Material – habe es noch nie Probleme gegeben, berichtet Air Berlin. Dabei gilt: Die Airlines wählen die Bezüge ihrer Flugzeugsitze selbst aus. Auf Langstrecken werden wegen des Komforts meist Stoffbezüge und auf Kurzstrecken wegen der einfacheren Reinigung Lederbezüge eingesetzt. Sitzhersteller Recaro Aircraft Seating berücksichtigt dabei auch die sogenannte Life-Cycle-Kette. „Das heißt, wir nehmen ausrangierte Flugzeugsitze zurück und bereiten sie für ihren weiteren Einsatz neu auf “, erklärt Recaro-Manager Stephan Arnold. Das aber funktioniere besonders nachhaltig – Veganismus hin, Veganismus her — mit dem „langlebigen Material Leder“.

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