Werbesprüche

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Feiner pinkeln

Wer viel unterwegs ist, der begegnet vielen von ihnen: Werbesprüche. Über manche muss man den Kopf schütteln, andere sind zum Schmunzeln schön.

von Oliver Graue, 20.06.2012, 17:22 Uhr

Sat 1 hat rasch reagiert. Als eine Umfrage ergab, dass die meisten Fernsehzuschauer den Werbespruch des Senders anders verstanden hatten, als dieser ihn eigentlich verstanden haben wollte, wurde er kurzerhand gestrichen. Aus dem Programm genommen sozusagen. "Powered by Emotions", so hatte der Münchner TV-Kanal für sich geworben. Ganze 33 Prozent der Menschen wussten mit dem Claim, wie es in der Fachsprache heißt, etwas anzufangen. Andere hingegen übersetzten ihn mit "Kraft durch Freude" oder "Strom bei Emotion".

Nicht nur, wer viel fernsieht oder durch Zeitschriften blättert, sieht sich mit den merkwürdigsten Werbebotschaften konfrontiert. Auch auf Reisen begegne ich immer wieder Sprüchen, über die ich den Kopf schütteln muss (was will uns der Autor sagen?), aber auch solchen, die ein Schmunzeln hervorlocken. Ein großer Stromkonzern beispielsweise, der seine drei Initialien inzwischen in drei Wörter integriert, machte einst mit dieser Botschaft auf sich aufmerksam: One Group, Multi Utilities. Und wie kam es bei der Zielgruppe, den Energiekunden, an? Auf jeden Fall ganz anders: "Ohne Gruppe Multi Kulti" verstanden die einen. Die anderen glaubten, es geht um eine Musik-Band ("The Multi Kultis"). Schon die neue CD gekauft?

Nett war auch der Versuch einer inzwischen unter neuem Namen existierenden Bank, sich mit dem Motto "Where Money lives" zu schmücken. Nur uns Kunden war der Sinn, der sich dahinter verbergen sollte, nicht ganz klar: Wieso lebt er denn ausgerechnet hinterm Geldschalter – dieser gewisse Manni?

Gut ist: Die meisten Unternehmen sind längst von ihren anglizistischen Sprüchen abgerückt. Geworben wird wieder auf gut Deutsch. So wie der Sanitär-Spezialist, dem ich dieser Tage auf der Autobahn begegnet bin. Über sein Motto, das in großen Buchstaben auf dem Auto stand, dürfte es wenig Diskussionen geben. Es lautet: "Feiner pinkeln".

Und mindestens so klar war auch der Spruch des Taxi-Unternehmens, in dessen Wagen 6-512 ich kürzlich einstieg – wenn auch mit einer gewissen Skepsis. Nicht etwa, dass das Auto einen schlechten Eindruck gemacht hätte. Nein, es war die Werbebotschaft, die an der Beifahrertür prangte: "Wir bringen jeden um die Ecke".

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