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Äußerst kritisch ist auch die Kommunikation über nationale Festnetze, W-LAN oder Voice over IP. „Sicherheit gibt es bei diesen Technologien nicht“, sagt Manfred Fink von Fink Secure Communication aus Coburg. Wer um Gespräche über solch einen Kanal nicht herumkommt, der sollte zumindest nur das Nötigste mitteilen, rät Fink. Wer übers Festnetz telefoniert, sollte statt über der Hotelleitung lieber einen öffentlichen Fernsprecher nutzen, empfehlen Sicherheitsexperten. Allerdings nicht unbedingt den direkt vor dem Hotel.
Besser ist der Einsatz von Handys mit so genannter Kryptotechnik. Hier werden die Gespräche verschlüsselt, und die Gesprächspartner müssen sich authentifizieren. Dies macht ein Abhören in der Regel unmöglich. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass die Verbindungen mitten im Gespräch von frustrierten Geheimdienstlern gekappt werden.
Ein Großteil der Unternehmensinformationen geht heute auf einem Laptop auf Reisen. Für Sicherheitsexperten nicht unbedingt das ideale Transportmedium, denn laut Verfassungsschützerin Berner ist es für die Nachrichtendienste ein leichtes, das Gerät mit den darauf enthaltenen Daten anzuzapfen. Sie favorisiert kleinere Speichermedien wie USB-Sticks oder CDs. „Am besten werden diese direkt am Körper oder im Handgepäck getragen“, sagt Berner. Bei Bedarf könnten die so transportierten Informationen dann auf den eigenen, nur mit dem Betriebssystem und den Arbeitsprogrammen ausgestatteten Laptop überspielt werden.
Egal ob Laptop, USB-Stick oder CD-ROM – alle mobilen Geräte und Speichermedien sollten mit einer Verschlüsselungssoftware gesichert werden. Problem dabei: Nicht alle Länder erlauben die Einfuhr von Kryptotechnik. Sie fordern an der Grenze den elektronischen Schlüssel für derart gesicherte Geräte. Wobei einem dies nicht nur in China oder Russland passieren kann, sondern auch in Frankreich oder in den USA. Verzichten sollte man auf eine solche Absicherung seiner mobilen Geräte trotzdem nicht.
Datenschutz beschränkt sich aber nicht nur auf den Einsatz moderner Sicherheitssoftware und Verschlüsselungstechnik. „Wer den Schutz gegen Informationsabfluss nur als EDV-Problem versteht, liegt falsch“, bemängelt Christian Schaaf von Corporate Trust. Problem sei oftmals nicht die Technik, sondern der Mitarbeiter. Der geht auf Reisen viel zu sorglos mit vertraulichen Daten um. Sei es bei Telefonaten in der Öffentlichkeit, sei es bei Arbeiten mit dem Laptop im Flugzeug, am Airport oder in der Bahn. „Es ist erschreckend, was man hier als Sitznachbar oftmals alles mithören oder mitlesen kann“, sagt Guido Bastians, Travel Manager bei Texas Instruments und dort auch für die Unternehmenssicherheit verantwortlich. Die Laptops der eigenen Geschäftsreisenden hat Bastians mit Blickschutzfolien versehen lassen. Sie sorgen dafür, dass die Darstellungen auf dem Monitor nur zu erkennen sind, wenn man direkt vor dem Bildschirm sitzt. „Eine nicht sehr aufwendige, aber effektive Maßnahme“, sagt Bastians.
Für Telefonate und berufliche Diskussionen mit den Kollegen in der Öffentlichkeit gilt größtmögliche Gesprächsdisziplin. Kontrollieren kann Texas Instruments das nicht, doch zumindest die Mitarbeiter vor Reiseantritt zur Vorsicht aufrufen. Zuletzt geschehen Ende 2008, als der Taschenrechnerproduzent eine unternehmensweite Kampagne zum Datenschutz durchführte.
Wobei diese Gesprächszurückhaltung nicht nur an öffentlichen Plätzen – zum Beispiel in der Hotellobby oder im Restaurant – gelten sollte. Selbst im Hotelzimmer ist Vorsicht geboten. Wer weiß, ob nicht ungebetene Gäste mithören. Wer sich hier an James-Bond-Filme erinnert fühlt oder eine ausgeprägte Fantasie Kapriolen schlagen sieht, der täuscht sich. „Die Frage ist nicht, ob man paranoid ist, die Frage ist, ob man paranoid genug ist“, sagt Sicherheitsexperte Fink. Was alles möglich ist, zeigte sich vor Jahren in Wien. Dort wurden im Marriott Hotel bei der Renovierung dreier Suiten in den Wänden Abhörwanzen entdeckt. Wer die Gäste, zu denen auch Delegationen der Opec-Staaten gehörten, jahrelang belauschte, ist bis heute ungeklärt. Für einen Einzelfall hält Manfred Fink die Aktion nicht: „Luxuszimmer und Suiten sind weltweit als Risiko einzustufen. Das gilt auch für Deutschland.“
Gefahr lauert auch an der Hotelbar. Die vermeintliche Zufallsbekanntschaft sitzt dort eben nicht unbedingt zufällig, sondern wurde gezielt auf den Reisenden angesetzt, um ihm in entspannter Atmosphäre sensible Informationen zu entlocken. Trinkgelage mit Geschäftspartnern sollten ebenso vermieden werden wie der gemeinsame Besuch von Nachtclubs – beides in Russland gängige Praxis. Leicht können hier, aber auch auf dem Hotelzimmer, kompromittierende Fotos entstehen, die später zur Erpressung von Firmendaten genutzt werden, warnt Verfassungsschützer Schauff.
Wer meint Opfer, von Datendieben im In- oder Ausland geworden zu sein, jedoch aus Angst um seinen guten Ruf den Gang zur Polizei scheut, kann sich an die Landesämter für Verfassungsschutz wenden. Die sind nicht zur Strafverfolgung verpflichtet und können Verdachtsfälle und Anfragen diskret behandeln – Geheimsache halt.