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Zukunft der Geschäftsflüge

06.11.2009, 10:38 Uhr

Vorn ist noch was frei

von Oliver Graue

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Angst vor Monopolisten

„Fluggesellschaften, die nicht profitabel arbeiten, werden auf Dauer nicht mehr fliegen können“, sagt Frank. „Die Industrie und wir müssen daher gemeinsam überlegen, wie diese Profitabilität gehalten und damit die Mobilität gesichert werden kann.“

Langstrecke: Entspannen ist Pflicht. 13 Stunden Holzklasse sind eindeutig kontraproduktiv.
Foto: PR

Rein rhetorisch ist seine Frage zu verstehen: „Welchen Wert hat Mobilität für Deutschland als Exportnation und wichtiger Wirtschaftsstandort?“ Ticket-Preise, die unter den Selbstkosten der Gesellschaft liegen – darin sieht der Manager eine Gefahr für beide Seiten. Welche Wege die Luftfahrtunternehmen den Travel Managern ebnen, unterscheidet sich. Während auf der Langstrecke einige Airlines auf lukrative Firmenförderprogramme setzen, bauen andere auf eine gehobene Premium Economy, die Annehmlichkeiten der Business Class zu einem niedrigeren Preis gewährt. Innerhalb Europas wiederum, wo Firmen auch schon vor der Krise vergleichsweise wenig Business nutzten, orientieren sich manche Linien an den Konzepten der Billigflieger.

Blick auf die Billigflieger

Aufgaben wie die Abfertigung am Flughafen werden an Dritte ausgelagert, die eigene Struktur wird „verschlankt“, auch durch Stellenabbau, und in Vertrieb und Marketing wird mehr investiert – dafür aber sinken die Ticket-Preise deutlich. Ein Modell, wie es die ungarische Malev gerade erfolgreich erprobt. Zu denen, die mit der neuen Zwischenklasse punkten, gehören Gesellschaften wie ANA oder Air France. Letztere hat für ihre Klasse Premium Voyager gerade erst neue Langstreckenziele wie Singapur, Hongkong, Peking und Beirut buchbar gemacht. Nach New York und Tokio war die 40 Zentimeter größere Beinfreiheit bereits zu reservieren. Auch KLM geht mit Economy Comfort ab Dezember diesen Weg.

Gesundheit und Kosten: Business Class trotz Krise

Economy fürs Inland, Business fürs Ausland: So klar wie in den 90ern waren die Richtlinien auch vor der Krise nicht mehr. Während gut 40 Prozent der Firmen 2008 auf Langstrecke Business erlaubten, differenzierten damals bereits 50 Prozent nach Hierarchie und Dauer.

Flugdauer: Ab 6 bis 7 Stunden Reisedauer gestatteten vor der Krise die meisten Firmen das Reisen in der Business Class – falls dies nicht grundsätzlich erlaubt war. Für 2009 haben die Betriebe die Daumenschrauben angezogen: Viele verbieten das Vornesitzen völlig, andere haben die dafür nötige Flugdauer verlängert, und wieder andere testen die neuen Premium- Economy-Angebote.

Fürsorgepflicht: War beim Pharmariesen Merck Business bislang grundsätzlich erlaubt, hat Travel Manager Christoph Carnier jetzt eine Zeitgrenze eingeführt: Erst ab 4 Stunden Flugzeit darf man bequemer sitzen. Ein Verbot lehnt er ab: „Wir haben eine Fürsorgepflicht für unsere Reisenden“, sagt Carnier und weist auf mögliche Gesundheitsprobleme hin, von Thrombose über körperliche Belastungen bis hin zum Jetlag.

Preisfrage: Carnier warnt: „Zum einen sind die günstigsten Business-Tarife oft gar nicht so weit von flexiblen Eco-Tickets entfernt. Zum anderen verhandeln ausgeruhte Business-Reisende besser.“ Und kommen fit zurück. „Fallen sie erstmal ein bis zwei Arbeitstage aus und ist die Leistungsbereitschaft des Mitarbeiters niedriger, dann bringt mir das Business- Verbot nichts.“

Firmenförderung hilft

In puncto Firmenförderung dürften Lufthansa und ihre Partner Swiss, Austrian, ANA, Air Canada, LOT, TAP, United mit 21.000 Kunden für ihr Modell Partner Plus Benefit Spitzenreiter sein. Aber auch Linien wie Air France (Voyager Rewards), Malev (Corporate Saver), KLM (Blue Biz), Czech (OK Plus), Emirates (Business Rewards) oder Etihad (Corporate Loyalty Club) bieten solche Konzepte an. Air Berlin, TUIfly oder Air Baltic geben Rabatte, die den Firmen meist die volle Flexibilität bei Umtausch und Stornierung der Tickets garantieren. Aber nicht allein durch Preiszugeständnisse wollen die Fluggesellschaften Kunden halten. Sie setzen auf Service, der das Fliegenbequemer, schlanker und damit indirekt auch kostengünstiger macht. Denn gerade für reisende Manager ist Zeit auch Geld. Dazu zählen ganz besonders die neuen technischen Möglichkeiten des Eincheckens per Internet und Handy, aber ebenso die erweiterten mobilen Portale.

Alle Infos immer abrufbar

Ob auf dem Blackberry oder dem iPhone: Jederzeit soll sich der Passagier alle Infos zu seinem Flug und seinem Ziel abrufen können. Wie ist das Wetter vor Ort? Wo ist gerade mein Gepäck? Angebote wie diese sollen Reisen wieder schmackhaft machen. Dass es nötig ist, daran zweifelt niemand.„Weltweites Reisen aus dienstlichen Gründen ist unabdingbar“, gibt sich Star- Alliance-Boss Jaan Albrecht überzeugt. Keine noch so ausgefeilte Videokonferenztechnik kann den direkten Kontakt zum Kunden ersetzen. Radikales Sparen oder gar Reisevermeidung kann sich da schnell als Nachteil erweisen: wenn Geschäfte platzen oder schlecht ausgehen, weil Mitarbeiter ermüdet am Ziel eintreffen. „Natürlich müssen wir als Travel Manager Geld sparen“, bringt es Merck-Mann Carnier auf den Punkt: „Aber wir sollten immer daran denken, dass es Menschen sind, die das dann aushalten müssen.“

Fragen an ...

Fabio Andaloro, Verkauf Air France KLM

Wie hat sich in der Krise das Buchungsverhalten der Firmen geändert?
Air France verzeichnet einen Rückgang in der Business Class. Die Unternehmen haben ihre Budgets gekürzt und die Richtlinien verändert. Geschäftsreisen werden öfter durch Videokonferenzen ersetzt. Diese Trends betreffen den innereuropäischen Verkehr stärker als internationale Routen.

Wie reagieren Sie darauf?
Auf der Kurz- und Mittelstrecke beispielsweise achten unsere Kunden sehr auf den Preis und nutzen viele Serviceleistungen nicht, die automatisch im Business-Class-Paket enthalten sind. Das gilt etwa für Zusatzgepäck. Künftig wollen wir daher mehr optionale, also frei wählbare Services anbieten.

Machen Sie Firmenkunden derzeit spezielle Preisangebote?
Wir passen die Konditionen an, wenn es nötig ist. In schwächeren Zeitperioden bieten wir für bestimmte Ziele auch Sonderpreise an. Eine strukturelle Preissenkung wurde nicht eingeführt, da wir unser Angebot weiterhin aufrecht erhalten und die Kosten weiter bestehen.

Kehren die Business-Kunden zurück?
Auch in Zukunft wird die Business Class weiter nachgefragt werden. Die Ansprüche auf Langstrecke einerseits und Mittel- bzw. Kurzstrecke unterscheiden sich aber. Innereuropäisch liegt der Fokus eher auf Flexibilität und Zeitersparnis am Flughafen, international auf dem Plus an Komfort. Zudem führen wir die neuen Reiseklassen Premium Voyageur bei Air France und Economy Comfort bei KLM ein.

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