Zukunft des Travel Managements

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Das sagen Experten voraus

Terrorgefahr. Mobile Buchung. Intransparente Preise. Zusatzgebühren ohne Ende. Sharing Economy. Der Wandel im Geschäftsreisemanagement bereitet vielen Firmen Unbehagen. Dabei bietet er auch Chancen – für eine neue Mobilität. BizTravel wollte von Top-Managern der Branche wissen, was sie bewegt. und wie sie sich auf die Zukunft vorbereiten.

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von Oliver Graue, 01.09.2016, 08:00 Uhr
Hans-Ingo Biehl, Hauptgeschäftsführer VDR
Foto: Martin Joppen

Datenschutz immer wichtiger

Welches sind die größten Gefahren für den Business-Travel-Bereich in den nächsten Jahren?

Am Beispiel Digitalisierung lässt sich zeigen, wie jede technische Entwicklung sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Ein Geschäftsreisender ist heute deutlich mobiler und autonomer unterwegs als noch vor zehn Jahren. Mit einem Smartphone oder Tablet-PC kann man an fast jedem Ort der Welt auf vielen Kanälen gleichzeitig online sein. Doch was auf den ersten Blick nach Freiheit klingt, ist nicht zwangsläufig im Sinne der Unternehmen, da sie Aspekte wie etwa Reisesicherheit völlig neu denken müssen. Der Trend hin zu einer höheren Datenmobilität wirft zugleich Fragen nach deren Schutz auf. Mit der mobilen Verfügbarkeit von Individual- und Firmendaten steigt auch die Gefahr von Wirtschaftsspionage und Eingriffen in die Privatsphäre der Reisenden.

Müssen Travel Manager ihren Mehrwert in Zukunft noch stärker unter Beweis stellen?

Travel Manager leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur effizienten Planung und Abwicklung geschäftlicher Mobilität in Unternehmen. Sie helfen mit ihrem Wissen, Prozesse zu optimieren und Märkte zu analysieren mit dem Ziel, Mobilitätskosten zu senken oder zu optimieren. Allein damit schafft der Travel Manager einen Mehrwert – heute und in Zukunft. Die Herausforderungen werden groß bleiben: Volatile Energie- und Rohstoffpreise, innerbetriebliches Sparen, hohe ökologische Standards und staatliche Auflagen wie Maut oder Umweltzonen verändern geschäftliche Mobilität auch kostenmäßig. Heutzutage müssen Firmen Themen wie technische Entwicklung, Nachhaltigkeit und CSR unter teils erheblichen finanziellen Restriktionen unter einen Hut bekommen. Das Travel Management bewegt sich hier exakt an einer Schnittstelle und bedarf entsprechend professioneller Strukturen. Wichtig wird ebenfalls sein, dass der Travel Manager zum Business-Partner wird, also nicht nur Kosten senkt, sondern verstärkt die Ziele seiner internen Kunden unterstützt.

Wie verändern sich die Aufgaben?

Die wachsende Gefahr terroristischer Angriffe stellt auch uns vor Herausforderungen. Und wenn sich zum Beispiel die politischen Verhältnisse in einem Land von einem Tag auf den anderen destabilisieren, wie in der Türkei geschehen, dann wird der Travel Manager zum Krisenmanager. Dann gilt es, schnell den Kontakt zu den Mitarbeitern vor Ort herzustellen, einen Überblick über die Lage zu bekommen und geeignete Maßnahmen zum Schutz der Kollegen zu ergreifen.

Patrick W. Diemer, Airplus
Foto: Martin Joppen

Papierprozesse sind Vergangenheit

Welche Veränderungen erwarten Sie für das Bezahlwesen der Zukunft?

Eine neue Generation von Geschäftsreisenden steht in den Startlöchern, die bereits eine umfassende digitale Sozialisation erfahren hat: Junge Erwachsene sind an Usability, Tagesaktualität und Look von Smartphone-Apps gewöhnt. Sie erleben im Privaten eine fortschrittliche Technik, deren Gegenstück auf Unternehmensseite meist hinterherhinkt. Unsere Branche steht vor der Herausforderung, sich hier auf Augenhöhe zu begeben.

Was bedeutet das für Travel Manager?

Der Travel Manager sieht sich mit Produkten konfrontiert, die in immer kürzeren Abständen optimiert und ergänzt werden – wie bei privaten Apps. Als Schnittstelle zu den Entwicklern von Geschäftsreiseprodukten liegt es einerseits an ihm, die spezifischen Bedürfnisse seines Unternehmens mit den sich rapide wandelnden technischen Möglichkeiten in Einklang zu bringen. Andererseits nimmt er gegenüber dem Geschäftsreisenden eine neue Funktion als „Innovationsvermittler“ ein.

Welche Veränderungen im Business Travel würden Sie sich wünschen?

Da wir keine Wünsche frei haben, müssen wir als Branche aktiv die Zukunft gestalten. Drei Themenfelder seien genannt:

1. Die Politik stellt gleiche Rahmenbedingungen für alle Anbieter sicher. Bei der europäischen Regulierung der Kreditkartengebühren ist dies leider nicht geschehen.

2. Das Organisieren einer Geschäftsreise darf nicht komplizierter sein als die Auswahl, Buchung und Bezahlung einer Pauschalreise. Dazu müssen sich alle relevanten Player aufeinander abstimmen.

3. Papierprozesse gehören der Vergangenheit an. Das fängt beim Bargeld an und hört bei den Reisekostenbelegen auf. Die Branche ist derzeit noch nicht so digital, wie sie es gern hätte.

Oliver Wagner, Eurowings
Foto: oro-photography

Zwischen Ultra-Low-Cost und Qualitäts-Low-Cost-Fliegern

Wie wird sich der Airline-Markt in 10-15 Jahren vom jetzigen Markt unterscheiden?

Das zu wissen wäre der Jackpot! Ich denke, die aktuellen Trends werden sich verstärken: Internationalisierung der Produktion, Konsolidierung insbesondere im europäischen Verkehr, Digitalisierung der gesamten Kundenschnittstelle inklusive Internet an Bord sowie die Konzentration auf eher größere Flughäfen und Billigflieger auf der Langstrecke. Im Kontverkehr wird es zwei Entwicklungen geben: Ultra-Low-Cost-Carrier mit immer mehr Sitzen im Flugzeug und Qualitäts-Low-Cost-Carrier mit einem differenzierten Produktangebot.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Airlines?

Der Geschäftsreisende hat auch in Zukunft zwei zentrale Ansprüche bei seinen Reisen: Schnelligkeit und Effizienz der Services sowie Komfort. Letzteres sicherlich eher auf der Langstrecke. Für die Kurzstrecke bedeutet dies, dass es noch mehr Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und mehr Produktangebote zur Auswahl stehen. Die Digitalisierung der gesamten Servicekette und permanente Vernetzung sind weitere Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit einer Airline.

 
 
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